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KROATIEN: Wo einst Kaiser Ferien machten

Die Region Istrien war schon zu Zeiten der österreichischen Kaiser als Reiseziel begehrt. Noch heute zeugen imposante Villen und Hotels von der Blütezeit.
Rita Kohn
Das Küstenstädtchen Rovinj gilt als einer der schönsten Orte an der Adria. Zuoberst auf dem Stadthügel thront die Kirche der heiligen Euphemia mit ihrem 60 Meter hohen Turm. (Bild: Karte oas)

Das Küstenstädtchen Rovinj gilt als einer der schönsten Orte an der Adria. Zuoberst auf dem Stadthügel thront die Kirche der heiligen Euphemia mit ihrem 60 Meter hohen Turm. (Bild: Karte oas)

Speisekammer von Königen: Diese Bezeichnung trägt die Region Istrien mit Stolz. Tatsächlich sind hier kulinarische Köstlichkeiten zu finden, die der Tafel eines Königs würdig sind. Die «Speisekammer» im nördlichsten Teil von Kroatien ist reich gefüllt: Weisser Trüffel, Olivenöl, Schafskäse, Früchte und Fisch sind nur einige der überraschenden Genüsse, die in der Region warten.

Istrien nun aber auf die mediterranen Köstlichkeiten zu reduzieren, wäre ein Fehler. Die Region hat auch landschaftlich und klimatisch viel zu bieten. Eine Tatsache, die vor allem der österreichische Adel schon vor weit mehr als einem Jahrhundert zu schätzen wusste. So mag es kaum erstaunen, dass man bei der Reise durch die Küstenregionen Istriens immer wieder auf Zeugen der K.-u.-k.-Zeit stösst.

Als Bade- und Kurort geschätzt

Beim Hof in Wien besonders geschätzt war der Badeort Opatija. Das milde Klima und die schöne Lage haben den Ort zu einem begehrten Reiseziel gemacht, was ihm eine lange Blütezeit bescherte. Noch prägen imposante Villen und Hotels aus jener Zeit das Ortsbild. Die Bewohner von Opatija sind sich des besonderen Zaubers ihres Ortes durchaus bewusst und haben in den letzten Jahren viel dafür getan, den teilweise verblichenen Glanz der Villen wiederaufleben zu lassen. In die Renovation der Häuser ist viel Geld geflossen, den Gästen steht dadurch nun eine grosse Auswahl an zauberhaften Hotels mit nostalgischem Flair, aber zeitgemässem Komfort zur Verfügung.

Glamour der Belle Epoque

Da sich Opatija diesen Glamour der Belle Epoque erhalten konnte, ist es heute auch beliebtes Reiseziel von verschiedenen touristischen Unternehmen. Unter anderem haben Anbieter von komfortablen Carreisen den Ort für sich entdeckt. Einige fahren ihn als Etappe auf einer Kroatien-Rundreise an, andere haben Opatija als idealen Ausgangsort für ein Istrien-Angebot entdeckt. Damit knüpfen sie an eine Tradition an, die schon früher Bestand hatte. «Wir waren öfters hier», erinnert sich etwa Ernst Stutz, der seinen Lebensunterhalt als Carchauffeur bestritten hat. Heute unternimmt der 90-Jährige zusammen mit seiner Frau noch immer zahlreiche Carreisen. Es habe sich vieles verändert zu früher, sagt er und bekommt einen schwärmerischen Ausdruck. «Heute ist es bequemer. Aber früher, das waren halt herrliche Zeiten.» Ernst Stutz lehnt sich entspannt in seinem Sessel auf der Hotelterrasse unmittelbar an der 12 Kilometer langen Uferpromenade zurück. Er taucht ein in Erinnerungen an Fahrten nach Russland, Israel und anderen weit entfernten Zielen. Aber auch nach Kroatien. «Die Menschen hier waren immer sehr freundlich.»

Wunderwasser und Olivenöl

In Opatija die Annehmlichkeiten eines Mehrsternehotels geniessen und dennoch einen guten Überblick über die verschiedenen Attraktionen Istriens bekommen: Das ist aufgrund einer Vielzahl von Ausflugszielen durchaus möglich. So lohnt sich etwa die Fahrt ins nahe gelegene Städtchen Moscenice, ein kleiner, pittoresker Ort am Berghang. Wäre da nicht Dusan Rubinic, ein Hochbauingenieur, der heute als Bürgermeister von Moscenice amtet, würde das Städtchen wohl lediglich ein paar wenige Zufallstouristen anziehen. So aber steht der Name für einen unterhaltsamen Abstecher. Denn der leutselige – und hervorragend Deutsch sprechende – Bürgermeister weiss sein Publikum auf eine höchst unterhaltsame und abwechslungsreiche Art durch den Ort zu führen. Besonderheit von Moscenice ist das angeblich liebesfördernde Wunderwasser, das von Dusan Rubinic ebenso vollmundig angepriesen wird wie das kaltgepresste Olivenöl oder der hauseigene Grappa.

Selbstgestricktes vor der Tür

Moscenice oder auch ein weiterer, im Landesinnern gelegener Ort namens Motovun sind Zeugen vom immensen Überlebenswillen der ansässigen Bevölkerung. Unter schwierigsten Verhältnissen bewohnen sie die Häuser in den engen Gassen ihrer Städtchen und versuchen, sich mit allerlei Angeboten über Wasser zu halten. Ob es nun die selbstgestrickten Socken sind, die vor der Haustüre auf einem Schemel zum Verkauf angeboten werden, oder die liebevoll gestickten Lavendelsäckchen, die überall ausliegen: Die Frauen des Ortes beweisen viel Geschick im Herstellen kleiner Souvenirs. In Motovun – gelegen in jenem Gebiet, in dem die Suche nach weissem Trüffel sehr erfolgreich ist – sind es abermals die kulinarischen Köstlichkeiten, die einem Teil der Bevölkerung eine Lebensgrundlage bieten. Stilvolle und urige Lokale, hoch über den bewaldeten Hügeln der Region gelegen, laden zur Degustation ein.

Perlen am Meer

Von Opatija aus über den Ucka-Pass zu erreichen ist das Küstenstädtchen Rovinj, das zu den schönsten Orten an der Adria zählt. Tatsächlich zeigt sich die kleine Stadt nicht nur malerisch und überraschend gut erhalten, es ist auch ein Ort, in dem das Leben pulsiert. Ob auf dem Markt in der Nähe des Hafens oder in den verschiedenen Gassen der Stadt: Hier ziehen nicht nur Scharen von Touristen durch, es herrscht auch emsiges Treiben der Einheimischen. Das Schlendern über den grosszügigen Markt zeigt schnell, wo die Schwerpunkte hier liegen: Trüffel, Lavendel und Honig werden an fast jedem Stand feilgeboten, und auch wer Olivenöl oder Grappa sucht, wird unter mehreren Anbietern auswählen können. Nur vereinzelt zu finden – und das, obwohl direkt am Meer gelegen – sind Fische. Die kroatische Bevölkerung ist sehr zurückhaltend in Sachen Fisch. Selbst auf der Insel Krk südlich von Opatija spielen Schinken, Schafskäse und Oliven eine wesentlich bedeutendere Rolle als Fisch.

Die Stadt Krk selber hat sich in den letzten Jahren stark auf Touristen eingestellt, was an einer grosszügig bestückten Restaurantmeile direkt am Hafen deutlich wird. Wer sich aber auf den Weg durch die Altstadt begibt, wird wundervolle Gässchen finden und auch die Chance bekommen, den einen oder anderen Blick in die Häuser zu erhaschen. Nicht immer offen, aber durchaus einen Besuch wert sind die Kirchen von Krk, die einen ganz anderen Stil pflegen, als man ihn von südländischen Kirchen gewohnt ist.

Herzliche Gastfreundschaft

Die Reise nach Istrien bringt ein mögliches Vorurteil zu Fall: Die Bevölkerung des kroatischen Nordens geht sehr offen auf die fremdländischen Gäste zu und pflegt eine herzliche Art der Gastfreundschaft. Diese manifestiert sich absolut nicht nur an touristischen Orten oder in Gaststätten, die auf den Fremdenverkehr ausgerichtet sind.

In all den Küstenstädtchen lohnt es sich, einen Blick auch in kleinere Lokale zu werfen oder sich mal bei einer örtlichen Bäckerei mit frisch gebackenen Köstlichkeiten einzudecken und ein paar Worte mit den Inhabern zu wechseln. Spüren diese echtes Interesse an ihrem Alltag, sind sie gerne zu einem Plausch bereit, der nicht selten sogar in Deutsch gehalten werden kann. Zum einen als Überbleibsel einer stark deutsch geprägten Vergangenheit, zum anderen als Folge davon, dass viele für einige Jahre in Deutschland, der Schweiz oder in Österreich lebten oder dort Verwandte haben.

Schon nach wenigen Tagen fühlen sich die Gäste in Istrien gut aufgenommen und entdecken immer neue, lohnende Ausflugsziele. Ob es nun der 25 Hektaren grosse, in der Nähe von Bale gelegene Park Histria Aromatica mit seiner vielfältigen Flora und einer einzigartigen, ruhigen Atmosphäre ist oder die vor Leben strotzende Stadt Rijeka: Die Gegensätze, die Istrien zu bieten hat, sind reizvoll und laden ein, im nächsten Jahr wiederzukommen.

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