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MINZE: Gegen Hitze ist ein Kraut gewachsen

Sie ist das perfekte Sommerkraut: Sie kühlt, belebt und regt Kopf und Körper an. Eine kleine «Minzologie» mit klassischen Sommerrezepten zur Erfrischung.
Ingrid Schindler
Erfrischend: Limonade, Minzsalz oder Minzbutter – der Tomaten-Minze-Salat passt sehr gut zu grilliertem dunklem Fleisch. (Bild: Ingrid Schindler)

Erfrischend: Limonade, Minzsalz oder Minzbutter – der Tomaten-Minze-Salat passt sehr gut zu grilliertem dunklem Fleisch. (Bild: Ingrid Schindler)

Ingrid Schindler

Sie hätte einen Ehrenplatz in Kosmetik, Heilkunde und Küche verdient. Minze reinigt nicht nur den Mund, regt Appetit und Geister an, parfümiert, desinfiziert und hilft verdauen. Sie ist auch das stille Powerkraut unter den Küchenkräutern, das hervorragend mit mediterranen Sommergerichten harmoniert. Wir lieben Tzatziki und Kräuterdips, Tabouleh und Grillgemüse, Lammracks und Steaks mit Kräuterbutter, kalte Gurkensuppen, gefüllte Weinblätter und süffig-erfrischende Drinks von Limonade bis Mojito. Die Minze liefert dabei Aroma und Klasse im Geschmack, ohne Aufhebens zu machen. Zu Obst und Süssem, wie Beeren, Banane, Melone, Pfirsich oder Schokolade, passt sie auch.

Ihren Namen verdankt die Lippenblütlerin einer griechischen Nymphe, die Hades, der Gott der Unterwelt, zur Geliebten nahm. Seine Gemahlin, die Toten- und Fruchtbarkeitsgöttin Persephone, schäumte vor Wut und riss Minthe in viele kleine Stücke. Hades verstreute die Überreste seiner geliebten Nymphe in der Landschaft – viele kleine Minzen gingen daraus hervor. So viele Arten, Unterarten und Hybriden, von extrem scharf und stark mentholhaltig bis zu mild, bekömmlich, mentholarm – ja sogar mentholfrei wie die Wasser- oder Bachminze –, dass Botaniker den Überblick verloren haben. Schon im 9. Jahrhundert n. Chr. kannte man bei uns so viele Minzen, dass der Reichenauer Mönch Walahfrid Strabo in seinem Gartenwerk Hortulus schrieb, «wenn aber einer die Kräfte und Arten und Namen der Minze samt und sonders zu nennen vermöchte, so müsste er gleich auch wissen, wie viele Fische im Roten Meere wohl schwimmen».

Von Tee bis Tigeröl – Minze ist nicht gleich Minze

Im Laufe ihrer bis ins alte Ägypten zurückreichenden Kulturgeschichte kam das Sammeln und Kultivieren verschiedener Minzen immer wieder in Mode. Aus Grossbritannien, wo die Aromapflanze einen höheren kulinarischen Stellenwert besitzt, ist die Lust auf Varietäten in Küche und Garten zu uns herübergeschwappt. Anbau und Vermehrung sind denkbar einfach, die meisten Arten anspruchslos. Sie gedeihen in sonnigen, halbschattigen Lagen sowie lichtem Schatten an feuchten, humosen Standorten, auch Nordhängen, und vermehren sich über unterirdische Ausläufer wie Unkraut, weshalb man ihren Wuchs besser von Haus aus durch Wurzelsperren eindämmt. Frost und Schnee können dem ausdauernden, winterharten Kraut nichts anhaben.

Kurz vor der Blüte im Juli/August ist Minze am aromatischsten, ernten kann man bis in den Herbst. Ideal ist der späte, sonnige Vormittag, wenn die Konzentration an ätherischen Ölen am höchsten ist. Man schneidet die ganzen Stängel mit einem scharfen Messer oder der Schere bodennah ab, je öfter, desto stärker regt es den Neuaustrieb an, und hängt sie zum Trocknen in lockeren Bündeln im Schatten auf.

Manche Minzen duften so intensiv, dass man sie in der Küche nicht verwendet, wie die an Lavendel erinnernde Eau-de-Cologne-Minze, die ins Bade-wasser und Kölnisch Wasser kommt, oder die Korsische Polsterminze und die Poleiminze, die im Garten wahre Duftteppiche bilden.

Den Geruch von Poleiminze kannte früher jeder Seemann, da man damit abgestandenes Wasser parfümierte, um es trinkbar zu machen. Auch die weltweit verbreitete Ackerminze ist eine ausgesprochene Duftminze und wegen ihres hohen Menthol- gehalts zu stark für Küche und Tee; ihre japanische Abart liefert das höllisch scharfe Tigeröl. Sie gedeiht in unserem Klima wild, wie Rossminze, Wasser- bzw. Bachminze, Krause Minze und die milde, leicht süssliche Grüne Minze. Letztere ist auch als Englische Grüne Minze oder Speerminze bekannt und wurde aufgrund ihrer Vielseitigkeit bereits in frühester Zeit kultiviert.

Pfefferminze vor 300 Jahren zufällig gekreuzt

Um den Überblick zu behalten, haben die Menschen vielen Minzen sprechende Namen verliehen, die auf ihre Duftnoten verweisen. Selbst, wer weder Spürnase noch botanisches Wissen besitzt, erkennt eine Apfelminze am Duft von frischen Äpfeln oder die weiss panachierte, bekömmliche Ananasminze am Duft nach Ananas. Spearmint, eine mentholfreie Unterart der Grünen Minze, schmeckt klar nach Kaugummi und wird auch für dessen Herstellung verwendet.

Die pfeffrige Pfefferminze und ihre Unterart Englische Pfefferminze gehören heute zu den bedeutendsten Minzen überhaupt, dabei wurden sie erst vor 300 Jahren zufällig aus der Wasser- und Grünen Minze in England gekreuzt. Wie die für Thé à la menthe verwendete Marokkanische Minze besitzen sie einen starken, reinen, kühlen Mentholgeschmack. Auch in der Türkei ist Minztee der Wachmacher und Verdauungshelfer schlechthin. Dort verwendet man Nane-Minze – na’na ist das arabische Wort für Minze –, die eine deutliche Kümmelnote besitzt.

Im Falle einer sehr robusten, ertragreichen und geschmacksintensiven Pfefferminze aus Thüringen konnten sich die Züchter nicht auf eine Duftrichtung einigen und gaben ihr den einfalls- losen Namen Multimentha. Da lässt man sich doch lieber eine kubanische Hemingway-Minze gefallen, bei der man sofort ahnt, wofür sie steht: Hemingways Vorliebe für Mojitos – und da ist in der Tat ausser Rum auch Minze drin.

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