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KROATIEN: Zagreb: Im «grössten Wohnzimmer der Welt»

In Zagrebs Strassen folgt man der Geschichte auf Schritt und Tritt. Doch man atmet auch die Atmosphäre einer entspannten, modernen Metropole ein.
Der Jelacic-Platz ist der zentrale Platz in Kroatiens Hauptstadt und bedeutendster Treffpunkt der Zagreberinnen und Zagreber. Unter der Uhr verabredet man sich. (Bild: Zagreb Tourist Board/Juraj Kopac)

Der Jelacic-Platz ist der zentrale Platz in Kroatiens Hauptstadt und bedeutendster Treffpunkt der Zagreberinnen und Zagreber. Unter der Uhr verabredet man sich. (Bild: Zagreb Tourist Board/Juraj Kopac)

Annette Wirthlin

Eigentlich hätten wir auch mit dem Zug herkommen können. Dies nicht nur, weil die normalerweise 90-minütige Anreise wegen einer Flugpanne den ganzen Tag gedauert hat, sondern weil man vom historischen Bahnhofsgebäude einen herrlichen ersten Blick auf die Stadt hat: auf das König-Tomislav-Denkmal, den Kunstpavillon, die 105 Meter hohen Glockentürme der Kathedrale und die grünen Hügel von Medvednica, die der Stadt möglicherweise ihren Namen gegeben haben: Zagreb bedeutet unter anderem «hinter dem Berg». (Was aber keineswegs mit «hinter dem Mond» gleichgesetzt werden darf.)

Unser Hotel, das prestigeträchtige und grösste Hotel Zagrebs, das «Esplanade», befindet sich gleich neben dem Bahnhof. Vor 90 Jahren wurde es hier fast über Nacht erbaut, um die wachsende Zahl von Orient-Express-Passagieren zu beherbergen, die unterwegs auf der Strecke Paris–Istanbul hier haltmachten. In den frühen Jahren stiegen vorab Journalisten im «Esplanade» ab, auf der Suche nach aufsehenerregenden Menschen und Ereignissen wie etwa den extravaganten Bällen im hoteleigenen Ballsaal. Also sind wir genau am richtigen Ort.

Küken unter den EU-Hauptstädten

Bahnhof und Hotel befinden sich am östlichen Ende des sogenannten grünen Hufeisens von Lenuci, dem kroatischen Pendant zur Wiener Ringstrasse. Es besteht aus acht Parkanlagen, die sich wie eine grüne Wirbelsäule durch die planmässig angelegte Unterstadt ziehen. Einst Aushängeschild der hohen bürgerlichen Kultur des 19. Jahrhunderts, ist es für uns vor allem eine schöne Flanierkulisse und ein willkommener Schattenspender an einem ausserordentlich heissen Tag.

Platanen säumen die Plätze und Parks. Auch der Botanische Garten, mit 10 000 Arten eine der reichsten Pflanzensammlungen Europas, gehört zu dieser u-förmigen Grünzone. Unzählige Springbrunnen, Büsten bedeutender historischer Persönlichkeiten und pompöse Kulturbauten mit gelben Fassaden (wie etwa jene des neobarocken Kroatischen Nationaltheaters) prägen das Bild. Sie erinnern daran, dass Kroatien einst Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie war.

Doch Zagreb besteht nicht nur aus musealem, kaiserlich-königlichem Grossstadtprunk. Die jüngste Hauptstadt der Europäischen Union – sie wurde erst 1991 zum politischen Zentrum der Republik Kroatien ernannt – verströmt viel äusserst lebendiges Stadtflair. Im Musikpavillon im Park Zrinjevac etwa inszenieren Strassenkünstler im Elvis-Kostüm gerade lautstark mit Passanten eine Hochzeitsszene. Hunde und Kinder rennen übermütig zwischen den geometrischen Blumenbeeten umher.

Per «alte Dame» in die Oberstadt

Am Jelacic-Platz, wo sich die Zagreber und Zagreberinnen allabendlich «unter der Uhr» verabreden, sind Arbeiter dabei, eine Showbühne für ein Open-Air-Konzert im Rahmen des Strassenfestivals «Cest is d’Best» aufzubauen. Über allen Strassen hängen bunte Plakate, flattern Banner und Ballone im Wind, die auf irgendein Konzert oder ein weiteres Sommerfestival hinweisen. An vielen Ecken geben Strassenmusiker ihr Bestes.
Im Reiseführer steht, Kroatiens Hauptstadt sei «das grösste Wohnzimmer der Welt» – und so fühlt es sich tatsächlich an. Schon nach zwei Tagen können wir den Stadtplan getrost im Hotel zurücklassen. Auf den Terrassen und in den Strassenbeizen der Oberstadt herrscht eine entspannte, gesellige Atmosphäre. (Hierher sollte man übrigens mit der «alten Dame» fahren, der kürzesten, ursprünglich dampfbetriebenen Standseilbahn der Welt.) Etwa in der ehemaligen Rotlichtstrasse, der Tkalciceva, wo jedes Haus seine eigene Laterne hat, gehen Tische und Stühle eines Lokals fast nahtlos in die des nächsten über. Touristen und Einheimische sitzen hier vor wackligen Türmchen aus American Pancakes, übergossen mit flüssiger Schokolade – offenbar das Dessert des Jahres.

Oder dann schlürfen sie Kaffee. Die Kaffeehäuser der Stadt gehen auf eine reiche Tradition zurück, die bis heute gepflegt wird. «Kaffeetrinken ist für uns ein sozialer Event, der zu jeder Tageszeit stattfinden kann», sagt die Stadtführerin Tena Perkov mit einem breiten Grinsen. Apropos: Die Freundlichkeit, mit der einem Einheimische begegnen, ist wirklich augenfällig. Hier schenkt einem beim Überqueren der Strasse sogar der Verkehrspolizist ein Lächeln.

Die Heimat der Krawatte

Die einzigen, die nicht lächeln – wohl gar nicht dürfen –, sind die Gardisten des Cravat Regiments, die täglich um 12 Uhr vor der Pfarrkirche des heiligen Markus unter viel Säbelgerassel die Wachablösung zelebrieren und auch bei sengender Hitze keine Miene verziehen. Dies natürlich mit Fellmütze und der obligaten roten Krawatte, auf deren Erfindung die Kroaten so stolz sind. Traditionen werden hier hochgehalten. So wird im Turm Lotrscak, dem einzigen erhaltenen Turm der mittelalterlichen Festung, täglich ein Kanonenschuss abgefeuert, um an die Zeiten zu erinnern, als die Bürger abends in die Sicherheit der Festung zurückkehren mussten, bevor die Tore verriegelt wurden.

Überhaupt taucht von Mitte April bis September die ganze obere Altstadt in die Vergangenheit ein. Überall lassen historisch Kostümierte die Geschichte der Stadt lebendig werden. «Kumice»-Frauen in typischer bunt bestickter Zagreber Tracht lächeln in die Kameras der Touristen. Folkloregruppen ziehen mit traditionellen Melodien durch die Gassen, sodass sie uns immer wieder begegnen: auf dem Platz vor der Kathedrale ebenso wie am Rande des Marktplatzes Dolac. Dort findet man an zahllosen Ständen frische Produkte aus allen Teilen Kroatiens, was dem Markt auch den Namen «Bauch von Zagreb» eingebracht hat.
Apropos Bauch: Der kommt in Zagreb bestimmt nie zu kurz. Apfelstrudel oder Zagreber Schnitzel, mit Käse und Schinken gefüllt, sind legendär, doch uns haben es besonders die mit Quark gefüllten und überbackenen Teigtaschen namens Strukli angetan. Himmlisch!

Das «unsterbliche» Kaufhaus

Doch es gibt noch andere gute Gründe wiederzukommen: weil im Oktober nicht nur das Zagreb Film Festival, sondern auch das Zagreb World Music Festival Nebo stattfindet. Weil wir nochmals ausgiebig die Atmosphäre am Flohmarkt Britanac geniessen möchten. Weil wir einen zweiten Blick ins Nama, das «unsterbliche» Zagreber Kaufhaus, werfen wollen, das uns vielmehr wie ein Museum über die Zeit vor der Wende vorkam denn als attraktive Shopping-Location. Weil wir die kommunistischen Überbleibsel in Form von Plattenbauten am Stadtrand einmal aus der Nähe sehen möchten.

Wir möchten nochmals nach Zagreb fahren, um die verpasste Ballettaufführung im Kroatischen Nationaltheater nachzuholen. Und eben auch: weil wir vielleicht wirklich im Zug anreisen könnten, um zu sehen, was vom glamourösen Orient-Express noch übrig ist.

Verlorene Lieben und guter Wein

Bild: Grafik: oas

Bild: Grafik: oas

Reise:Tägliche Direktflüge ab Zürich gibt es bei Croatia Airlines und der Swiss. Im Nachtzug (www.nachtzug-schweiz.ch) dauert die Fahrt von Zürich 14 Stunden. Etwas kürzer mit dem Car (www.expressbus.ch). Beste Reisezeit ist von April bis September. Die kroatische Währung ist die Kuna.

Hotels: Auf der Website des Zagreb Tourist Board buchbar. Hier findet man auch weitere Informationen. www.zagreb-touristinfo.hr.

Hingehen:Zagreb Space Walk: eine Mischung aus Planetenweg, Schnitzeljagd und Stadtführung (www.zagrebspacewalk.com).

Museum of Broken Relationships: Die Sammlung des originellen Museums besteht aus Erinnerungsgegenständen gescheiterter Liebesbeziehungen, die Museumsbesucher eingeschickt haben (www.brokenships.com).

Museum für moderne Kunst: kroatische und ausländische zeitgenössische Kunst im grössten und modernsten Museum des Landes im Stadtteil Neu-Zagreb, man verlässt es über eine Rutschbahn (www.msu.hr).

Vinothek Bornstein: Degustation kroatischer Weine unter historischem Kellergewölbe (www.bornstein.hr).

Der Jarun-See, auch «Zagreber Meer» genannt: tagsüber Sport und Strandleben, abends Nachtleben, nicht weit vom Stadtzentrum entfernt.

Hinweis:
Das Zagreb Tourist Board hatte zu dieser Pressereise eingeladen.

Der Marktplatz Dolac wird auch der «Bauch von Zagreb» genannt. (Bild: Zagreb Tourist Board/P. Macek)

Der Marktplatz Dolac wird auch der «Bauch von Zagreb» genannt. (Bild: Zagreb Tourist Board/P. Macek)

Mit grossen roten Krawatten – die Gardisten des Cravat Regiments bei der Wachablösung. (Bild: Annette Wirthlin / Zentralschweiz am Sonntag)

Mit grossen roten Krawatten – die Gardisten des Cravat Regiments bei der Wachablösung. (Bild: Annette Wirthlin / Zentralschweiz am Sonntag)

Strukli heissen die mit Quark gefüllten Teigtaschen. (Bild: PD)

Strukli heissen die mit Quark gefüllten Teigtaschen. (Bild: PD)

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