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Schweizer kaufen im Jahr 1,6 Milliarden PET-Flaschen – und schaden damit der Umwelt

Obwohl die Schweizer fleissig PET sammeln, bestehen die meisten Flaschen immer noch zu einem grossen Teil aus Neumaterial. Nun geloben die Hersteller Besserung.
Andrea Söldi
Abfallberge aus Plastikbei InnoRecycling AG in Eschlikon. Aus den sortenreinen Kunststoffen stellt man hochwertige Recyclingkunststoffe (Regranulate) für neue Produkte her. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Abfallberge aus Plastikbei InnoRecycling AG in Eschlikon. Aus den sortenreinen Kunststoffen stellt man hochwertige Recyclingkunststoffe (Regranulate) für neue Produkte her. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Getränkeflaschen aus PET sind leicht und praktisch. Nachdem der Durst gelöscht ist, entsorgen wir sie in einem der blauen Sammelbehälter. Das gibt uns ein gutes Gefühl. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht: Wer glaubt, die leeren Behälter können nur eingeschmolzen und wieder zu neuen geformt werden, liegt falsch. Der Prozess ist aufwendig und kompliziert. Und nur ein Bruchteil des gesammelten Kunststoffes wird wieder demselben Zweck zugeführt.

Neue Flaschen enthalten hierzulande im Durchschnitt gerade mal ein Drittel wiederverwertetes Material, wobei der Anteil je nach Hersteller stark variiert. Nestlé zum Beispiel füllt seinen Nestea sowie S.Pellegrino- und Vittel-Mineralwasser immer noch in Flaschen aus vollständig neuem Polyethylen-Terephthalat ab – so die vollständige chemische Bezeichnung für PET.

Es handelt sich um einen Kunststoff, der aus Erdöl hergestellt wird – einem Rohstoff also, der beim Verbrennen klimaschädliche Gase verursacht. Einzig für das Mineralwasser Henniez verwendet der Konzern 30 Prozent Rezyklat. Gleich viel steckt in Rivella-Flaschen. Bereits etwas weiter ist man bei Coca-Cola, wo der Anteil im Durchschnitt gut 40 Prozent beträgt. Die angefragten Unternehmen stellen in Aussicht, den Gebrauch von Recyclingmaterial in den nächsten Jahren deutlich zu erhöhen.

Getränkehersteller zögern

Wir Schweizer sind zwar was die Abfalltrennung betrifft relativ vorbildlich: Von den über 1,6 Milliarden PET-Getränkeflaschen, die wir jährlich leer trinken, gelangen über 90 Prozent in eine Sammelstelle. Wegen Verunreinigungen kann aber nur 83 Prozent des Materials rezykliert werden. Eine Schwierigkeit sind auch die verschiedenen Farben. Zurzeit werden nur durchsichtige und hellblaue Flaschen wieder für die Produktion neuer Flaschen aufbereitet. Der Verein PET-Recycling Schweiz arbeitet an Verfahren, damit dies künftig auch bei braunen und grünen Flaschen möglich ist.

Im Vergleich mit einer Flasche aus neuem PET verursacht eine aus 100 Prozent Rezyklat hergestellte nur einen Viertel der Emissionen. Bei den heutigen Erdölpreisen sei Rezyklat zudem deutlich günstiger als Neumaterial, erklärt Stefanie Brauchli vom Verein PET Recycling Schweiz. Das aufbereitete Material sei sowohl optisch als auch qualitativ gleichwertig wie neues.

Recycling-Anteil steigt an

Nachdem der Recycling-Anteil über viele Jahre mehr oder weniger stagnierte, ist er nun wieder angestiegen. Für das Jahr 2019 hätten die Getränkeproduzenten fast doppelt so viel Rezyklat bestellt wie bisher. Der Druck aus der EU trage dazu bei.

Damit aus gebrauchten PET-Getränkeflaschen wieder einwandfreie neue entstehen können, ist eine technologisch anspruchsvolle Aufbereitung nötig: Abholen an der Sammelstelle, Transport in eines von schweizweit vier Sortierzentren, Entfernung der Fremdstoffe.

Sensoren führen während eines Sekundenbruchteils bis zu 6000 Messungen durch, um starke Verunreinigungen zu erkennen. So wird ein Reinheitsgrad von 99.9 Prozent erreicht. Danach wird das Material geschreddert, als PET-Flocken in einer Lauge gereinigt, auf rund 200 Grad erhitzt und am Schluss in Vorformen für die Getränkehersteller gegossen.

PET ist trotzdem eine ökologische Verpackung

Trotz dieses aufwendigen Prozesses ist PET eine der ökologischsten Verpackungen für Getränke. Sein Trumpf ist das geringe Gewicht. Transporte fallen deshalb weniger energieintensiv aus als bei den schweren Glasflaschen und es wird weniger Material benötigt.

Die Umweltauswirkungen von PET seien etwa gleich hoch wie bei Mehrwegflaschen aus Glas, sagt Matthias Stucki, Leiter der Forschungsgruppe Ökobilanzierung an der Zürcher Hochschule ZHAW. Bei einer Transportdistanz von rund 230 Kilometer kippt die Bilanz zugunsten von PET.

Dennoch: Pro Liter Mineralwasser wird durchschnittlich die Energiemenge von 1,5 Deziliter Erdöl verbraucht. Und obwohl das Trinkwasser hierzulande eine hohe Qualität aufweist, kaufen viele Schweizer ihre Getränke lieber im Laden. Matthias Stucki beobachtet diesen Trend kritisch: «Das mit Abstand umweltfreundlichste Getränk ist Leitungswasser.»

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