Mit Corona gegen allerlei Seuchen

Die Katholische Kirche listet eine Märtyrerin mit diesem Namen. Sie hat zwar nichts mit dem Virus zu tun, aber wenn man bedenkt, aus welchen Gründen sie angerufen wird, so kriegt ihre Verehrung neue Aktualität.

Andreas Faessler
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Ein altes Bittzeichen an die Adresse der heiligen Corona. Es hängt in der Vorhalle der St.-Corona-Kapelle in Gumpertsham bei Sauerlach südlich von München.

Ein altes Bittzeichen an die Adresse der heiligen Corona. Es hängt in der Vorhalle der St.-Corona-Kapelle in Gumpertsham bei Sauerlach südlich von München.

Bild: Andreas Faessler (13. März 2020)

Selten war ein Begriff weltweit so dauerpräsent, medien- und alltagsbeherrschend wie zur Zeit «Corona». Bis vor wenigen Monaten brachte man den Namen bestenfalls mit prickelndem Biergenuss in Verbindung, ehe er mit Auftauchen des aggressiven Erregers schlagartig überaus negativ behaftet war.

Nur wenigen dürfte bekannt sein, dass die Bezeichnung auch im Heiligenkalender der Katholischen Kirche existiert: Tatsächlich führt diese eine Märtyrerin dieses Namens auf. Die heilige Corona – eigentlich Corona Stephana – gehört zu den wenig bekannten Patroninnen, ihre Verehrung in Westeuropa beschränkt sich heute weitgehend auf den österreichisch-bayrischen Raum und wird selbst da nur punktuell noch praktiziert.

Grausam hingerichtet

Wie im Falle zahlreicher anderer Märtyrerinnen und Märtyrer ist Coronas Biografie hauptsächlich von Überlieferung geprägt, die sich im Laufe der Zeit verwässert haben. Gelebt hat sie vermutlich im 2. Jahrhundert. Sie soll die Frau des Viktor von Damaskus gewesen sein, ein ebenfalls mehrheitlich durch Legenden erfasster Heiliger. Die Herkunft Coronas ist nicht bekannt, genannt werden Syrien, Ägypten, die Türkei oder auch Sizilien oder Südfrankreich, je nach Schrift (griechisch oder lateinisch).

Viktor, ein römischer Soldat, weigerte sich, von seinem christlichen Glauben abzulassen, weshalb er zur Folter und schliesslich zum Tode verurteilt wurde. Dies unter dem Regime von Kaiser Marc Aurel oder dessen Adoptivvater Antonius Pius. Viktors erst 16 Jahre alte Ehefrau Corona soll ihren Mann während dessen Leiden gepflegt und ihm Mut gemacht haben, ehe er enthauptet wurde.

Da Corona ihrem Glauben ebenso treu blieb, war auch sie dem Tod geweiht. Ihre Hinrichtung war grausam: So sollen die Peiniger sie mit Stricken zwischen zwei heruntergebeugten Palmen festgebunden haben. Danach liessen sie die Bäume hochschnellen, und Coronas Körper wurde gewaltsam zerrissen. Eine der Überlieferungen erzählt, dass darauf zwei Kronen vom Himmel gefallen seien, wovon sich schliesslich auch ihr Heiligenname ableiten dürfte.

Wenig verbreitete Verehrung

Die Corona-Verehrung im heutigen Europa hat bereits im 6. Jahrhundert eingesetzt, beschränkte sich allerdings für lange Zeit auf Italien. Nördlich der Alpen kennt man das Patrozinium erst seit dem 14. Jahrhundert, obschon Corona-Reliquien bereits im 10.  Jahrhundert aus Italien nach Aachen, Bremen und Prag gelangt sind. Corona-Wallfahrtsorte gab und gibt es hauptsächlich in Nieder- und Oberbayern sowie in Niederösterreich. Die wenigen der Märtyrerin geweihten Kirchen und Kapellen beschränken sich denn auch hauptsächlich auf diesen Raum. Eine von ihnen steht abseits der Zivilisation mitten im Wald zwischen den zur Gemeinde Sauerlach gehörenden Weilern Arget und Gumpertsham südlich von München. Die schlichte, eher wenig einladende Kapelle, weist an der Chorwand einen Schriftzug auf, der da lautet: Müder Wanderer, stehe still, mach bei Sankt Corona Rast, dich im Gebet ihr fromm empfiehl, wenn du manch Kummer und Sorgen hast.

St.Corona hilft

Kummer und Sorgen haben in Zeiten wie diesen wohl einige. Und auch wenn der Name der Märtyrerin mit dem Virus freilich nicht direkt etwas zu tun hat  – ein gewisser Bezug besteht: Die hl. Corona ist nicht nur die Patronin der Fleischhauer und Schatzgräber, für Geldbelange und Glücksspiele, sie hilft auch gegen Seuchen. Wie passend...

Dargestellt wird die heilige Corona Stephana meist mit Krone und einem oder zwei Palmzweigen, gelegentlich mit einer Geldmünze, einer Schatulle oder einer Lilie. Ihr katholischer Gedenktag ist der 14. Mai.