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Kolumne

Mein Bild: Von Hunden und goldenen WK-Regeln

Strammstehen, Disziplin zeigen - so das Credo während der Rekrutenschule. Mit dieser Erwartungshaltung ging es auch in den ersten Wiederholungskurs. Nur mussten wir schnell merken: Hier mahlen die Mühlen anders, hier gelten die zehn goldenen WK-Regeln. Und Strammstehen gehörte definitiv nicht dazu.
Kilian Küttel
Hundeausbildung in Nepal. Bild: Narendra Shrestha/Keystone (Kathmandu, 6. November 2018)

Hundeausbildung in Nepal. Bild: Narendra Shrestha/Keystone (Kathmandu, 6. November 2018)

Es ist der 25. November 2011: Etwa 150 junge Männer stehen irgendwo im Zürcher Oberland. Grüne Uniformen, schwarze Stiefel, dunkelblaue Bérets. Seit Stunden warten sie, seit Stunden frieren sie, seit 145 Tagen ersehnen sie diesen Moment, der jetzt endlich da ist: Oberleutnant Vogler stellt sich vor die Truppe, schreit: «Kompanie, Achtung! Hiermit entlasse ich sie aus der FULW-RS 95-2.» 150 Bérets fliegen in die Luft, Jubelstürme, Freudenschreie, Ekstase. Die RS, sie ist vorbei!

Oberleutnant Vogler entlässt 150 junge Männer, die in den 21 Wochen zuvor geschliffen wurden. Die gelernt haben, zu rennen, zu schiessen, zu funktionieren, Befehle nicht zu hinterfragen, und die gelernt haben, strammzustehen – ganz ähnlich wie der Hund in unserem Bild, das aus Nepal stammt.

Oberleutnant Vogler dachte wohl, 150 Soldaten entlassen zu haben, die bereit für den WK, bereit für den Einsatz waren. Einer davon war ich: Wenig später rückte ich zusammen mit einigen RS-Kameraden in den ersten WK ein. Wir waren keine Kampfmaschinen, fühlten uns auch nicht so. Trotzdem glaubten wir zu wissen, wie das Militär funktioniert, was Disziplin heisst, wie der WK wird.

Teufel, wir hatten keine Ahnung: Wir rechneten damit, am ersten Abend unsere Schuhe zu putzen und mit Glück noch einen Jass zu klopfen. Dabei fand an diesem ersten Abend eine Vorlesung in Sachen Soldatenleben statt, die meine WK-Karriere prägen sollte: Das damalige Duo infernale der Kompanie brachte uns Neulingen die «zehn goldenen WK-Regeln» nahe.

Hier eine kleine Auswahl aus dem Pflichtenheft der Soldateska: «Lokale Festivitäten und Anlässe müssen besucht werden», «kein WK ohne Schlittelplausch», «ein WK ohne Besuch im Thermalbad ist kein WK», «dein bester Freund: der Küchenchef». Und die wichtigste Maxime: «Lass Dich nicht erwischen.»

Pflichtbewusst nahmen wir uns die Ratschläge zu Herzen. Natürlich nur, wenn unser Tagwerk beendet war. Denn solange der Laden lief, war die Chance klein, auf dem Radar des Kadis zu landen.

So folgten fünf WKs, die zwischendurch wie Ferien waren: Baden in Samedan, Feiern in St. Moritz, Schlitteln in Laax, Baden in Laax, Besichtigung der Bobbahn in St. Moritz, wiederum Baden in Samedan (Sie merken: Regel drei haben wir besonders eisern eingehalten). Und der Küchenchef verwöhnte uns allabendlich mit einem Imbiss aus seinem Privatvorrat.

Beim Anblick dieser Fleischplättchen hätte wohl auch der Hund in unserem Bild nicht mehr strammstehen können. Einzig: In allen sechs WKs haben wir gefroren wie die Schlosshunde – ganz so, wie an jenem 25. November 2011.

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