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Lawinen sind auch im Sommer eine Gefahr

Im Berner Oberland wurden am vergangenen Wochenende drei Bergsteiger von einer Lawine erfasst. Jeden Sommer gibt es Lawinentote in der Schweiz. In einem Hitzesommer ist auch mit Felsstürzen zu rechnen.
Bruno Knellwolf
Auf dem Weissfluhjoch liegt immer noch Schnee. (Bild: Key)

Auf dem Weissfluhjoch liegt immer noch Schnee. (Bild: Key)

Am Eigergletscher sind am vergangenen Sonntag drei Bergsteiger von einer Lawine überrascht worden. Einer der Männer wurde dreihundert Meter in die Tiefe gerissen, hatte aber Glück im Unglück. Dieses Wochenende werden wieder viele der Hitze entfliehen und in die Berge reisen. Ist es nach dem schneereichen Winter im Gebirge bei dieser Hitze zurzeit besonders gefährlich?

Auch im Hochgebirge sei es zurzeit aussergewöhnlich warm, sagt Christine Pielmeier vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos.

«Mit der grossen Wärme wird die Schneedecke im Hochgebirge komplett durchnässt. Dadurch können sich feuchte Lawinen bilden»

, sagt Pielmeier. Am grössten sei die Gefahr im Sommer nach einem Neuschneefall. Zum Beispiel nach einem Gewitter im Hochgebirge.

Zunächst besteht dann jeweils die Gefahr von trockenen Lawinen und mit einer Erwärmung bilden sich relativ schnell aus dem Neuschnee auch Nassschneelawinen. Da es im Sommer warm ist, beruhigt sich die Lawinensituation jeweils relativ rasch.

Am Morgen ist der Schnee weich

«Im Moment gefriert der Schnee in der Nacht kaum, weil es zu warm ist. So ist er schon in der Frühe sumpfig, deshalb sollten Berggänger im Hochgebirge mögliche Schneerutsche berücksichtigen. Schon ein kleiner Rutsch kann Menschen mitreissen», sagt Pielmeier. Aktuell sei im Hochgebirge besonders Vorsicht wegen nassen Rutschen geboten. «Die Gefahr sollte nicht unterschätzt werden. Berggänger müssen die Lawinensituation gleich seriös beurteilen wie im Winter», sagt Pielmeier. Jeden Sommer gibt es durchschnittlich ein bis zwei Lawinentote.

Bis vor kurzem hatte es noch aussergewöhnlich viel Schnee in der Höhe. Auf dem Weissfluhjoch auf 2540 m ü M. lagen Anfang Juni noch 2,72 Meter Schnee. «Inzwischen schmilzt er aber rasant», sagt die Lawinenexpertin. Gestern betrug die Schneehöhe dort noch 96 Zentimeter. Die Rekordschneehöhen von Ende Mai sind damit schon fast weggeschmolzen und die Schneehöhen sind nur noch leicht überdurchschnittlich. Am nördlichen Alpenkamm liegt noch am meisten Schnee. An den flachen Messfeldern oberhalb von 2500 Metern werden teils noch ein bis zwei Meter gemessen.

Gefahr von Felsstürzen

Nicht nur Schnee kann Menschen mitreissen, sondern auch Geröll und Steine. «Es wäre durchaus möglich, dass zurzeit einige Felsstürze stattfinden, aufgrund der starken Schneeschmelze in den Höhenlagen, wo es Permafrost gibt, also oberhalb von rund 2500 m ü. M.», sagt Marcia Philips von der Gruppe Permafrost des SLF.

«Fliesst Wasser in Felsklüfte hinein, kann der Druck zu einem Felssturz führen – und das Wasser kann zudem vorhandenes Permafrosteis schmelzen.»

Die Temperaturen im Permafrost seien hingegen noch im Minusbereich, das Problem sei also das Schneeschmelzwasser. Seit Anfang dieser Hitzewelle habe sie aber noch keine Felssturzmeldungen aus Permafrostgebieten erhalten.

Eine allgemeine steigende Häufigkeit von Felsstürzen in Permafrostgebieten gebe es nicht, sondern eher eine Häufung der Felssturzaktivität im Laufe eines Hitzesommers. Meistens von August bis Ende September. «Diese Felsstürze sind meistens in der Grössenordnung von einigen 1000 bis 10'000 Kubikmetern und betreffen vor allem die Auftauschicht des Permafrosts, also die oberste Schicht, die jeden Sommer auftaut», sagt Marcia Phillips.

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