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Glosse

Der Scherbergarten wird digitalisiert: mit der Wettergranate gegen die Trockenheit

Die Digitalisierung greift nun auch auf Schrebergärten über. Hobbygärnter träumen schon von Wettergranaten und Unkrautrobotern.
Marlen Hämmerli
Von Hand die Erde lockern: Mit der Digitalisierung könnte das bald Vergangenheit sein. (Bild: Urs Jaudas)

Von Hand die Erde lockern: Mit der Digitalisierung könnte das bald Vergangenheit sein. (Bild: Urs Jaudas)

Endlich ist sie da, die Lösung für die allgegenwärtige Mäuseplage: die digitale Mausefalle. Die Erfinder, zwei Unternehmen aus den Kantonen St.Gallen und Luzern, dürften schon bald etliche Briefe erhalten – von dankbaren Bauern, Gärtnern und Hausbesitzern. Denn in einer Welt, die auf Effizienz getrimmt ist, leistet die digitale Mausefalle einen Beitrag daran, diese weiter zu steigern. So rechnen es zumindest die beiden Firmen vor.

Eine Mausefalle zu kontrollieren, koste drei Minuten. Verlorene Zeit, wenn die Falle leer ist, umsonst ausgegraben und kontrolliert wurde. Bei mehreren Mausefallen summiere sich der Zeitverlust rapide. Diese Zeit können sich Landwirte wie Hobbygärtner mit der digitalen Falle sparen, denn diese meldet es aufs Handy, wenn sie eine Maus geschnappt hat. Piepst künftig das Handy, springen Gärtnerinnen und Gärtner auf. Und das ist nur der Anfang, denn bald schon wird die Gartenarbeit digitalisiert.

Gerade Schrebergärtenbieten viel Potenzial für Effizienzsteigerungen. Allein das Giessen! Ist es trocknen, muss der Gärtner täglich frühmorgens parat stehen, die 10-Liter-Spritzkanne füllen – mehrmals! – und durch den Garten schleppen. Notabene ohne Setzlinge zu zerdrücken oder in die frisch geharkte Erde zu treten. Die Lösung für diese Qual: eine chinesische Wettergranate. Wird die Granate gezündet entsteht eine lokale Regenwolke. Gesteuert wird sie über Funk – genau wie die ferngesteuerten Autos, von denen die Gärtner als Buben träumten.

Heute träumen Gärtner nicht nur von Wettergranaten, sondern auch von einer einfachen Lösung gegen Unkraut. Das weiss auch die Landi. Wie diese Zeitung erfahren hat, sollen bald Unkrautroboter auf den Markt kommen. Eine Mischung aus Rasenmäher und Staubsaugroboter. Einziges Problem: Die Roboter unterscheiden nicht zwischen Kraut und Unkraut, Basilikum und Brennnessel, Liebstöckel und Löwenzahn. Der Gärtner muss den Roboter deshalb vorerst noch per Joystick steuern.

Bald schon kann sich der Gärtner zurücklehnen, das Bier in der Hand, den Laptop im Schoss. Gemütlich erledigt er die Arbeit vom Computer aus. Die Gartenarbeit als Garten-Game. Doch einige macht diese Entwicklung unglücklich. Sie schimpfen, das sei nicht der Sinn der Sache. Sie würden lieber gekrümmt im Beet stehen, sich lieber die Hände schmutzig machen. Diesen Gärtnern bleibt nur die Enttäuschung. Der Sinn der Gartenarbeit wurde soeben wegrationalisiert.

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