LESERREISE: Gegensätze machen das Reisen spannend

Von Santiago de Chile über Kap Hoorn bis Rio de Janeiro: mit der Zeitung drei Wochen unterwegs in Südamerika.

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Ein Reisebogen (fast) so vielfältig wie die südamerikanische Welt: Natur pur im chilenischen Puerto Montt, hier in Form von wilden Stromschnellen... (Bild: Thomas Bornhauser)

Ein Reisebogen (fast) so vielfältig wie die südamerikanische Welt: Natur pur im chilenischen Puerto Montt, hier in Form von wilden Stromschnellen... (Bild: Thomas Bornhauser)

Thomas Bornhauser


Unberührte Gegenden, menschenarme Täler, karge Landschaften. Oder aber rasender Puls, Kultur und Geschichte, wie sie in Weltstädten erlebbar werden: Ein Angebot unserer Zeitung machte in diesen Tagen für eine Reisegruppe beides möglich, eingepackt in eine dreiwöchige Leserreise, welche bis zum 5. Februar durch Südamerika führte (vgl. Box).

Santiago de Chile; Buenos Aires; Rio de Janeiro. Unterwegs mit Flugzeug und Bus, mit viel Sonne und teils in fast tropischer Hitze. Das war die eine Seite dieser Reise. Auf der anderen Seite aber ging es auch, rund zwei Wochen lang und vornehmlich per Schiff, in kühle Gegenden unberührten Landschaften entlang bis zum südlichsten Punkt des Kontinents. Dort, bei Kap Hoorn, wo Pazifik und Atlantik aufeinandertreffen und das Meer Tausenden von Seeleuten das Leben geraubt hat.

England in Südamerika

Gemeinsam war diesen Reisedestinationen vor allem der Geist, wie er in südamerikanischen Gesellschaften spürbar wird. Mit einer namhaften Ausnahme, die auf den Beobachter besonders eindrücklich wirkte: Der Besuch auf den Falklandinseln führte vor Augen, wie
wenig bisweilen die Geografie mit dem Denken und Funktionieren der Einwohner zu tun haben muss. Hier, auf den Falklands, dieser überaus kargen Inselgruppe mit unwirtlichem Klima und rund 3000 Einwohnern, scheint die Zeit stehen geblieben. Genauer: Die grosse Zeit des britischen Imperiums. Und mit ihr britischer Geist und britischer Humor. Als im Gespräch mit Einwohnern die Ansprüche Argentiniens auf die Inselgruppe zur Sprache kamen, da nannte der 63-jährige John, langjähriger Parlamentsabgeordneter, Argentinien nicht einmal beim Namen. Stattdessen erklärte er trocken: «Dieses Land nennen wir Ost-Chile.» Dessen ungeachtet bleibt der Krieg zwischen Briten und Argentiniern um die Falklands/Malvinas im Bewusstsein der Leute allgegenwärtig. Nicht umsonst ist er das zentrale Thema des Museums im Hauptort.

Eine Hauptstadt ohne Markt

Hauptort? Stanley hat zwei, drei grössere Strassen, drei Kirchen, acht Pubs und kein Wifi. Und die Milch kostet im Laden rund 3 Franken 50. Doch das scheint die Leute nicht gross zu kümmern. Sie sind sich anscheinend kleine Auswahl und hohe Transportkosten (von England bis Stanley) gewohnt.
Und das Klima? Als wir an einem sonnigen Donnerstag auf den Falklands waren, stieg die Temperatur tagsüber – im dortigen Hochsommer – bis rund 10 Grad. Und die Einheimischen genossen offenbar diese «Wärme», in Polo-Hemden und kurzen Hosen. Allerdings: Wer heftigen Wind wirklich liebt und die Schönheit grosser, einsamer Strände, der kann sich auf den Falklands wohl fühlen. Ebenso wie Naturfreunde auf der Suche nach exotischen Tierbeständen wie zum Beispiel Abertausenden von Königs- und Magellan-Pinguinen.

Tierbegegnungen der besonderen Art sind auch auf der argentinischen Seite dieser Region möglich. Zum Beispiel in Puerto Madryn, wo wir, in wärmerem Klima, Hunderte von See-Elefanten antrafen. Und Begegnungen mit europäischer Kultur gab es ebenfalls auf dem südamerikanischen Festland, namentlich im chilenischen Puerto Montt.

«Chile ist Santiago»

Hier im Hinterland gibt es eine Seenlandschaft, welche sie «die chilenische Schweiz» nennen. Allerdings waren es vor allem Deutsche, die diese einsame Gegend, weit weg von der Hauptstadt Santiago de Chile, ab dem 19. Jahrhundert besiedelten und Landwirtschaft hierher brachten. Und dabei politisch offenbar nie verwöhnt wurden. Oder wie es die deutschstämmige Cornelia auf den Punkt brachte: «Chile ist Santiago.»

Ähnliches gilt wohl auch für Argentinien. Beide Länder haben eine extrem lang gezogene Geografie Richtung Süden mit sehr dünn besiedelten Gebieten. In Chile heisst diese Gegend Westpatagonien (mit feucht-kühlem Klima), östlich der Anden ist es das vergleichsweise trockenere Ost-Patagonien. Hier wie dort gibt es viel mehr Schafe als Menschen. Nur ganz im Süden, am südlichsten Punkt des Festlandes, treffen wir im chilenischen Punta Arenas auf einigermassen städtische Verhältnisse.

Umso eindrücklicher wirkt der Gegensatz der Weltstädte Buenos Aires und Rio de Janeiro, wo Arm und Reich auf engem Raum zusammenlebt und das menschliche Leben in unzähligen Facetten vibriert. Aber auch hier lässt sich bei genauerem Hinsehen zumindest eine Gemeinsamkeit ganz vieler Menschen entdecken: Es ist die Liebe zum Fussball. Oder wie es die Mitvierzigerin Karin aus Argentinien auf den Punkt bringt: «Der Fussball hält die Menschen zusammen.»

www.luzernerzeitung.ch/leserreisen

... Aber auch Sinnlichkeit und Menschen auf Tuchfühlung, wie hier beim Tango in Buenos Aires. (Bild: Getty)

... Aber auch Sinnlichkeit und Menschen auf Tuchfühlung, wie hier beim Tango in Buenos Aires. (Bild: Getty)

... Und britische Unverrückbarkeit auf den Falklandinseln, wo die Menschen in Dankbarkeit mit Margaret Thatcher verbunden bleiben. (Bild: Thomas Bornhauser)

... Und britische Unverrückbarkeit auf den Falklandinseln, wo die Menschen in Dankbarkeit mit Margaret Thatcher verbunden bleiben. (Bild: Thomas Bornhauser)

Gute Laune auf dem Kreuzfahrtschiff «Crown Princess», wo der US-Geist den Ton angibt, aber auch Menschen aus vielen Herren Länder sich begegnen. (Bild: Thomas Bornhauser)

Gute Laune auf dem Kreuzfahrtschiff «Crown Princess», wo der US-Geist den Ton angibt, aber auch Menschen aus vielen Herren Länder sich begegnen. (Bild: Thomas Bornhauser)

So sieht die 30 Meter hohe Christus-Statue aus dem Jahr 1931 auf Rio de Janeiro hinab, auf eine Millionenstadt, die auch nachts kaum je zur Ruhe kommt. (Bild: Getty)

So sieht die 30 Meter hohe Christus-Statue aus dem Jahr 1931 auf Rio de Janeiro hinab, auf eine Millionenstadt, die auch nachts kaum je zur Ruhe kommt. (Bild: Getty)

Auge in Auge mit der eindrücklichen Tierwelt im südlichen Südamerika, hier mit einem brütenden Magellan-Pinguin auf den windigen Falklandinseln. (Bild: Thomas Bornhauser)

Auge in Auge mit der eindrücklichen Tierwelt im südlichen Südamerika, hier mit einem brütenden Magellan-Pinguin auf den windigen Falklandinseln. (Bild: Thomas Bornhauser)