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Mini-Restaurants auf drei Rädern

Der italienische Architekt Andrea Carletti baut ausgediente Vehikel zu neuen Food Trucks um. Seine mobilen Snackstände kommen auch aufs Wasser – ausgediente Rettungsboote werden zu «Sea Food Mobile».
Sarah Coppola-Weber
Die Ape, die dreirädrige Vespa, wird hier in Zürich zur rollenden Cafeteria. (Bilder: Sarah Coppola-Weber)

Die Ape, die dreirädrige Vespa, wird hier in Zürich zur rollenden Cafeteria. (Bilder: Sarah Coppola-Weber)

An Ideen mangelt es ihm nicht, und Kreativität ist sein täglich Brot: «Dank meiner Firma bin ich zu meinem ursprünglichen Beruf zurückgekehrt, den ich so sehr mag», sagt Andrea Carletti. Schon seine Eltern waren Architekten, und so ist er in ihre Fussstapfen getreten: «Meine Mutter hat mir viel von der Innenarchitektur weitergegeben. Ich wollte diese aber mit meiner zweiten Leidenschaft, der Kulinarik, verbinden.» So kam er in seiner Heimatstadt La Spezia auf die Idee, eine mobile Snackstation für die Miesmuschelzüchter zu bauen. Damit diese ihre Muscheln nicht dem Grossverteiler für einen tiefen Preis verkaufen müssen, sondern mit Imbissen an einem eigenen Stand mehr Geld verdienen und leichter an die Endkunden kommen können. Sie liessen sich aber von seiner Idee nicht begeistern und er sich nicht beirren und nahm mit einem Prototypen eines Food Mobils an der Cheese-Messe von Slow Food im norditalienischen Bra teil. Kurioserweise erregte dort nicht das umgebaute Ape-Gefährt Aufmerksamkeit, sondern die Sardinenbrötchen, die er anbot.

Kurze Zeit später kam die Ape, die dreirädrige Vespa, ins Rollen und Carletti gründete seine Firma «Street Food Mobile». Lebensmittelfirmen wie Ferrarelle (Mineralwasser), Eataly (Gourmetprodukte) und California Bakery (amerikanische Backwaren) zählen ebenso zu seinen Kunden wie Gastronomen, die mit einem Food Mobil den Sprung in die Selbstständigkeit wagen.

Auch in der Schweiz kurven diverse Ape herum und bieten hausgebrautes Bier, Sandwiches oder Frozen Yogurt an. Ein Beispiel dafür ist «Coppolini» in Zürich, dessen Ape je nach Anfrage mal als mobile Cafeteria, mal als Pasta-, Apéro- oder Burgermo­bile oder als fahrende Gelateria un­terwegs ist.

Feinste Beefburger anstelle von fettigen Hamburgern

Andrea Carletti

Andrea Carletti

«Street Food hat schon immer existiert, er entwickelt sich einfach weiter. Wir brauchen heute qualitativ hochwertiges Essen, das schnell zubereitet werden kann», sagt Carletti. Qualität sei oberstes Gebot des heutigen Street Foods – fettige Hamburger und eintönige Sandwiches wurden schon längst von feinsten Beefburgern und hochwertigen Feinschmeckerbrötchen überholt. An Projekten mangelt es dem umtriebigen Architekten nicht, und der Fantasie bei der Gestaltung der mobilen Mini-Restaurants sind keine Grenzen gesetzt. Für einen Nachtklub in Lugano kreierte er er eine Cocktailbar mit einer Eisenstange für Poledance. «Leider blieb es beim Projekt, es wurde nie realisiert. Doch dies war das ausgefallenste, das ich je gezeichnet habe.»

Andrea Carletti hegt eine Vorliebe für die dreirädrigen Ape-Fahrzeuge, die in Italien stets vielfältig eingesetzt werden.

Die Ape ist ein sexy Symbol
des « Made in Italy»

Als Fan für Recycling haucht er aber auch anderen Gefährten neues Leben ein – seit letztem Jahr ausgedienten Rettungsbooten oder Wasservehikeln, denn als «Sea Food Mobile» gelangen die mobilen Mini-Restaurants auch aufs Wasser. «Die Sea Food Mobile ankern zum Beispiel in der Nähe der Strände oder den Meerespromenaden oder beliefern Jachten mit ihren Produkten.» Auf der Seine in Paris stehen die ersten bereits im Einsatz.

Die drei Quadratmeter optimal ausnutzen

Andrea Carletti hat mit seiner Firma noch viele offene Baustellen voranzutreiben. Ein brandneues Gastrokonzept ist die «Ski Box» in Courmayeur im Aostatal, wo in einer Art Riesencontainer 150 Personen Platz haben und man sich an diversen Ständen ­selber bedienen kann. Wie auf einem Marktplatz, wo aus kulinarischer Sicht alle auf ihre Kosten kommen. Dieses Konzept möchte Carletti nun auch in die Städte bringen.

Wie aber wird aus einem ausgedienten Vehikel ein Food Mobile mit Miniküche? «Um ein Projekt auf die Beine zu stellen, gehe ich immer zuerst vom Produkt aus, das verkauft werden soll», sagt Carletti. Dieses gebe auch den Ausschlag, was Material, Farben, Logo und Grafik betreffe. Sobald das Projekt auf dem Papier steht, kann man sich an den Umbau machen. Ein spezielles Augenmerk wird auf die Funktionalität gelegt: Der kleine Raum von drei Quadratmetern muss optimal ausgenutzt werden. Um diesbezüglich auf dem neuesten Stand zu sein, hat Carletti das Food Mobile selber ausprobiert: «Gurmetti» stand an den Olympischen Spielen 2012 in London im Einsatz. Damit hat er auch die Nachteile auf der eigenen Haut erlebt: Die Ape-Fahrzeuge sind wohl wendig und gut im Einsatz in einer Altstadt, doch man kann sich damit nur mit 40 Kilometer pro Stunde fortbewegen und hat weniger Ladefläche. Anders bei grösseren Trucks: Diese bieten mehr Ladefläche und man kann grössere Strecken zurücklegen, ist aber an kleineren Orten und in engeren Strassen eingeschränkt.

Geschichten erzählen mit dem Food Mobil

Daher ist es für Carletti wichtig, mit dem Kunden in engem Kontakt zu stehen und herauszufinden, was dieser möchte. «Unser Service hört nicht mit der Lieferung des Food Mobils auf. Wir kümmern uns auch um den Internetauftritt und kreieren sogar ­Rezepte», sagt der Gastrofreak. Es gehe darum, Geschichten zu erzählen. Wahre Geschichten, denn «der Kunde ist nicht blöd». Man soll glaubwürdig sein: «Die Kreativität soll sich mit der Glaubwürdigkeit vereinen.» Das schönste Kompliment, das ihm je gemacht wurde, war, «neues Leben zu erzeugen». «Es stimmt: Mit einer kleinen Investition kann man sich mit einem Street Food Mobile eine neue Existenzgrundlage schaffen.»

Er selber wird oft als «Self Made Man» bezeichnet. «Heute muss man sich seinen Beruf ­selber erfinden», sagt Carletti, «Dank vieler Recherchereisen konnte ich ein Netzwerk aufbauen und arbeite heute über die Landesgrenzen hinaus.» Einsatz und Leidenschaft: Das seien die beiden wichtigsten Zutaten.

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