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Durch steile Gassen ins Tal rodeln – Madeira bietet Touristen ein spezielles Fortbewegungsmittel

Auf Madeira gibt es eine sonderbare Touristenattraktion. Gäste rodeln in Korbschlitten durch die Strassen.
Stephan Brünjes
Gerade noch die Kurve gekriegt: Auf Madeira sausen Touristen in Korbschlitten die Strassen hinunter. Bilder: Stephan Brünjes

Gerade noch die Kurve gekriegt: Auf Madeira sausen Touristen in Korbschlitten die Strassen hinunter. Bilder: Stephan Brünjes

Nr. 19 steht auf Regenreifen. Heute jedenfalls, denn die steil abschüssige Strasse ist feucht und rutschig. In seinem Job braucht der Mann mit der Nummer 19 Grip auf dem Asphalt. Die Regenreifen haben dabei tiefes Rillenprofil, rollen aber nicht, sondern sind als zentimeterdicke Sohle unter seine Stiefel genäht.

Nr. 19 bildet ein Team mit Nr. 13. Gemeinsam lenken sie den Korbschlitten, der von Madeiras 600 Meter hohem Wallfahrtsort Monte ins Tal flitzt. Jeder Korbschlittenlenker – portugiesisch: Carreiro – hat eine Nummer. Sie ist auf Lebenszeit vergeben und eingestickt in die blaue Uniformjacke.

Nr. 19 – alias Jose Fabio Sousa Aguiar – wartet in der Bar auf seinen Einsatz. Der 31-Jährige blickt auf das Treiben in der Gasse. Seine Kollegen bugsieren Gefährte zur Startposition, die aussehen wie geflochtene XXL-Hundekörbchen mit Sitzbank. Die darunter montierten Kufen schrammen beim Schieben auf dem Asphalt. «Manchmal schmieren wir die Kufen mit Schweinefett ein, damit sie besser rutschen», sagt Jose Fabio.

Jeden Monat brauchen die Lenker der Körbe neue Sohlen. Bild: Stephan Brünjes

Jeden Monat brauchen die Lenker der Körbe neue Sohlen. Bild: Stephan Brünjes

Für diese rasante Abfahrt gondeln Touristen mit der Seilbahn aus Madeiras Hauptstadt Funchal in den Wallfahrtsort Monte. Dabei schweben sie über rote Schindeldächer und über zum Teil fast senkrecht abschüssige Terrassenfelder. Die Fahrt gibt einen ersten Eindruck, wie steil die vulkanische, bis zu 1800 Meter aus dem Atlantik ragende und zu Portugal gehörende Insel ist.

Früher wurde Obst in den Schlitten transportiert

Im Jahre 1758 hat wohl der Brite Russell Manners Gordon den ersten Schlitten eingeführt. Damals, um den Transport von Obst und Gemüse aus Höhenlagen runter zum Markt in der Hauptstadt zu erleichtern. «Etwa um 1850 soll es einen Notfall gegeben haben», erzählt Jose Fabio. Eine kranke Frau aus den Bergen musste dringend ins Spital. Da habe jemand die Idee gehabt, sie per Schlitten dorthin zu transportieren.

Kurz darauf begannen Einwohner, die Carros als öffentliches Personennahverkehrsmittel zu nutzen. Seither gibt es auch den Beruf des Korbschlittenfahrers auf Madeira.

Einer von ihnen ist Jose Fabio. Gut zehn Minuten vor seinem Start checkt er, ob er alles dabei hat für die Abfahrt. Am wichtigsten ist sein fingerdickes Seil mit Knoten drin: «Ich fädele es vorne an der Spitze der Kufe durch ein Loch ein», erklärt er, «damit ziehe oder bremse ich den Schlitten.»

Eine Fahrschule für die Korbschlittenlenker

Gelernt hat er dies in einer Art Carreiro-Fahrschule. «Erst musste ich mit einem anderen Anfänger einen leeren Schlitten den Berg runterfahren. Als das klappte, ohne an Hauswänden entlangzuschrammen, hat sich ein erfahrener Kollege reingesetzt, den wir dann runtergerodelt haben.»

Vier Wochen habe diese Ausbildung gedauert, sagt Jose Fabio. Das Schwierigste bei der Fahrt seien die Kurven. Geht es scharf nach links, muss der auf der linken Kufe stehende Carreiro den Schlitten mit Trippelschritten leicht abbremsen. Sein Kollege auf der anderen Kufe muss zugleich lange Schritte in Schräglage machen und dabei den Schlitten in die Kurve drücken, um ein Ausbrechen nach rechts zu verhindern.

Auf der zwei Kilometer langen Strecke und bei einer Geschwindigkeit bis zu 40 Kilometer pro Stunde heisst das: enormer Abrieb an den Sohlen. Spätestens alle vier Wochen müssen neue unter die Stiefel.

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