«Mit blauem Auge davongekommen»

70 Jahre Amag – ein Jubiläum, das vom Frankenschock und dem VW-Abgasskandal überschattet wurde. Amag-CEO Morten Hannesbo blickt auf ein herausforderndes Jahr 2015 zurück – und er will die Krise als Chance nutzen.

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Amag-CEO Morten Hannesbo mit dem Erfolgsmodell VW Golf, der 2015 zum 40. Mal das meistgekaufte Auto in der Schweiz war. Rechts der Ur-Golf aus dem Jahr 1976. (Bild Jil Lüscher)

Amag-CEO Morten Hannesbo mit dem Erfolgsmodell VW Golf, der 2015 zum 40. Mal das meistgekaufte Auto in der Schweiz war. Rechts der Ur-Golf aus dem Jahr 1976. (Bild Jil Lüscher)

Immer im Januar lädt die Amag, Schweizer Importeurin der zum Volkswagenkonzern zählenden Marken VW, Audi, Seat und Skoda, zum traditionellen Presseanlass ein – vielfach mit einem hochkarätigen Gast aus Deutschland. Vor sieben Jahren war es VW-Konzernchef Martin Winterkorn persönlich, der den Schweizer Automedienvertretern in Arosa seine Aufwartung machte.

Arosa war auch an diesem Wochenende wieder Ort des Geschehens. «Martin Winterkorn wird aber dieses Mal nicht vor Ort sein», meinte Morten Hannesbo am Freitag mit einem Anflug von Bedauern und ein wenig Galgenhumor zu den Medienvertretern. Seine Beziehung zum VW-Konzernchef, der 2015 im Sog des VW-Betrugsskandals in Ungnade gefallen sei, freundschaftlich gewesen. Und auch zur neuen Führung pflege man ein gutes Verhältnis. Deshalb verzichtete der Amag-CEO ausdrücklich auf böse Worte in Richtung Wolfsburg, wo sich die Volkswagen-Zentrale befindet.

Kostspielige Rückrufaktionen

Aber: Morten Hannesbo und damit die Amag unterstreichen im Zusammenhang mit der Abgasaffäre selbstbewusst, «dass wir für unsere Kunden nicht das Problem, sondern die Lösung sind». Zur Erinnerung: Letztes Jahr ist in den USA ans Licht gekommen, dass VW-Dieselmotoren einsetzt, die zu wenig sauber arbeiten, sprich, die geforderten Abgaswerte nicht erreichen. Um die Zulassung auf den Märkten trotzdem zu bekommen, hat VW die entsprechenden NOx-Abgastests (nicht zu verwechseln mit CO2) mittels Software mutwillig manipuliert. Jetzt müssen alle betroffenen VW-Modelle in aufwendigen und kostspieligen Rückrufaktionen nachgerüstet werden.

In der Schweiz beginnt diese die mit dem Bundesamt für Strassen (Astra) orchestrierte und koordinierte Rückrufaktion noch diesen Monat, gestaffelt nach Modellen und Motorentypen. Weil jeder Halter eines betroffenen VW-Modells schriftlich aufgefordert wird, innerhalb einer klar definierten Frist eine für die Modifizierung zugelassene Werkstätte aufzusuchen, kommt die Amag unverhofft zu vielen persönlichen Kundenkontakten. Und das soll explizit als Chance genutzt werden: «Wir werden unsere Kunden über das Notwendige hinaus speziell gut behandeln und sie positiv überraschen», verspricht Morten Hannesbo.

Wirtschaftlich konnte sich die Amag trotz Frankenschock als Folge der Aufhebung des Euromindestkurses im Januar 2015 und Abgasskandal erstaunlich schadlos halten. Die Absatzzahlen sind gestiegen und die befürchteten Rückgänge bei den mit Dieselmotoren ausgestatteten VW-Modellen halten sich im vernachlässigbaren Bereich von rund 0,5 Prozent. Mit 42 212 Einheiten ist VW weiterhin die meistgekaufte Marke der Schweiz (Marktanteil 13,0 Prozent). Insgesamt wurden 95 860 Personenwagen von VW, Audi, Skoda und Seat in der Schweiz neu zugelassen. Dazu kommen 6331 leichte Nutzfahrzeuge von VW und Skoda.

Die Amag First AG schliesst das Jahr mit 1602 Neuzulassungen der Marke Porsche ebenfalls erfolgreich ab. Bentley Zug hat im letzten Jahr 28 Neuwagen verkauft. Auch wenn der Jahresumsatz (4,4 Milliarden) um 200 Millionen Franken leicht gesunken ist, spricht Morten Hannesbo von einem soliden Resultat. «Wir sind im sehr herausfordernden und spannenden Jahr 2015 mit einem blauen Auge davongekommen.»

Jil Lüscher, Arosa

Gesetz erfordert ein Nachrüsten

VW-Modelle mit Dieselmotoren müssen 2016 nachgerüstet werden. Die betroffenen 1,2- und 2,0-Liter-Motoren erhalten ein Software-Update. Beim 1,6-Liter-Motor muss zusätzlich ein sogenannter Strömungsgleichrichter installiert werden. Die Fahrzeughalter werden gestaffelt benachrichtigt und aufgefordert, umgehend einen Termin zur Umsetzung der technischen Lösung mit einem frei zu wählenden offiziellen und autorisierten Partnerbetrieb ihrer Automarke zu vereinbaren. Die Rückrufaktion wird vom Astra eng überwacht und eine Nachbesserung des Fahrzeuges ist gesetzlich zwingend erforderlich. Die Volkswagen AG übernimmt die Kosten für alle notwendigen Nachbesserungen. Allen Kunden wird im Bedarfsfall eine angemessene und kostenlose Ersatzmobilität zugesichert.