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Perfekt unperfekt: Warum es egal ist, wenn Mama nicht kochen kann

Die perfekte Mutter gibt es nicht. Trotzdem streben viele Frauen genau danach. Das Resultat: viel Druck, ein schlechtes Gewissen. Ein Buch bricht mit dem Tabu und zwei Autorinnen appellieren: Bleibt cool.
Katja Fischer De Santi

Martin und Camilo Jaschkes Mutter kann nicht kochen. Was sie in die Pfanne wirft, ist kaum zu geniessen. Selbst die Spiegeleier kommen kaputt auf den Teller, Suppen sind entweder versalzen oder fad, und mit dem selbstgebackenen Brot ihrer Mutter könnten sie jederzeit eine Burg erobern. Die beiden Buben (zehn und neun Jahre alt) amüsieren sich über die Kochunfälle ihrer Mutter und wollen ein Buch schreiben.

Söhne schreiben über Kochunfälle ihrer Mutter

Yordanka Jaschke unterstützt die beiden dabei, denn kochen kann sie nicht, aber schreiben. Und sie findet, dass sich zu viele Mütter selber fast kaputtmachen, weil sie glauben, alles können zu müssen, alles im Griff haben zu sollen. «Ich habe mir beim Kochen Mühe gegeben, habe mich sogar mit dem Backen von Weihnachtsguetzli beschäftigt. Drei Mal, aber jedes Mal kam es schlimm heraus."

Seit den Zement-Zimtsternen ist für mich klar, wir kaufen die Weihnachtsguetzli in einer guten Bäckerei.

Sie habe gelernt, dass Perfektion der Feind des Optimalen sei. Der Aris-Verlag mit Sitz in Embrach findet Gefallen an der Buchidee und lädt zehn bekannte Schweizer Mütter-Bloggerinnen, Autorinnen, Journalistinnen sowie eine Sexual- und eine Psychotherapeutin ein, über ihre eigenen Unzulänglichkeiten als Mütter zu schreiben. Die beiden Texte unten sind Auszüge aus dem soeben erschienenen Buch «Mama kann nicht kochen».

Kinder zu haben, ist per se ein Kontrollverlust

Das Buch ist ein Appell an alle Mütter, dem Perfektionsdrang Einhalt zu gebieten. Sich gegenseitig zu motivieren und zu stützen, statt sich mit giftigen Bemerkungen das Leben schwer zu machen. Es soll Frauen Mut machen hinzustehen und zuzugeben, dass sie Fehler machen, nicht perfekt sind und deswegen weder die Welt noch ihre Kinder untergehen. Oder um es mit den Worten einer der Autorinnen zu schreiben: «Wir Mütter hoffen oft, durch unser Perfektsein die Kontrolle über alles zu behalten. Das ist verständlich, aber eine Illusion. Ein Kind zu haben, ist per se ein Kontrollverlust.»

Martin und Camilo Jaschke: Mama kann nicht kochen. Aris-Verlag, 122 S., 26 Fr.

Kafi Freitag: «Mütter, hört auf euch alles schönzulügen»

Kafi Freitag: Mutter, Bloggerin und Unternehmensberaterin www.kafifreitag.com

Kafi Freitag: Mutter, Bloggerin und Unternehmensberaterin www.kafifreitag.com

«Ich bin nicht gerne in Müttergruppen. Sandkasten-Gespräche haben mir echt nicht gut getan. Es ging dabei immer um Vergleiche: das Schlafverhalten wird verglichen, das Essverhalten, das Ausscheidungsverhalten. Da kommt man schnell auf einen komischen Trip und beginnt, sich oder sein Kind zu hinterfragen. Ich habe aufgrund solcher Sandkasten-Erfahrungen dann einen Artikel geschrieben: ‹Mütter sind Schlampen›. Ich fand schnell heraus, dass viele Mütter ihr derzeitiges Leben schönlügen. Und das dient doch niemandem!

«Wie sehr muss ich meinen Sohn vermissen?»

Ich glaube, Mütter haben sowieso schon dauerhaft ein schlechtes Gewissen. Man sollte sich nicht noch gegenseitig eines machen. Im Gespräch mit vielen anderen Müttern habe ich gemerkt, manche von ihnen tragen eine Art moralische Instanz in sich. Diese sagt ihnen: ‹Wenn du dein Kind nicht vermisst, wenn es nicht bei dir ist, bist du eine schlechte Mutter!› Wenn ich meinen Sohn in der Krippe abholte, fand ich es super und freute mich, dass er wieder bei mir ist – aber, ehrlich gesagt, ich habe ihn während des Tages keine Sekunde vermisst. Solange es ihm gut geht dort, geht es mir ja auch gut. Bin ich nun eine Rabenmutter, wenn ich mein Kind nicht vermisse?

«Über mich ist massiv gelästert worden»

Leider wird unter Müttern auch viel gelästert, das hilft nicht gegen ein schlechtes Gewissen. Über mich ist massiv gelästert worden, weil ich die ersten Jahre ‹nur› Mutter war und nicht arbeiten gegangen bin. Auf dem Land wäre das vielleicht noch gegangen, aber in der Stadt wurde ich komisch angeschaut deswegen. Doch über die, die ihr Kind schon früh in die Krippe geben, wird auch gelästert. Und diese Mütter haben dann ein schlechtes Gewissen, weil sie arbeiten gehen und das Kind fremdbetreut ist. Darum: Egal, was man tut als Mutter, man hat sehr oft ein schlechtes Gewissen und das Gefühl, es nicht richtig zu machen.Wenn man aber einmal durchschaut hat, dass man es ohnehin nie richtig machen kann, kann man sich ein wenig von diesem Druck befreien! Es liegt nicht allein in unserer Hand, wie die Kinder am Schluss rauskommen.»

Textauszug aus dem Buch: "Mama kann nicht kochen"

Nathalie Sassine-Hauptmann: «Muttersein wird überbewertet»

Nathalie Sassine-Hauptmann: Mutter, Bloggerin und Unternehmerin: www.rabenmutter.ch

Nathalie Sassine-Hauptmann: Mutter, Bloggerin und Unternehmerin: www.rabenmutter.ch

«Ich hatte eine Phase, in der ich anders sein wollte, als ich bin. Eben dem Bild der perfekten Ehefrau und Mutter entsprechen. Mein Mann lacht mich heute noch aus: ‹Als du schwanger warst, hast du mir mal Cookies versprochen!› Das war mein Bild von einer amerikanischen 1950er-Jahre-Ehefrau, die dem Mann ‹Cookies› bäckt und die ich damals offensichtlich gerne sein wollte. Zumindest für eine kurzen Moment. Erhalten hat er diese amerikanischen Kekse nämlich nie.

Muttersein ist vor allem Bauchgefühl

Ich glaube, es gibt Frauen, die das einfach können: Kochen, Haushaltführen, immer ein blitzblankes Haus haben, alle Schultermine im Griff und immer selbstgemachte Cookies bereit. Das ist ja dann auch authentisch. Aber viele andere Mütter sind nicht so, meinen aber, so sein zu müssen. Sie verbiegen und verleugnen sich, um einem solchen Mutterbild nachzueifern. Das ist nicht gesund, denn eine Familie sein und Kinder haben ist doch keine genaue Wissenschaft. Das ist vor allem Bauchgefühl!

Regenhosen wieder vergessen

Muttersein wird meines Erachtens stark überbewertet. Gerade in der Schweiz: Das Kind muss bei der Mutter sein, sonst ist es nicht glücklich und wird drogenabhängig. Aber das ist Blödsinn. Bei der Konstellation, die man in der Schweiz häufig antrifft,Mami zu Hause und Papi bei der Arbeit, werden Kinder schnell zur Existenzberechtigung.
Manchmal, da wäre ich gerne perfekt, und ich nerve mich darüber, dass es mir nicht gelingt. Grundsätzlich, denke ich, ist das Nicht-Perfektsein befreiender, als alles im Griff haben zu wollen. Auch für die Kinder. Natürlich haben sie keine Freude daran, wenn sie einen Rüffel in der Schule bekommen,weil die Mutter wieder mal vergessen hat, die Regenhose einzupacken.

Meine beiden Kinder hätten es vermutlich geschätzt, wenn ich so manches besser im Griff gehabt hätte. Ich behaupte aber, sie sind genau deswegen selbstständiger geworden. Selbstständiger, weil ich eben nicht alles kann. Es ist befreiend, wenn man authentisch sein kann, auch wenn das heisst, dass man nicht gut kocht und es unter dem Tisch klebt.»

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