Lagerfeld wäre entsetzt: Jogginghose und Sportkleider sind diesen Sommer der letzte Schrei

Wie es Trainerhose, Leggins und diesen Sommer der Tennisrock in die Alltagsmode geschafft haben.

Deborah Gonzalez
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Der Athleisure-Trend hat die einst so verpönte Jogginghose alltagstauglich gemacht.

Der Athleisure-Trend hat die einst so verpönte Jogginghose alltagstauglich gemacht.

Bilder: Getty Images

Am Morgen eine Runde Pilates trainieren, danach den Einkauf erledigen und später im Homeoffice arbeiten. Alles im selben Outfit? Das ist auch für modische Menschen längst kein Problem mehr, dank einem Allrounder, der als Gewinner aus dem Lockdown hervorgegangen ist: die berüchtigte Jogginghose. Wahlweise auch als Yoga-Pants oder Leggins. Nicht einschneidend eng, gerade deshalb superbequem und trotzdem stylish. Was für den Sport gedacht war, ist längst im Alltag angekommen.

Weg ist das mulmige Gefühl eines modischen Fauxpas, als den Karl Lagerfeld Trainerhosen einst bezeichnet hatte. Der sogenannte Athleisure-Trend ist gekommen, um richtig lange zu bleiben. Stars wie die Schwestern des Karda­shian-Clans, Bella Hadid oder Jennifer Lopez machen es längst vor.

Um den Ursprung des Trends zu finden, muss man viel weiter zurückschauen, sagt zumindest Modeexperte Jeroen van Rooijen. Und erklärt:

«Sport und Mode sind zusammen bereits seit hundert Jahren ein Thema. Sportkleidung war schon in den 1920ern sehr hip, da waren die Cricket-Pullover und die Tennisoutfits hoch im Kurs.»

Einer der Ersten, die den Sport und die Mode vereint haben, war der französische Tennisspieler und Modeschöpfer René Lacoste mit seiner Modemarke und dem bekannten Krokodil. «Damals sahen die Trends noch anders aus als heute», sagt van Rooijen. Früher waren die Kleider und Röcke länger und die Hemden und Blusen weiter. Heute wird darauf geachtet, dass Athleisure-Mode bequem, alltagstauglich und vor allem schön ist.

Am Anfang verhöhnt, heute gefeiert

Dass die Tendenz eher in Richtung einer sogenannten Casua­lisierung, also einer legeren, lässigen Mode geht, liege laut dem Modeexperten auf der Hand:

«Das ist die grösste und längste Konstante in der Mode in den letzten 50 Jahren.»

Dass Freizeit- und Sport­kleidung in eins fliessen, habe mit Komfort, Uneingeschränktheit und Bewegungsfreiheit zu tun.

Ausserdem: «Trägt man Athleisure, macht man auto­matisch den Eindruck von Sportlichkeit – es ist eine lockere Lösung,» so Rooijen. Allerdings: Athleisure-Teile haben mittlerweile nur noch wenig mit Sportoutfits, wie sie in der Turnhalle oder auf dem Sportplatz getragen werden, zu tun. Denn Sportoutfits sind dazu konzipiert, Schweiss zu absorbieren, Beweglichkeit zu gewährleisten, gute Leistungen zu erzielen.

«Keiner würde in der Freizeit mit der Kleidung der Profisportler herumlaufen wollen», sagt van Rooijen. Gerade dieser Übertrag von der reinen Funktion zur modischen Alltagskleidung sei bei der Sportswear interessant. Turnschuhe und Kapuzenjacken beispielsweise wurden bereits vor Jahrzehnten alltagstauglich gemacht.

Egal ob elegant oder sportlich: Radler­hosen können für jeden Anlass beliebig kombiniert werden.

Egal ob elegant oder sportlich: Radler­hosen können für jeden Anlass beliebig kombiniert werden.

Bilder: Getty Images

«Komfortgewinn geht leider mit Traditionsverlust einher»

Wenn man Athleisure-Kleidungsstücke gekonnt mit klassischen Elementen, etwa einem Blazer, kombiniert, siehe dies raf­finiert aus, sagt van Rooijen. «Das kann die Mode bereichern und einen coolen Akzent setzen.» Es sei eine Frage der Dosis und Subtilität, erklärt der Modeexperte. Schliesslich sei es nicht das Gleiche, wenn jemand mit Jogginghose, Kapuzenjacke und Sneakern dahergeschlurft komme oder jemand sich in einen schicken Anzug schmeisst und ihn mit einem Paar Sportschuhe kombiniert.

«Komfortgewinn geht leider mit Traditionsverlust einher. Aber das ist nicht weiter schlimm, so ist die Kleidungskultur. Jammern bringt nichts – alles, was kommt, geht auch wieder», sagt van Rooijen.

Die Zeit des Tennisrocks bricht an

Was letztes Jahr die Radlerhose war, ist dieses Jahr der Tennisrock. Wir alle haben Bilder im Kopf, wie die Williams-Schwestern auf Tennisplätzen ihre Röcke zur Schau stellen.

Kombiniert mit einem engen Oberteil, wird aus dem sportlichen Look des Tennisrocks ein schickes Outfit.

Kombiniert mit einem engen Oberteil, wird aus dem sportlichen Look des Tennisrocks ein schickes Outfit.

Bilder: Getty Images

Doch wie kombiniert man solch einen Rock im Alltag richtig? «Wichtig ist, dass der Rock lässig getragen wird. Mit einer Bluse oder einem coolen Pullover etwa», rät der Stilexperte. Der Rock sei sehr retro, weswegen er modisch aufgepeppt werden müsse. Auf weisse Socken, Sneakers oder ein Polo sollte man verzichten, ausser man will damit wirklich auf den Tennisplatz. Damit der Look nicht zu sehr nach Cheerleader aussieht, kann man den Rock mit einem übergrossen Pullover oder Birkenstock-Sandalen kombinieren.

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