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Methan steigt aus den Reisfeldern – die Wissenschaft sucht nach Alternativen

Nicht nur pupsende Kühe entlassen klimaschädigendes Methan in die Luft. Auch der Reisanbau erzeugt viel von diesem Treibhausgas. Gesucht werden deshalb neue methan-freie Anbaumethoden.
Bruno Knellwolf
Herkömmlicher Reisanbau mit über Monate im Wasser stehenden Feldern wie hier in Vietnam produziert viel Methan. (Bild: Keystone)

Herkömmlicher Reisanbau mit über Monate im Wasser stehenden Feldern wie hier in Vietnam produziert viel Methan. (Bild: Keystone)

Was müssen sich die armen Rinder alles anhören. Sie lassen soviel Methan entweichen, dass das Weltklima deswegen in noch grössere Schieflage gerät. Denn Methan ist ein 21-mal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid CO2. 200 bis 300 Liter Methan pupst und rülpst eine Kuh pro Tag. In der Schweiz entstehen dadurch vier Prozent der Treibhausgas-Emissionen. Und Rinder gibt es nicht nur in der Schweiz.

Doch nicht nur das als Klimakiller gescholtene Rind entlässt Methan in die Luft. Auch beim Reisanbau, wie er seit Jahrhunderten gemacht wird, entsteht dieses Treibhausgas. Deutlich mehr als beim Anbau von Kartoffeln. Das hat seinen Grund, wie Urs Scheidegger, Professor für tropischen Pflanzenanbau an der Berner Fachhochschule, erklärt: «Reis ist die einzige Kultur, die unter Wasser wachsen kann. Dabei entsteht während drei bis vier Monaten unter Wasser unter Ausschluss des Sauerstoffs Methan.»

Fleisch ist zehn Mal schlimmer als Reis

«Der Reisanbau macht 1,5 Prozent des gesamten menschgemachten Treibhausgas-Ausstosses aus», sagt Scheidegger. Alle anderen Kulturpflanzen produzieren zusammen sechs Prozent der Treibhausgase, aber nicht durch Methan, sondern wegen deren Lachgas-Emissionen. Der Vergleich zwischen Reis und Kartoffeln sei generell schwierig, weil es nur wenige Studien dazu gebe. Scheidegger:

«Grob kann man sagen, dass Reis pro Einheit Nahrungsenergie und -eiweiss etwa zwei bis vier Mal mehr Treibhaugas-Emissionen verursacht als Kartoffeln. Aber zehn Mal weniger als Fleisch.»

Allerdings komme es sehr darauf an, wo und wie der Reis und die Kartoffeln produziert würden. «Wenn man Reis aus bestimmten Ländern Asiens, die wenig organischen Dünger brauchen und deshalb tiefe Emissionen haben, wie zum Beispiel China, mit Frühkartoffeln aus Ägypten vergleicht, kann Reis sogar deutlich besser dastehen.»

Das CO2, das beim Transport des Nahrungsmittels entsteht, spielt dagegen eine untergeordnete Rolle. Der Schiffstransport nach Europa trägt wenig zur Gesamtbelastung bei. Entscheidend für den Methanausstoss des Reises ist die Anbaumethode auf den Feldern. Viel Methan erzeugt der herkömmliche Nassreis-Anbau auf mit Wasser gefluteteten Reisfeldern. Nach Scheidegger wachsen weltweit etwa 90 Prozent des Reises in solchen Anlagen. Inzwischen wurden andere Anbaumethoden entwickelt, die wenig oder sogar gar kein Methan entstehen lassen. Solche Felder werden abdrainiert – das Wasser wird temporär entzogen. «So kann man den Methanausstoss deutlich reduzieren, bis zu drei Viertel der Menge», sagt Scheidegger.

Weniger oder kein Methan, dafür mehr Lachgas

Dieser Wechsel von Überschwemmung und Trockenphasen auf den Reisfeldern führt zwar zu einem deutlich kleineren Methanausstoss. Doch dafür produzieren diese Reisfelder umso mehr Lachgas. Und dieses Gas ist sogar das potentere Treibhausgas – es ist langlebiger als Methan und hat eine 10-fach stärkere Wirkung auf das Klima, 230 Mal mehr als CO2. Das Lachgas entsteht durch den veränderten Stickstoff-Haushalt im Boden. Stickstoff wird im Boden festgebunden und bei den Wechseln von Nass auf Trocken immer wieder freigegeben. Deshalb verschlechtert sich die Umweltbilanz trotz der Reduktion des Treibhausgases Methan.

Urs Scheidegger erklärt, dass durch das Mehr an Lachgas zwei Drittel der durch die Methanreduktion eingesparten Treibhausgase wieder wettgemacht werden. Gesamt entsteht also nur ein Viertel weniger Treibhausgase.

«Das sind grobe Schätzungen. Sie sind unterschiedlich von Reisfeld zu Reisfeld. Aber sie stecken den Rahmen ab.»

Die Forscher suchen deshalb nach Lösungen: Auf der einen Seite Methan einsparen und auf der anderen Seite die Lachgas-Emissionen nicht ansteigen lassen, heisst das Ziel. Neben dem Nassanbau gibt es den Trockenanbau. Letzterer wird auf gut 10 Prozent aller Reisfelder angewandt, vor allem in Afrika und Lateinamerika. Die Wasserzufuhr erfolgt beim Trockenanbau durch Regenfälle, vor allem durch den Monsun. Und auch im Regenwald muss das Feld nicht geflutet werden, da es in diesen Breitengraden feucht genug ist. Der Ertrag ist bei dieser Methode aber deutlich kleiner, er beträgt nur einen Fünftel im Vergleich zum konventionellen Nassanbau.

Weniger Methan, geringerer Wasserverbrauch

Beim Nassverfahren in Flusstälern, küstennahen Gebieten und Schwemmebenen gibt es die Jahrtausende alte Methode mit natürlicher Bewässerung durch Überschwemmungen, Bäche und Flüsse. Für Hochertragssorten wird künstlich bewässert. Der Energie- und Wasserbedarf ist hoch, so dass das diese Methode in ärmeren Ländern weniger angewendet wird.

Bei neueren Methoden werden Reisfelder während der Saison ab und zu entwässert. Das spart Wasser und erzeugt weniger Methan. Wie auch in einer anderen Methode, bei der zwar künstlich bewässert und intensiv gedüngt wird, wie man das bei Weizen- und Kartoffelkulturen macht. Das Feld ist dabei aber zu keiner Zeit überschwemmt, die Methan-Emission geht gegen Null. Der Wasserverbrauch ist geringer. Je nach Stickstoff-Düngung führt das aber zu den genannten Lachgas-Emissionen, was den Klimagewinn wieder schmälert.

Erfolg mit Reisanbau auch in der Nordschweiz

Reisanbau gibt es nicht nur in Asien und Südamerika oder im Tessin. Auch in der Nordschweiz ist es der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz gelungen, mit Erfolg Reis anzubauen. «Ich war erstaunt, wie gut das funktioniert», sagt Scheidegger. Zwar seien die Erträge noch tief. Aber der Anbau könnte auch aus einem anderen Grund interessant werden: In der Schweiz müssen viele Kulturflächen drainiert werden, diese Drainagen funktionieren oft nicht mehr.Statt auf diesen Flächen für viel Geld die Drainagen zu sanieren, könnte man solche Feuchtgebiete für den Reisanbau nutzen. Das helfe zudem der Artenvielfalt dank der dadurch entstehenden Lebensräume in der Schweiz.

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