Mehr als eine Nischenrolle für den VW Passat GTE

Volkswagen macht vorwärts mit der Elektrifizierung und schiebt mit dem Passat GTE auch einen Plug-in-Hybrid als Kombi in den Markt.

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Der VW Passat ist vor allem als Kombi sehr erfolgreich. (Bild: PD)

Der VW Passat ist vor allem als Kombi sehr erfolgreich. (Bild: PD)

Annähernd 90 Prozent aller verkauften Passats waren in den zurückliegenden Jahren Kombis, bei VW Variant genannt. Das liegt auch daran, dass der Passat ein beliebtes Geschäfts- beziehungsweise Flottenauto ist. Insofern ist dem neuen Passat GTE Plug-in-Hybrid mehr als eine Nischenrolle zuzutrauen. Denn erstens lassen sich die verfügbaren Hybrid-Kombis an einer Hand aufzählen, und zweitens wird diese Technik heute von vielen Firmen nachhaltig verlangt, weil man interne CO2-Grenzwerte definiert hat. Ein Passat TDI kommt auf mindestens 104 g/km, als Benziner auf 117 g/km. Wenn man also einen oder mehrere Passat Variant GTE mit – auf dem Papier – lediglich 37 g/km in den Firmenpark aufnehmen kann, liegen für das Topmanagement plötzlich wieder prächtigere Fahrzeuge drin. Ein Schelm wer so denkt, aber sicher lässt sich mit Hybriden das Firmenimage aufpolieren.

Mit der Plug-in-Technologie lässt sich das Auto an der Steckdose aufladen, statt, wie bei konventionellen Hybriden, bloss über die motorische Überschussleistung oder Rekuperation teilweise elektrisch fahren. Das batteriegestützte Potenzial beim Passat reicht für rund 50 Kilometer rein elektrischen Betriebs, das genügt, um beispielsweise die mautpflichtige Londoner City ohne Abgase zu traversieren und wieder zurück. Und der GTE-Fahrer zahlt deshalb nichts.

Im E-Modus fährt dieser Passat höchstens 130 km/h, im Hybridmodus mit einer Gesamtleistung von 218 PS ist er 225 km/h schnell und beschleunigt in 7,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Dies mit dem kleinen 1,4-Liter- Turbobenzinmotor und einem an die Hybridtechnik angepassten 6-Stufen-DSG-Getriebe mit Automatikmodus. Theoretisch lässt sich der GTE mit aufgeladenen Batterien und vollem Benzintank 1100 Kilometer weit fahren.

Clever, wie Volkswagen die Lithium-Ionen-Akku-Packung raumsparend unter der Rücksitzbank untergebracht hat, so geht im Vergleich zum Verbrenner kein Platz verloren.

Anders als beim normalen Passat, wo drei Ausstattungslinien zur Verfügung stehen, gibt es beim GTE keine hierarchische Auswahl, aber LED-Scheinwerfer, Front Assist und City-Notbremsfunktion sind in der Ausstattung inkludiert, und man kann das ohnehin nicht billige Auto mit Optionen kräftig aufwerten.

Sowieso ist der Passat in der achten Generation ab 2014 ein schönes Auto geworden. Puristen würden sogar von einem haptischen Overkill reden. Fast zu schade, um ihn als Flottenauto einem Servicetechniker bereitzustellen. Aber er fährt sich gut, sehr leise und komfortabel. So ein Hybrid wirkt im Stopp-and-Go-Verkehr wie ein Tranquilizer; wenn er nicht rollt, stellt der Viertaktmotor automatisch seinen Dienst ein, nach dem Tritt aufs Gas fährt er einfach wieder los, je nach Ladezustand mit oder ohne Verbrenner, stets ohne Anlassergeräusch.

Jürg Wick