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Mit Mr. Robinson nackt auf der Abenteuerinsel

Würde Robinson Crusoe, 300 Jahre nach dem erscheinen des Romans, auf einer Insel stranden, er fände sich umringt von nackten Halbprominenten in einer TV-Show wieder. Denn die Robinsonade des 21. Jahrhunderts ist zu einer Reality-Survival-Show mit Erotik-Faktor verkommen.
Katja Fischer De Santi
Gestrandet im Paradies: Der TV-Robinson muss blank ziehen. (Bild: RTL)

Gestrandet im Paradies: Der TV-Robinson muss blank ziehen. (Bild: RTL)

Eine einsame Insel fernab jeglicher Zivilisation, darauf ein Gestrandeter, der um sein Überleben kämpft. Der Plot aus dem Daniel Defoe seinen «Robinson Crusoe» ersann, musste in den letzten 300 Jahre für vieles herhalten: italienische Slapstick-Komödien, smarte Dandy-Romanzen (inklusive Südseeschönheiten), moralinsaure Kinderbücher und TV-Serien «Die Schweizer Familie Robinson», lächerliche Science-Fiction-Thriller «Robinson auf dem Mars» oder ein existenzialistische Psycho-Drama mit Tom Hanks «Cast Away».Jede Generation hat aus Daniel Defoes Erzählung das herausgenommen was ihr gerade in den Zeitgeist passte.

Expedition Robinson: Gruppentherapie auf der Insel

Und heute? Heute würde sich Robinson Crusoe nach seinem dem Schiffbruch wohl unvermittelt in einer Reality-Show wiederfinden, wo er vor laufenden Kameras um sein «Überleben» kämpft.

Die Reality-Survival-Show «Expedition Robinson» des Schweizer Senders TV3 markierte vor gut zehn Jahren den Anfang einer ganzen Reihe von Insel-Formaten. Der Sender setzte eine Gruppe abenteuerlustiger Kandidaten für fast zwei Monate auf einer einsamen Insel aus und versprach jener Person, die es am längsten aushielt zehntausend Franken. Nicht das Überleben in der Wildnis ist das eigentliche Thema, sondern das Überleben in der sich zersetzenden Gruppe.

Was in «Dschungelcamp»-Zeiten heute keine Stechmücke mehr aufschreckt, war damals komplettes Neuland.In der Zwischenzeit sind die Teilnehmer der diversen Insel-Formaten immer nackter, der Überlebensgedanke immer marginaler und der Sextrieb umso zentraler geworden.

Jeden Tag stranden neue Schönheiten auf der Insel

Den Tiefpunkt dieser Insel-Kuppel-Shows schoss RTL mit «Adam sucht Eva» 2014 ab. Ein nackter «Robinson» trifft auf eine nackte Inselschönheit und soll sich bitte in diese verlieben und wenn nicht, dann wenigstens mit ihr etwas rummachen. Zur Erhöhung der erotischen Spannung stranden jeden Tag neue nackte Schönheiten am Strand.

Es geht um Sex und Liebe, vor allem aber um Exhibitionismus und Fremdschämen. Als ob der echte Robinson auch nur einen Tag nackt auf seiner Insel verbracht hätte. Der Original-Crusoe hält, bis zum Hals in Fell gekleidet, die Errungenschaften der Zivilisation und die Moral auch in der Wildnis aufrecht. Bei den Teilnehmern von Formaten wie «Love Island» blättert der Putz der Zivilisation hingegen unter der tropischen Sonne ab, wie die sonnenverbrannte Haut von den nackten Körpern.

Mann gegen Natur: Survial Shows

Doch damit nicht genug der modernen TV-Robinsonaden. Etwas weniger skandalös, dafür mit stabiler Fangemeinde halten sich eine ganze Auswahl an Survival-Shows auf den Sendern. Das Grundmotiv ist überall gleich: Menschen werden, ausgerüstet nur mit dem allernötigsten, in der Wildnis ausgesetzt und müssen vor laufenden Kameras irgendwie überleben.

Die Titel der Shows – «Ausgesetzt in der Wildnis», «Allein in der Wildnis» oder gar «Naked Survival» (nackt zieht immer) – sind so einfallsreich wie der Inhalt: Er gegen sie, Mann gegen Natur. Die Natur nimmt dabei eine seltsame Doppelbedeutung an. Sie ist feindlicher Lebensraum und zugleich sehnsuchtsbesetzter Ort, der mit der romantischen Vorstellung von Unberührtheit aufgeladen wird. In den Shows wird gekreischt, geweint, geblutet, bevor die Kamera über unberührte Dschungeltäler fliegt- und dabei aufpassen muss, dass das Luxus-Ressort in der Nähe nicht ins Bild rückt. Das unberrührte Inselidyll ist genauso künstlich geworden wie die muskelgepackten, zurecht operierten Robinsons des 21.Jahrhunderts.

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