Meisterwerk: Revolution des Dampfes

In seinem 1844 entstandenen Gemälde «Rain, Steam and Speed – The Great Western Railway» lässt William Turner seiner Begeisterung für die Eisenbahn und deren Geschwindigkeit freien Lauf und feiert die neue Ära der Technik.

Christina Genova
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Zur Verwunderung seiner Mitreisenden streckt William Turner während einer Eisenbahnfahrt im Regensturm seinen Kopf minutenlang aus dem Fenster. Was er dabei sieht, hält er in seinem 1844 entstandenen Gemälde «Rain, Steam and Speed – The Great Western Railway» fest. Heute befindet es sich in der National Gallery in London.

Während des Malens benutzt er kurze Pinsel und eine ziemlich schmutzige Palette: «Ganz dicht an der Leinwand stehend schien er ebenso mit Auge und Nase wie mit der Hand zu malen», erinnert sich ein Zeitgenosse. Im Titel nennt Turner mit Regen, Dampf und Geschwindigkeit drei Faktoren, welche allesamt die visuelle Wahrnehmung beeinflussen. Sein Gemälde, in welchem sich alle Konturen auflösen und die Wirklichkeit zu Farbnebeln zerstäubt, wirkt beinahe schon impressionistisch. Gleichzeitig ist es eine Hommage an die neue Ära der indus­triellen Revolution.

Die «Great Western Railway» ist eine von mehreren privaten Eisenbahngesellschaften, die zur Entwicklung des neuen Transportmittels gegründet worden sind. Seit 1841 verbindet ihre vom Ingenieur Isambad Brunel gebaute Linie London mit Bristol. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen steht William Turner dem technischen Fortschritt positiv gegenüber. Er ist fasziniert von der Geschwindigkeit der Eisenbahn und macht sie als erster Künstler überhaupt zum Gegenstand eines Gemäldes. Andere lehnen es ab, Technik zum Objekt ihrer Kunst zu machen. William Turner beweist, dass die Darstellung eines fahrenden Zuges ebenso erhaben sein kann wie das Gemälde einer Alpenlandschaft.