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Die heilige Kakwkylla hilft gegen Mäuse

Cutubilla gehört zu den unbekanntesten Schutzherrinnen. Das Kuriose: Sie war wohl ursprünglich ein Mann.
Andreas Faessler
Die einzige bekannte plastische Darstellung der heiligen Cutubilla (2. von links) befindet sich im ehemaligen Prämonstratenserkloster Adelberg in Baden-Württemberg. (Bild: Andreas Faessler, 11. August 2019)

Die einzige bekannte plastische Darstellung der heiligen Cutubilla (2. von links) befindet sich im ehemaligen Prämonstratenserkloster Adelberg in Baden-Württemberg. (Bild: Andreas Faessler, 11. August 2019)

Die Liste katholischer Heiliger und Seliger ist sehr lang, sie ist über viele Jahrhunderte kontinuierlich gewachsen. Ab dem 2. Jahrhundert nach Christus wurden Menschen mit beispielhaftem, gottgefälligem Lebensstil verehrt, insbesondere Märtyrer, die für den Glauben ihr Leben liessen. Nach Ende der grossen Christenverfolgung waren es vor allem Menschen, die etwa durch Askese, Ehelosigkeit und/oder ihren aufopfernden Lebensstil als Zeugen Christi geheiligt wurden. Schliesslich folgten im Mittelalter vorbildliche Geistliche, darunter Ordensgründerinnen und -gründer, sowie ehrenwerte Adlige, die durch ihre Verdienste einen neuen «Heiligentypus» darstellten.

Einen beispiellosen Zuwachs erfuhr der Reigen der katholischen Heiligen zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert, als Gebeine aus den Katakomben in Rom an Kirchen und Klöster in aller Welt verschickt wurden. Man sah die dort bestatteten Menschen des frühen Christentums als (unbekannte) Märtyrer. Von den meisten kannte man weder Name noch Vita, weshalb ihnen eine Identität zugeordnet wurde, um sie fassbarer zu machen. In zahlreichen Kirchen der Zentralschweiz finden sich Reliquien solcher Katakombenheiliger, im Kloster Einsiedeln allein werden Fragmente von mindestens 14 römischen Märtyrern verwahrt.

Aus Columban wird eine schwedische Schutzherrin

Während die Mehrheit der heute bekannten katholischen Heiligen entweder biografisch genau erfasst oder deren Existenz historisch wenigstens nachgewiesen ist, gibt es Vertreterinnen und Vertreter aus dem Kreise kirchlicher Heiligenfiguren, die fast gänzlich ins Reich der Legenden gehören.

Ein besonderes Kuriosum aus letzterer «Sparte» stellt die heilige Cutubilla von Württemberg dar. Wie diese fiktive Heilige zu ihrer Identität gekommen ist, liest sich geradezu abenteuerlich: Ihr mutmasslich frühester «Auftritt» hat die Heilige in einer über 500-jährigen Handschrift in der Stiftsbibliothek Linköping (Schweden) als «Sankta Kakwkylla». Der deutsche Anglist Ferdinand Holthausen (1860–1956) führt in diesem Zusammenhang einen mittelalterlichen Vers gegen eine Feuersbrunst an, in dem ein hl. «Columquillus» angerufen wird. Holthausen kam zum Schluss, dass damit der hl. Columban von Iona (521–597) gemeint sein muss, dessen altirischer Name «Colum Cille» lautet. Columban galt in erster Linie als Beschützer vor Feuersbrunst, aber auch als Patron der Segler. Er sorgte bei Anrufung für günstige Winde. Die heilige Cutubilla, in deren Gestalt diese Herleitung gleich enden wird, hilft gegen Ratten- und Mäuseplagen. Ein solches Schutzpatronat ist bei Columban zwar nicht überliefert, wohl aber soll er Schlangen auf der Insel, wo sein Kloster stand, durch seinen Segen das Gift genommen haben. Vermutlich hat man im Laufe der Zeit sein Schutzpatronat auch auf ­anderes Ungeziefer ausgeweitet. Der irische Name Columbans dürfte allmählich fehlgedeutet worden sein, wonach man aus dem «Cille» ein «Cilla» machte und eine weibliche Figur hineininterpretierte. Daraus ist wohl die weibliche Kakwkylla entstanden, die unter anderem auch Kakukylla, Cacubilla oder eben Cutubilla genannt wird.

Eine einzige bekannte figürliche Darstellung

Bemerkenswert ist, dass es nur sehr wenige Cutubilla-Darstellungen gibt. Ausserhalb Schwedens sind nur deren zwei bekannt – zum einen in der Kapelle von Schloss Regendorf bei Regensburg, wo sie auf einem Gemälde zu sehen ist, und zum anderen auf dem spätgotischen Flügelaltar von 1511 in der Ulrichskapelle im ehemaligen Prämonstratenserkloster Adelberg bei Göppingen. Hier wird sie vollplastisch gezeigt und zwar auffallend prominent zur Rechten der heiligen Muttergottes. Cutubilla trägt eine Krone, und zu ihren Füssen sind als Zeichen der Schutzherrschaft zwei Mäuse dargestellt.

Es ist vermutlich diese qualitätvolle, bemerkenswert prominente Adelberger Darstellung – die wohl einzige figürliche überhaupt –, welche der Cutubilla den Zusatz «von Württemberg» eingebracht hat. Ihr Gedenktag ist der 10. März.

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