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Machen Detox-Kuren wirklich glücklich? Unsere Autorin hat den Test gemacht

Detoxprogramme sollen der Schlüssel zu einem gesunden Geist und Körper sein. Unsere Lifestyle-Autorin hat eine solche Kur erstmals ausprobiert. Eine verzichtreiche, aber umso intensivere und aufschlussreiche Erfahrung.
Rahel Koerfgen
Ein Aufenthalt im Kurhotel Palace Merano kann kleine Wunder im Körper und in der Seele bewirken. Bild: Getty Images/iStockphoto

Ein Aufenthalt im Kurhotel Palace Merano kann kleine Wunder im Körper und in der Seele bewirken. Bild: Getty Images/iStockphoto

Was tut man eigentlich auf einem Balkon, wenn man nicht raucht? Da sitze ich im blütenweissen Bademantel und ergonomischen Hotelschlappen, sauge nichts als süsse Luft ein. Das Südtirol liegt zu meinen Füssen, Palmen, Zypressen und Pinienbäume ruhen in der Dämmerung. Ein Garten Eden, dieses Meran, wunderschön. Und ich denke über Zigaretten nach. Ich habe ich diese Auszeit echt nötig, ich giftiges Ding. Kein Nikotin also, kein Alkohol, vegane Diät. Ein echter Brocken. Halte ich das vier Tage lang durch?

So ging das in meinem Kopf, soeben eingecheckt im Fünfsternehotel Palace in Meran, zum Detoxprogramm im Espace Henri Chenot. Ich habe keine Erfahrung mit Entgiftung. So ein bisschen Wellness an einem Wochenende mit Massagen und Kneippen kenne ich. Diese Angebote gibt es zuhauf, alles strebt nach einem gesunden, ausbalancierten Körper und Geist in dieser Welt, die zunehmend aus dem Gleichgewicht gerät. Detox lautet das Zauberwort, Entgiftung, mit dem Ziel, revitalisiert in den Alltag zurückzukehren. Aber «so ein bisschen», das gibt es nicht im Palace. Das ist Hardcore. Ich dachte, wenn schon Detox, dann richtig.

Das Hotel Palace, eine Enklave inmitten der Stadt Meran. Bild: zvg

Das Hotel Palace, eine Enklave inmitten der Stadt Meran. Bild: zvg

Die Standardkur dauert eine Woche

Ich tue am ersten Abend das, was ich am ersten Abend in einem Hotel immer tue, ich steuere die Bar an. Dahinter steht John, und er fragt mich, ob ich zum Apéro seinen Limoncello probieren wolle. Die Version des «Palace» besteht aus Kurkuma und Pfeffer, gesüsst mit Stevia. Willkommen, hier gibt es keinen Alkohol, nur Säfte, Wasser und Tee, zum Wohl! Auch Kaffee ist nicht da, wie mir die Tischnachbarin zuraunt, während sie mit semizufriedenem Ausdruck an ihrem Caipirinha respektive Peterli-Drink nippt.

Das System Chenot macht keine Kompromisse, es beruht auf einem ganzheitlichen Ansatz auf Basis der chinesischen und westlichen Medizin. In einer Woche – so lange die Standardkur – wird der Körper von Toxinen, die sich durch falsche Ernährung und Stress angesammelt haben, befreit, von innen und aussen, und das geht nur mit einer pflanzlichen Diät ohne Salz und Fettsäuren.

Namensgeber der Methode ist der 75-jährige Franzose Henri Chenot, Leiter des Gesundheitszentrums im «Palace» seit 1995. Ein profunder Kenner der chinesischen Medizin und Phytokosmetik, der aus seinem Wissen und mit einem Ärzteteam ein eigenes Programm kreiert hat, jenes der Biontologie.

Es baut auf der Erkenntnis auf, dass sich durch eine richtige und auf den Körper abgestimmte Lebensweise der Alterungsprozess verlangsamen lässt. Biontologie rege den Entgiftungsprozess an, sagt Chenot, der jeden Tag mit seinem Yorkshire-Terrier durch die Gänge spaziert und nach dem Rechten sieht. Obschon der Laden läuft. «Wir zählen viele internationale Stammgäste aus dem Nahen Osten und Russland, aber auch Italien, Deutschland und der Schweiz», berichtet Hoteldirektor Maximilian Newiger. Er glaubt, dass das vor allem daran liegt, weil «wir nur die besten Ärzte und Therapeuten beschäftigen und im Hotel nur Gäste Zutritt haben. So wird ein Höchstmass an Privatsphäre gewährleistet.»

Erstes Abendessen. Der Schock über die Miniportionen legt sich bald. Der Burger aus schwarzen Bohnen schmeckt zwar ein bisschen fad, trotz der vielen Kräuter. Salz fehlt. Aber er wird mich später ohne Hungergefühl einschlafen lassen. Erstaunlich.

Ein persönliches Logbuch und Bademäntel überall

Ich hoffte, dass ich endlich wieder mal ausschlafen kann. Daraus wird nichts, wie mir vor dem Lichterlöschen der Blick ins persönliche Logbuch verrät: Laut Stundenplan um 8 Uhr zum Arzttermin. Erstes Gespräch, ich berichte über meine Beschwerden, saures Aufstossen, Blähungen, Schmerzen im Nacken. Das alles im Bademantel, so laufen hier alle den ganzen Tag herum, nur zum Abendessen wird casual-elegante Kleidung gewünscht.

Mein Dottore, Silvano, macht sich erste Notizen ins Logbuch, ordnet einen Bluttest und Bodyscan an. Jede Behandlung und deren Resultate werden im Ordner festgehalten, sei es vom Ernährungsberater, vom Masseur, der mit Schröpfgläsern meinen trägen Stoffwechsel in Schwung bringt, sei es von der Dame, die mit einem Energie-Resistenz-Gerät mehr über meine Organe erfährt und die nächsten Tage entsprechende Akupunkturpunkte mit einem Elektrostift stimuliert.

«Jetzt laden wir Sie energetisch auf», zwinkert sie mir zu, meine Energiereserven seien nämlich gleich null – Eintrag ins Logbuch. Ein cleveres System, das die Abteilungen vernetzt und Silvano zusätzliche Behandlungen anordnen lässt. So lande ich auch beim Osteopathen, und eine Infusion mit Vitaminen wird mir verabreicht. Silvano legt mir nahe, es ein wenig ruhiger zu nehmen in Zukunft.

Zum täglichen Standardprogramm gehört ein Sprudelbad in Thermalwasser und ätherischen Ölen, anschliessend entschlackende Fangopackung. Das mit der Entspannung klappt erst ab Tag zwei, doch dann richtig. Ich fühle mich trotz krass reduzierter Kalorienzufuhr derart energetisch, dass ich zwei Stunden lang auf Wandertour gehe, ohne Hungergefühl. Durch die Strassen Merans spaziere und mich ausserirdisch fühle, wie ich den Leuten beim Weintrinken und Gebäckessen so zusehe. Am Feinkostladen kann ich indes nicht vorbeigehen. Abends werde ich im Handtäschchen «Heidi’s Kräutersalz» in den Speisesaal schmuggeln und die Sojaspaghetti aufpeppen. Ein bisschen Rebellion.

Ausgeglichener, leichter, zufriedener

Nach vier Tagen im «Palace» bin ich laut neuesten Messungen immer noch ein bisschen giftig unterwegs, sieben Tage wären besser gewesen, sagt mir Silvano, «es braucht Zeit, um die Toxine loszuwerden». Aber ich fühle mich ausgeglichener, zufriedener, abgenommen habe ich auch. Die Blähungen, das saure Aufstossen und die Nackenschmerzen sind weg.

Wenn Sie sich eine Woche im «Palace» irgendwie leisten können, tun Sie es. Anstatt mehrmals im Jahr ein Wochenende in einem Wellnesshotel zu verbringen, das die Behandlungen nicht auf Sie abstimmt und Sie trotzdem genug dafür bezahlen lässt. Das ist nicht nachhaltig, da fühlt man sich schnell so ausgelaugt wie zuvor. Lieber 5000 Franken aufs Mal, dafür eine Armada an Ärzten und Therapeuten, die sich wirklich um Sie kümmert, eine vollumfängliche Körperanalyse und eine sehr erträgliche Diät dazu. Gehen Sie nicht im Mai und Juni, dann ist das Hotel proppenvoll. Lieber im Spätherbst oder frühen Frühling. So werde ich das machen, wenn ich das Geld zusammenhabe.

Dieser Bericht entstand auf Einladung des Hotels Palace in Meran. Detoxwoche inklusive Mahlzeiten im Doppelzimmer ab 5000 Franken.

Palace Merano
Espace Henri Chenot
Via Cavour
I-39012
Meran
www.palace.it

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