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MÄRCHENWEGE: Auf Sagenspuren im Schweizer Hochgebirge

Sie verzaubern die Kinder: der Muggestutz-Weg im Berner Oberland und der Zwerg-Bartli-Weg im Kanton Glarus.
Auf dem Muggestutz-Weg können Kinder in Zwergenhütten spielen. (Bild: PD)

Auf dem Muggestutz-Weg können Kinder in Zwergenhütten spielen. (Bild: PD)

Ab und zu durchbrechen die Schreie eines Raubvogels die Morgenstille im Hochgebirge bei Oberhasli im Berner Oberland. Nebelschwaden, windzerzauste Bäume, dunkle Tannenwälder und Hochmoore verleihen der wilden Landschaft eine Aura des Geheimnisvollen. Das beflügelt die Fantasie, vor allem bei Kindern. Deswegen hat der örtliche Fremdenverkehrsverein dort einen der mittlerweile bekanntesten Märchen­pfade der Schweiz anlegen lassen: den Zwerg-Muggestutz-Weg.

«Für Märchen habe ich schon immer geschwärmt», bekräftigt die Schöpferin des Weges, Susanna Schmid, bis zur Pension Kindergärtnerin. Auf ihrer Suche nach Themen stiess sie auf den Zwergenkönig Muggestutz. Sie kürte ihn zum Haupthelden und vermählte den Kobold mit der Zwergin Raurinde. Der Inhalt dieser Werke, die sie jetzt im Eigenverlag herausgibt, lieferte die Vorlage für die Gestaltung des Weges, der aus zwei Abschnitten besteht. Dank ihrer blühenden Fantasie ist Susanna Schmid der Stoff für weitere Abenteuer nie ausgegangen. «Der Buchtext dient als Vorbereitung auf den Weg, darum muss alles genau übereinstimmen», sagt sie. Meist beträgt die Entfernung zwischen den einzelnen Punkten nur 200 Meter. Kleinkinder, längeren Fussmärschen eher abgeneigt, bleiben bis zum Schluss bei der Stange. Zumal sie sich in Zwergenhütten einquartieren und spielerisch die im Text beschriebenen Geschichten nachstellen können. «Kinder sollen auf diesem ­Parcours mit allen Sinnen und nicht auf schulmeisterliche Art angesprochen werden», sagt Susanna Schmid. Das gilt auch für den Naturschutz, der auf einem Teil des Weges berücksichtigt werden muss. Mit 80 000 Besuchern pro Jahr hat sich der Themenweg zum Publikums­magneten gemausert.

Literarische Vorlagen für einen Märchenpfad

Starke Wichtel gibt es aber auch weiter östlich im Glarnerland, genauer: in der autofreien Gemeinde Braunwald, die als touristische Destination vor allem in der Schweiz eine gewisse Bekanntheit geniesst. Mitte der 1990er-Jahre reifte der Plan, das Angebot für Besucher durch ­einen Märchenweg zu ergänzen. Martin Vogel, Besitzer des Märchenhotels Bellevue, gab den Anstoss. Er begann seine Karriere als Märchenerzähler vor über 30 Jahren. Vor dem Zubettgehen versammelte er den Nachwuchs und las als Bettmümpfeli Märchen der Gebrüder Grimm und von Hans Christian Andersen vor. «Die Geschichten waren jedoch ­bekannt, und die Kinder begannen sich zu langweilen», erinnert er sich. Vogel wandte sich dem heimischen Sagenfundus zu und fand in Zwerg Bartli einen geeigneten Helden. Dem hatte die Schriftstellerin Lorly Jenny ein literarisches Denkmal gesetzt – im örtlichen Dialekt. Ihre kurzweilige Erzählung lieferte Hinweise auf Anhaltspunkte für die Gestaltung eines Märchenweges, da die Autorin ihre Handlung in der Gegend um Braunwald verortet hatte.

Edelsteine und ein Zwergenschloss

Dieser Parcours, der inzwischen sieben Stationen umfasst, führt manchmal tief in den Wald hinein, die Distanzen zwischen den einzelnen Punkten sind wesentlich grösser als beim Muggestutz-Weg. Vom Felsenschloss geht es zur Edelsteinspalte, in der die Kinder am Vorabend dort versteckte «Juwelen» finden, dann führt der Weg zum Zwergenschloss mit Zwergenthron. Im Rindenhüttli lebte einst Tante Tiidi, die dem fleissigen Kobold die zerrissene Hose flickte. Die hängt als Beweis an der Wand über einem Bett.

Hoher Aufwand für die Pflege

Inzwischen haben Sohn Patric und seine Frau Nadja das Hotel übernommen. Sie erweiterten den Tierpark und den Badebereich des Hotels. «Tagestouristen wollen überwiegend den Erlebnisweg be­gehen.» Wer länger bleibe, schätze die Betreuung des Nachwuchses durch Kindergärtnerinnen und auch das abend­liche Finale in Form verschiedenster, oft selbsterfundener Märchen.

Eines haben die Themenwege gemeinsam: Sie sind abwechslungsreich gestaltet, so dass die Faszination der Kinder bis zum Schluss anhält. Die Märchenwege während der Besuchs­saison zwischen Juni und Oktober in Schuss zu halten, verlangt einen hohen Einsatz. Susanna Schmid begibt sich mit Helferinnen dreimal pro Woche zum Themenpfad, um die Hütten zu reinigen und Schäden an den Einrichtungsgegenständen zu beheben.

www.meiringen-hasliberg.ch www.braunwald.ch

Thomas Veser

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