Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Satirischer Ausblick: Das kann ja heiter werden im kommenden Jahr

Wir wagen einen satirischen Ausblick ins neue Jahr. Und warnen Sie schon mal vor, damit Sie sich 2019 nicht wundern über das generische Femininum, Zwerghirse auf dem Teller, verspätete Quizshows und Allergie-freie Babys aus China.
Verschiedene Autoren

Liebe Leserinnen, sie sind mitgemeint

Gender   2019 kommt ein altes Thema zurück aufs rutschige Parkett der Gleichberechtigung: Gendergerechte Sprache. Frauen wollen nicht nur nicht betatscht, kleingemacht und schlechter bezahlt werden, nein, sie wollen auch noch die Sprache zu der Ihrigen machen. Nicht mehr nur mitgemeint (Liebe Leser), sondern wirklich gemeint sein (Liebe Leserinnen). Der Streit um Binnen-I (BürgerInnen), Sternchen (Patient*innen) und Unterstrich (Leser_innen) reisst alte Gräben auf. Die Verfechter der reinen und guten Sprache, denen jedes zusätzliche Zeichen Schmerz und Verwirrung ist, fürchten um den Niedergang der sprachlichen Eleganz. Eine kämpferische Gruppe junger Feministinnen im Dunstkreis von Operation Libero und der Juso lancieren eine Initiative mit einer ungeheuerlichen Forderung: Nach über 1000-jähriger Dominanz des ­generischen Maskulin soll, wo immer beide Geschlechter gemeint sind, allein die weibliche Form stehen. Ärztinnen operieren Patientinnen, Polizistinnen büssen Autofahrerinnen usw. Und es geschieht das Unglaubliche: die Initiative wird mit 51 Prozent angenommen! Einem Antrag der Männer, die männliche Form wieder dazuzustellen, wird nicht stattgegeben. Es sei zu umständlich zu lesen, und die Männer seien ja stets mitgemeint.

Katja Fischerin

Am Schluss bleibt nur noch Netflix


Fortschritt  Noch ist der Wissenschafter He Jiankui, der «Vater» der genmanipulierten Crispr-Babys, abgetaucht. Aber nur um nach der Geburt der dank Gentechnik HIV-immunen Zwillinge bald seine neusten Sensationen zu präsentieren. Wieder wird er auf Youtube berichten, wie eine seiner Versuchsmütter ein Kind zur Welt gebracht hat. Eines, das nie an einer Erdnussallergie leiden wird und gegen Gluten immun ist. Vegi-Eltern wird er versprechen, ihrem Embryo auch gleich eine Fleischallergie mitzugeben, um später am Esstisch keine Diskussionen über Steak oder Tofu führen zu müssen. Derweil wird die künstliche Intelligenz 2019 weiter voranschreiten. Hat vor Millionen Jahren die Entwicklung biologischer neuronaler Netze die menschliche Sehkraft matchentscheidend verbessert, machen nun selbstlernende Maschinen mit künstlichen Hirn-vernetzungen die Roboter sehend und hörend. Auf normalen Strassen autonom Auto fahren werden sie zwar auch in zehn Jahren noch nicht können. Dafür werden sie dank Deep Learning Kassierinnen, Banker und Hautärzte arbeitslos machen. Der Generation Alpha bleibt bald nur noch Netflix.


Bruno Knellwolf

Flugreisen, einmal ganz anders


Ferien  2019 kommen die Flughafen-Betreiber auf eine sensationelle Idee. Sie ist die Antwort auf stundenlanges Warten und überlastete Flugrouten. Beruhigt das schlechte Gewissen und vermittelt doch echtes Reisefeeling. Wie also geht das? In Zukunft gibt es zwei Warteschlangen: Die eine sitzt nachher stundenlang in überhitzten Flugzeugen, deren Piloten händeringend auf ihre Starterlaubnis warten. Die andere bewegt sich, nach einer total echten Kontrolle unterwegs ungezwungen einkaufend, zu Gate 13, wird abgeholt und zu einem Hangar gebracht. Dort steht ein Flugzeug, die Passagiere steigen ein, Bildschirme klappen herunter, der Flug geht los, auch wenn die Maschine am Boden bleibt. Es schüttelt und rüttelt, dann ist man da. Draussen wurden in der Zwischenzeit Kulissen aufgebaut. Jetzt sieht es im Hangar wie in Neapel aus. Das Ganze nennt sich «Ferien auf dem Flughafen», ist billig und sehr erholsam. Und freiwillig. Ausser für ausgesprochene Vielflieger: Die müssen sich am Schalter entscheiden, ob sie in den Hangar wollen – oder auf den Mars. Da sind sie dann für eine Weile weg.


Rolf App

Brot, das mich träumen lässt


Essen  2019 wird das Jahr von Teff, der afrikanischen Zwerghirse. Ohne diese Superfood-Entdeckung wäre unser Überleben in Frage gestellt. Foodblogger aufgemerkt! Teff bekannt zu machen, ist im neuen Jahr eure Verantwortung! Aber auf euren Mainstream ist ja Verlass. Und ihr seid viele. Wer zwischen einer Banane und einem Apfel unterscheiden kann, betreibt einen Food-Blog. Diese Blogs werden auch 2019 neue und immer grossartigere Food-Trends verbreiten. Sie sind von der Globalisierung und der Fusionsküche geprägt. Dessen ungeachtet werde ich aber den Sushi Burrito ebenso meiden wie den Knabberspass Insekten. Und dass ich in der vegetarischen Metzgerei einkaufen soll, schlägt mir nicht nur sprachlich auf den Magen. Sympathischer ist mir dann schon «Healthy Hedonism»: Essen soll gesund sein und gut schmecken, also Leib und Seele zusammenhalten. Was denn sonst? Auch dem «New French» gebe ich mich gerne hin, einer modernisierten französischen Küche. Mein Superfood-2019-Wunsch wäre freilich viel anspruchsvoller und gleichzeitig viel bescheidener: Brot, das mich von meiner Kindheit träumen lässt.


Urs Bader

SRF-Quizshows werden verbannt


Fernsehen  Kulturschaffende und Politiker frohlocken. Nathalie Wappler dreht gleich im ersten Jahr als nationale Fernsehchefin ihren neuen Laden auf die Füsse. Und gibt endlich dem vielgepriesenen Service public seine richtige Position: um 20 Uhr. Ab sofort tauscht SRF die Sendezeiten von Quizsendungen und Krimis mit denjenigen von Politsendungen, Seriös-Talks und Hochkultur. Was die grosse Rochade konkret heisst: «Arena», «Kulturplatz», «Club», «Schawinski», «Literaturclub», «Sternstunde Philosophie» und «Medientalk» werden neu konsequent bereits um 20 Uhr ausgestrahlt. Die Freunde von «Donnschtigjass», «SRF bi de Lüt», «1 gegen 100», «Mini Beiz Dini Beiz», «Tatort» und «Landfrauenküche» hingegen müssen sich künftig jeden Abend bis 22.20 Uhr gedulden. Überraschend kommt die Rückbesinnung auf den demokratierelevanten Kernauftrag des Nationalsenders allerdings nicht: Schliesslich wirkte Nathalie Wappler bis 2016 als Kulturchefin von SRF und war zuvor bei der «Kulturzeit» auf 3sat, der ARD-Talkshow «Joachim Gauck» und dem ZDF-Magazin «Aspekte». Bravo, liebe mutige Frau Wappler!, oder war das doch wieder nur ein wilder Wunschtraum?


Hansruedi Kugler

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.