Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Malaysia - ein Land, das hoch hinaus will

Schwindel erregende Wolkenkratzer, schicke Shoppingmeilen - daneben Wellblechhütten, Regenwald und asiatische Vielfalt: Malaysia ist ein faszinierendes Land von Gegensätzen.
Auf den Märkten gibts Blumen in allen Farben. (Bild: Christian Bertschi)

Auf den Märkten gibts Blumen in allen Farben. (Bild: Christian Bertschi)

Frau Yen Yen tippelt über den Laufsteg. Sie hat ihr strahlendstes Lächeln aufgesetzt. Es ist offensichtlich: Sie geniesst den Auftritt. Verfolgt von Dutzenden von Fernseh- und Fotokameras, von zahlreichen Augen der Passanten stolziert sie über das blank polierte Parkett. Begleitet wird ihr Auftritt von ungeheuerlich polterndem Trommeln und archaischen Löwentänzen ebenso wie von modernen Popklängen.

Nein, Ng Yen Yen ist kein Modemodel. Sie ist die Tourismusministerin von Malaysia, geschätzte 60 Jahre alt, Mutter von drei erwachsenen Töchtern. An jenem Dienstagnachmittag eröffnet sie einen neuen, riesig grossen und ultramodernen Einkaufskomplex in Kuala Lumpur, der Hauptstadt von Malaysia. «Fahrenheit 88» nennt sich das Zentrum. Die Kleiderboutiquen führen alle weltbekannte Marken. Yen Yen hat Grosses im Sinn. «Wir wollen in Malaysia günstigere Einkaufsartikel anbieten als in anderen Ländern», sagt sie und erklärt, ihr Land wolle sich zum zollfreien Gebiet erklären. Zölle soll man dereinst nur noch auf Alkohol, Tabak und Autos zahlen müssen.

Weltweit auf Rang 9

Malaysia will sich ein neues Image geben, setzt auf den Shopping-Tourismus. Das südostasiatische Land steht mittlerweile auf Position 9 der meistbereisten Länder dieser Erde. «Und wir wollen uns noch verbessern», sagt die chinesischstämmige Tourismusministerin Yen Yen, während sie weiter ihr wie in Stein gemeisseltes Lächeln den Kameras präsentiert. «Sie liebt es, im Rampenlicht zu stehen», schmunzelt unser Reiseführer Paul Ng und fügt an: «Aber sie macht ihren Job ausgezeichnet.»

Auf den Märkten gibts Blumen in allen Farben. (Bild: Christian Bertschi)

Auf den Märkten gibts Blumen in allen Farben. (Bild: Christian Bertschi)

Bis ins Jahr 2020 werden 36 Millionen Touristen pro Jahr erwartet, darunter eine steigende Anzahl Shopper. Für Europäer, für Schweizer insbesondere, ist Malaysia wohl eher nicht die bevorzugte Einkaufsdestination. Es liegt ja auch nicht gleich um die Ecke. Dafür besticht das Land durch eine faszinierende Welt von Gegensätzen. Das beginnt schon bei den Temperaturen. Draussen ist es für Touristen, die aus dem europäischen Winter anreisen, angenehme 32 Grad warm, ein feucht-tropisches Klima. Drinnen in den Gebäuden allerdings fröstelt es einen beinahe - die Malaysier lieben ihre durch Klimaanlagen stark gekühlten Räumlichkeiten.

Auf dem Weg zur Industrienation

Rund 60 Prozent der 23 Millionen Einwohner von Malaysia sind Malaien, ihre Religion ist der Islam. Sie leben nach strengen islamischen Regeln. Selbst im öffentlichen Leben der Millionenstadt Kuala Lumpur begegnet man vielen Frauen in Burkas. Die Religion bestimmt einen Grossteil des Alltags. Dies führt sogar so weit, dass unser muslimischer Chauffeur Luk unsere Reisegruppe in gewisse Restaurants nicht begleitete, weil dort das Essen nicht nach islamischen Gewohnheiten zubereitet wird. Die grösste Minderheit bilden die chinesisch-stämmigen Malaien (Buddhisten), zudem leben auch viele Inder (Hindus) im Land. Sie leben vor allem von der Ölproduktion - einer der wichtigsten Arbeitgeber ist der Ölkonzern Petronas -, vom Tourismus, vom Fischfang und von der Palmölproduktion.

Die Regierung von Malaysia hat Ende des letzten Jahrhunderts einen ehrgeizigen Plan gefasst. Bis ins Jahr 2020 soll der Staat von einem «Schwellenland» zu einem entwickelten Land werden. Äusseres sichtbares Zeichen des Aufschwungs sind die Wolkenkratzer von Kuala Lumpur. Wo vor wenigen Jahren noch Wellblechhütten standen, ragen heute 300 Meter hohe Gebäude in den Himmel. Und überall in der Innenstadt stehen Kräne, um noch mehr Bürogebäude hochzuziehen.

Das bekannteste Gebäude von Kuala Lumpur ist von überall her in der Stadt gut sichtbar. Die Twin Towers, in unserem Land dank dem Formel-1-Sponsoring des Teams von Peter Sauber auch als Petronas-Towers bekannt, sind ganz genau 451,9 Meter hoch, verbunden sind die Zwillingstürme im 41. Stockwerk durch eine Brücke. Noch höher hinaus geht der KL Tower, der Fernsehturm. Er ist mit der Antenne über 500 Meter hoch und aktuell das sechsthöchste Gebäude der Welt.

Um einen Kopf gekürzt

Im Schatten der glitzernden Fassaden der Finanzwelt stehen traditionelle Hütten und Markthallen. Obwohl der Staat sich ein westliches Image gibt, bleiben die asiatischen Gewohnheiten. Besonders eindrücklich zeigt sich dies auf dem Imbi Wet Market, in Gehdistanz zu den hypermodernen Einkaufstempeln. Dort krächzen die Hühner noch angstvoll, bevor sie vom groben Messer des Fleischers um einen Kopf gekürzt werden. Dort steigen dem Marktbesucher die vielen Düfte von Gewürzen und Früchten in die Nase, die einem das Wasser im Mund zusammenfliessen lassen. Dort kann man bereits am frühen Morgen eine frisch zubereitete Frühlingsrolle geniessen und dazu einen herben Tee trinken. Hier kaufen die einheimischen Frauen ein, was sie später ihren Familien vorsetzen werden - oft gut gewürzt, sodass sie für einen europäischen Gaumen fast nicht mehr geniessbar sind.

Kuala Lumpur wächst und wächst. In einer Vorstadt hat die Regierung ihre Ministerien aus dem Boden gestampft. Einige Kilometer weg vom Ballungsgebiet der 1,5-Millionen-Metropole beginnt bereits der Regenwald. Kilometerweit reihen sich Palmen aneinander, aus denen Palmöl insbesondere für die Kosmetikindustrie gewonnen wird. Der Gegensatz zur geschäftigen Grossstadt wird besonders auf dem idyllischen Eiland von Pangkor deutlich. Praktisch einzige Lärmquelle auf der Insel: die knatternden Töffs, auf denen nicht nur die Dorfjugend unterwegs ist.

Freche Affen

Pangkor ist dem malaysischen Festland in westlicher Richtung rund 40 Schiffsminuten vorgelagert. Die Bevölkerung lebt vor allem vom Fischfang - und vom Tourismus. Die feinen Sandstrände ziehen nicht nur fremde, sondern auch malaysische Gäste an. Der Strand des Pangkor Island Beach Resorts neigt sich seicht ins Meer hinein und eignet sich deshalb insbesondere für Familien-Badeferien. Nur aufgepasst: Während die Nashornvögel mit ihren gebogenen Schnäbeln friedlich ihre Nahrung beim Vogelhäuschen suchen, dringen die frechen Affen schon mal in ein Hotelzimmer ein und stibitzen aus dem Früchtekorb eine Banane oder einen Apfel.

Christian Bertschi

Wenn Fische am Fuss knabbern

Anreise/Unterkunft: Von der Schweiz nach Malaysia gibt es keine direkten Flüge. Etihad Airways bietet ab Genf eine Verbindung via Abu Dhabi nach Kuala Lumpur (ab 1300 Franken). Viele weitere Fluggesellschaften fliegen ab Zürich mit Zwischenstopps in Europa (zum Beispiel Malaysia Airlines via Paris ab 1200 Franken) oder in Singapur (zum Beispiel Singapore Airlines ab 1350 Franken) nach Malaysia.

Kuala Lumpur bietet Hotelbetten in allen Preiskategorien. Zentral gelegen ist etwa das Double Tree by Hilton (Doppelzimmer ab 140 Franken).

Auf Pangkor Island empfiehlt sich das Pangkor Island Beach Resort, wunderschön an einer seichten Bucht gelegen (Doppelzimmer mit Meersicht ab 180 Franken).

Fish-Spa im Central Market: Einer der Höhepunkte von Kuala Lumpur ist ein Besuch des Central Markets, wo es unzählige kleine Läden mit allen möglichen Waren gibt. Speziell: ein Fish-Spa. Wer nicht allzu kitzlig ist, steckt seine Füsse in ein Becken mit kleinen Fischen. Sie knabbern an den Füssen und reinigen sie auf diese Weise. Zehn Minuten Fussbad kosten ein paar wenige Franken.

Hinweis: Der Autor reiste auf Einladung von Tourism Malaysia und Etihad Airways.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.