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Kolumne

Mega, mega, mega, mega, mega

Über Sprachexzesse.
Hans Graber
Hans Graber.

Hans Graber.

Sollen die Leute doch so reden, wie sie wollen. Viele können wohl gar nicht anders. Sich gegen aktuelle Strömungen zu stemmen, ist vergebliche Müh. Unsere Alltagssprache verändert sich laufend, wer sich darüber aufregt, hinkt immer hinterher. Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter.

Und doch, manches fordert einen schon sehr. Mich nicht unbedingt ein einzelnes Wort, sondern dessen inflationäre Verwendung. «Spannend» ist so ein Beispiel. Einst vor allem im Sportbetrieb anzutreffen, durchdringt es heute jeden Lebensbereich. Alles ist «spannend», und sehr oft bleibt es «weiterhin spannend». An ein entspanntes Zurücklehnen ist da überhaupt nicht mehr zu denken, wobei einem im Zuge des omnipräsenten «spannend» mittlerweile auch «entspannt» komplett auf den Wecker geht. Fast so sehr wie das sehr blöde «entschleunigen».

Einen kleinen Nadelstich versetzt mir seit Jahren auch das Wörtchen «okay». Auch wenn einer sonst gar kein Englisch kann – «okay» versteht jeder, «okay» setzen alle ein (ja, auch ich), in vielen Varianten: «okeeeh», «okei» «oukäi», «okidoki», manchmal – mein Liebling – nur ein trockenes «ock», ohne Endung.

Die aktuell grösste Zumutung aber ist «mega». Vorgestern bin ich Zeuge einer selbst für meine mit allen Wassern gewaschenen Ohren erstaunlichen Bestleistung geworden. Eine junge Frau am Nebentisch hat dieses «Mega» während eines etwa achtminütigen Handygesprächs sicher an die 100-mal ausgesprochen. Absolut «mega». «Mega» Firmenweihnachtsessen gehabt. «Mega, mega» feines Essen. «Mega» spät geworden. So ging das ohne Unterlass, es war immer und jederzeit «mega», auch im Negativen, «mega» Stress mit einer «mega» Projektarbeit, «mega» schlecht geschlafen deswegen. In einer rasanten Schlussoffensive teilte die Gute ihrem Schatz dann noch mit, dass sie ihn «mega, mega, mega» gern habe und sich aufs Wiedersehen freue, und zwar, klar, «mega».

Ich habe mich ertappt, wie ich in diesem Finale furioso zunehmend begeistert mitgegangen bin, auch unter leichtem Körpereinsatz. Komm, komm, sag’s noch einmal, Meitschi, bitte. Aber jetzt war selbst sie ausgeschossen, nahm einen Schluck vom ungesüssten Ingwertee und starrte stumm aufs Smartphone. Auch ich war völlig erschöpft. Sprachlos. Wobei die Klappe zu halten, ist oft ja keine so schlechte Lösung. Nur das noch: Ich wünsche Ihnen schöne Festtage. Mega entspannt wäre voll okay.

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