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Wie in anderen Ländern der erste Schultag gefeiert wird

Der erste Schultag ist in der Schweiz eine ernste Sache, in Deutschland wird den ganzen Tag gefeiert. In Italien geht am ersten und allen anderen Tagen nichts ohne Elterntaxis, und in Dänemark beginnt der Ernst des Lebens in der 0. Klasse.
Julia Nehmiz, Sarah Weber-Coppola, Niels Anner, Laura Widmer
Grosse Zuckertüten am ersten Schultag gehören in Deutschland dazu. (Bild: Getty)

Grosse Zuckertüten am ersten Schultag gehören in Deutschland dazu. (Bild: Getty)

1. Deutschland: Ein grosses Fest mit Zuckertüte

Schon Wochen vor dem ersten Schultag sieht man deutsche Eltern (zumeist Mütter) halb verzweifelt in den Schreibwaren­abteilungen umherirren. In der Hand lange Listen: Für welches Fach braucht man welches Schulheft? Liniert, kariert, Din A4 oder Din A5, mit oder ohne Rand, welche Farbe muss die Heftschutzhülle haben? Dann noch Bleistifte in bestimmten Stärken, Buntstifte, Filzstifte, Schere, Leim, Wasserfarben, Bastelmaterialien, die Schulen listen gar auf, welcher Spitzer und welcher Plastikbecher zum Pinsel besorgt werden muss.

Beim ersten Kind folgt man noch penibel den Angaben, beim zweiten Schulkind weicht man auf billigere Produkte aus. Denn: Kauft man getreu den Angaben, ist man schnell einmal 60 Euro los. Noch ohne Schulranzen und Etui.

Doch das Wichtigste am ersten Schultag in Deutschland ist: die Schultüte, teils auch Zuckertüte genannt. Ob selbst gebastelt oder gekauft: Hauptsache gross. Seit über 200 Jahren versüsst sie den Start in den «Ernst des ­Lebens». Wie und wo genau der Brauch entstand, ist unklar. ­Frühe schriftliche Belege finden sich in Jena (1817) und Dresden (1820). Der Brauch verbreitete sich, Mitte des 19. Jahrhunderts erschien ein Kinderbuch zum Thema Zuckertüten.

In manchen Regionen Deutschlands wird bis heute den Schulanfängern die Geschichte vom Zuckertütenbaum erzählt, an dem die Zuckertüten wachsen. Ach ja, Unterricht findet am ersten Schultag keiner statt. An deutschen Grundschulen wird ein Fest gefeiert. Mancherorts wird der erste Schultag auf einen Samstag vorverlegt, damit die ganze Verwandtschaft teilnehmen kann. Die älteren Schüler führen ein Theaterstück auf, vielleicht gibt es einen Gottesdienst, und am Nachmittag feiert die ­Familie im Restaurant. (miz)

2. Italien: Im Elterntaxi und mit Schürze

Italiens Bambini gehen uniformiert zur Schule, es ist obligatorisch, eine weisse, dunkelblaue oder schwarze Schürze zu tragen, wie das bereits im Kindergarten der Fall ist, wo die Buben in hellblauen und die Mädchen in rosarot-karierten «grembiuli» ­erscheinen müssen. Damit wird die Zugehörigkeit zur Institution «Schule» signalisiert. Zudem wird die Gefahr gedämmt, sich schmutzig zu machen. Denn beflecken die Kids ihre (Marken-)Klamotten, bekommt es das Lehrpersonal mit der Mamma zu tun.

Das Elterntaxi, wogegen man in der Schweiz derzeit ankämpft wie Unkraut, ist in Italien gang und gäbe. Und verursacht zu Stosszeiten viel Verkehr und Parkplatzprobleme rund um die Schulhäuser. Die schulpflichtigen Sprösslinge werden das ganze Jahr über in die Schule chauffiert. Und wieder abgeholt. Bis zur Sekundarstufe, von einer volljährigen Person.

Und wenn nicht Mami oder Papi selber bei Schulglockengeläut vor der Schule stehen, müssen sie im Vorfeld ein Formular unterschreiben, mit den Namen der dafür delegierten Personen. Und dies zudem im (obligatorischen) Schultagebuch vermerken. Hauptsache, die «Übergabe» erfolgt von erwachsener zu erwachsener Person. «Wie ein Fisch in der Kühlkette», zog ein Schulleiter einst den ­Vergleich. Alles ist letztlich eine Frage der Verantwortung.

Wenn die Erstklässler an ihrem ersten Schultag Mitte September (in Italien dauern die Sommerferien dreieinhalb Monate) mit ihrem nigelnagelneuen Thek, den sich meistens die Eltern an den Rücken schnallen, erstmals die Schulhaustüre passieren, dann dürfen die Eltern ausnahmsweise einen Blick ins Klassenzimmer werfen. Und die Erstklässler werden von den Grossen mit einem Lied willkommen geheissen. (swc)

3. Dänemark: Schulbeginn bei 0

Dänische Kinder fangen ihre Schulzeit nicht in der 1., sondern der 0. Klasse an. Der Begriff soll einen sanften Übergang markieren. Doch es lässt sich nicht wegformulieren, dass die Kinder im Jahr, in dem sie sechs Jahre alt werden, in die Schule kommen. Denn in der 0. Klasse werden bereits Mathematik, Schreiben, Lesen und gesellschaftliche Themen unterrichtet, vergleichbar also mit der 1. Klasse in der Schweiz. Das Tempo ist jedoch gemächlich, Spiel und musische Aktivitäten erhalten viel Platz. Ab der 1. Klasse gibt es Fächer wie Natur und Technik, Religion und Kunst; Englisch wird früh, schon ab der 2. Klasse unterrichtet.

Der erste Schultag in Dänemark kennt wenige feste Traditionen. Oft gibt es Begrüssungszeremonien mit Ansprachen – wobei die Schule stets mit dänischen Flaggen geschmückt wird. Dies nicht aus Nationalstolz, sondern die Flagge ist ein Festsymbol, sie wird rausgeholt, sobald es etwas zu feiern gilt und darf auf keinem Geburtstagskuchen oder Einweihungsfest fehlen. Zudem wird gesungen, in der Tradition des «Gemeinschaftsgesangs», der auch später, in Vereinen und Firmen gepflegt wird. Bereits am ersten Schultag werden die Kinder in jene Klasse eingeteilt, in der sie gewöhnlich bis zum 9. Schuljahr bleiben: Bis dahin gibt es mit wenigen Ausnahmen keine Neuverteilung oder Abstufung nach Leistung.

Alle dänischen Schulen sind Tagesschulen. Der obligatorische Unterricht dauert von morgens früh bis Anfang Nachmittag, nur unterbrochen durch kürzere Essenspausen. Danach wechseln die Kindern in den in der Schule integrierten Hort. Dieser beinhaltet ein Angebot aus verpflichtendem Programm in Gruppen, ein pädagogisches Programm, geplante Aktivitäten und freies Spielen. An vielen Schulen wird der Wechsel vom Kindergarten bereits im Mai vollzogen: Die Kinder haben dann im Hort eine zweimonatige Eingewöhnung, ehe nach den Sommerferien die 0. Klasse beginnt. (nan)

4. Australien: Nie ohne Hut

In «Down Under» ist das Schuljahr anders gegliedert. Es beginnt in Australien nicht im Juli, sondern nach dem Nationalfeiertag am 26. Januar. Schulkinder haben dann bereits mehr als einen ­Monat Sommerferien hinter sich, in denen auch Weihnachten und Neujahr gefeiert werden.

Kein australisches Primarschulkind legt seinen Schulweg zu Fuss zurück. Sie werden von den Eltern zur Schule gebracht oder nehmen den Schulbus. Mittags essen die Schüler in der Kantine oder bringen selbst ein Lunchpaket mit. In vielen Schulen gehört auch ein breitkrempiger Hut zur Schuluniform dazu, ohne den die Schüler in den Pausen nicht nach draussen dürfen. In der brennenden Sonne Australiens ist die «No hat, not play»-Regel längst zum Alltag geworden.

Eine Sonderstellung nimmt in Australien die «School of the Air» ein. Diese wurde in den 1950er-Jahren eingerichtet, um auch Kindern in abgelegenen Teilen des Landes, etwa auf Farmen, eine geregelte Schulbildung zu ermöglichen. Im Outback sind die Distanzen für einen geregelten Schulbetrieb zu gross. In der Regel verbringt das Kind eine Stunde pro Tag in direktem Kontakt mit einer Lehrperson, bevor es den Rest des Schulmaterials mit einem Elternteil oder den ­Geschwistern bearbeitet. Früher wurden diese Lektionen per Funk durchgeführt, heute wird das Internet genutzt. Das System funktioniert: Studien haben ­bewiesen, dass die Schüler der «School of the Air» gleich gute Leistungen erbringen wie an traditionellen Schulen.

In öffentlichen Schulen ­zahlen Eltern einen Beitrag für das Schulmaterial. Rund dreissig Prozent der Schüler in Australien ­besuchen eine Privatschule, die einen höheren Jahresbeitrag ­verlangt. An allen Schulen finden häufig sogenannte Fundraiser-Partys statt. Es wird gegrillt oder Spiele gespielt, Wettbewerbe durchgeführt oder Kuchen verkauft. Mit dem Erlös aus solchen Aktionen kauft die Schule Arbeitsmaterial oder finanziert Lager und Ausflüge. (lw)

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