Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

MITTELMEER: Zypern: Auf die Insel der Götter

Im Winter lockt Zypern mit langen, einsamen Stränden, Blüten auf der Halbinsel Akamas – und süssem Wein.
Felsenbrücke in der Nähe des Kap Greco, dem südöstlichsten Punkt Europas. (Bild Kornelia Stinn)

Felsenbrücke in der Nähe des Kap Greco, dem südöstlichsten Punkt Europas. (Bild Kornelia Stinn)

«Bei 16 Grad mag ich nicht ins Wasser gehen», sagt Rita Kraras, als die Rede auf den Winter kommt. Die Schweizerin hat einen Zyprio-ten geheiratet und lebt seit vielen Jahren in Paralimni an der Ostküste der Insel. Sehr ruhig ist es im ­ Winter hier. Viel Restaurants und Hotels haben geschlossen. «Aber», lächelt sie, «ich mache genau dann sehr gern lange, einsame Strandspaziergänge in der Sonne.»

Wer das pralle Badevergnügen der heissen, regenfreien Sommer auf Zypern kennt, kann sich leergefegte Strände hier kaum vorstellen. Er kann sich auch nicht vorstellen, wie wenig Regen genügt, damit die Erde aufatmet und sich zwischen Dezember und April ein bunter Teppich mit Anemonen, Zistrosen, Traubenhyazinthen und Hahnenfuss in die öde Steppe webt.

Bergauf über Schotterpisten

Durch eine Landschaft mit wilden Olivenbäumen und voller Thymiandüfte, in der bis vor 30 Jahren noch Esel Weizenfelder beackerten, kriechen dann so manche Jeeps mit Inselgästen sachte über Schotterpisten bergauf. Längst schon sind die Wege für andere Fahrzeuge unzugänglich. Für Wanderer jedoch eine wahre Freude. Ein gut einstündiger Rundweg startet bei einem Picknickplatz mitten im Wald.

Kaktusfeigen, Bananen, Oliven- und Johannisbrotbäume kommen anscheinend gut ohne Regen aus. Sie wachsen auf der Halbinsel Akamas an der Westküste selbst dann, wenn sich kein Grashalm mehr streckt. Der Wein auch. Um die Rebpflanzen an den steilen Hängen in die trockene Erde zu bekommen, gibt es eine Art riesige Holzgabel, mit deren spitzem Ende die Löcher in den Boden gerammt werden.

Trauben zum Trocknen ausgelegt

Robust sind die Mavro- und Xynisteri-Trauben. Aus ihnen wird auch der Commandaria hergestellt. Das ist jener süsse Wein, von dem schon im Mittelalter die Adligen an europäischen Fürstenhöfen schwärmten. Die Rebstöcke werden nicht bewässert und die Trauben nach der Ernte zum Trocknen ausgelegt. Bei einer Führung im Weinmuseum von Erimi nahe Limassol ist zu erfahren, dass auf Zypern bereits vor 6500 Jahren süsser Wein hergestellt worden ist. Durch die Weinbaugebiete Zyperns führen sechs unterschiedliche Routen. Dabei laden zahlreiche Winzer in typischen alten Dörfern dazu ein, den Trank der Götter zu degustieren. Traditionell ist dann Weihnachten der Zeitpunkt, an dem der erste neue Wein probiert wird.

Im Meeresschaum oder Schnee

Dass die Götter Wein aber nicht nur liebten, sondern Dionysos diesen sogar «erfand», zeigt das Archäologische Museum in der alten Hafenstadt Paphos. Dionysos soll zufällig den ersten Wein gegärt haben, indem er gepresste Trauben eine Woche stehen liess. Die alten römischen Mosaike in Paphos, auf die 1962 ein Bauer beim Umgraben seines Feldes gestossen war, stellten sich als Fussbodenmosaike ehemaliger antiker Herrenhäuser heraus. Darauf sind Geschichten rund um Lust und Launen der Götter dargestellt.

Doch derlei Mythen blühen auf Zypern überall. Am Felsen der Aphrodite zwischen Paphos und Limassol soll die Schöne aus dem Meeresschaum geboren worden sein. Und es heisst, wer hier um Mitternacht ein Bad nimmt, der würde dem Wasser gleich um zehn Jahre verjüngt wieder entsteigen. Ob das Anreiz genug ist, bei winterlichen Wassertemperaturen in die Fluten zu tauchen? Oder doch vielleicht lieber in das weisse Meer des Schnees? Im Januar und Februar sollen jedenfalls die Lifte auf dem Olympos (1951 m) in Betrieb sein.

Wie Frühling in der Schweiz

Auch Rita Kraras fährt hin und wieder Ski. Das freilich könnte sie in der Schweiz ausgiebiger und länger. Sie schätzt aber besonders die angenehm warmen Wintertemperaturen an der Küste. Das ist ausgesprochen praktisch. Liegt das Meer doch mal eben um die Ecke bei ihr. Und direkt vor ihrem Haus recken an einem riesigen Busch feuerrote Blüten ihre Köpfe der Sonne entgegen. Der Winter auf Zypern ist wie der Frühling in der Schweiz.

Ab April spätestens setzt dann die grosse Hitze wieder ein.

Kornelia Stinn

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.