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Die Momo-Challenge verunsichert Schweizer Eltern

Ein japanisches Kunstwerk sorgt derzeit online für grosse Aufregung. Ein Experte fordert deshalb: Kinder sollen Youtube nur noch unter Aufsicht konsumieren dürfen.
Samuel Schumacher
Die Horrorgestalt «Mother Bird» des Japaners Keisuke Aiso. (Bild: Screenshot)

Die Horrorgestalt «Mother Bird» des Japaners Keisuke Aiso. (Bild: Screenshot)

Barbie, Playmobil und Brio-Bahnen sind längst nicht mehr die einzigen Objekte kindlicher Begierden. Die Digitalisierung ist in den Kinderzimmern angekommen. Jüngst hat auch die Google-Tochter Youtube ein massgeschneidertes Angebot für das junge Zielpublikum entwickelt: die App «Youtube Kids». Weltweit wurde sie schon über 50 Millionen Mal heruntergeladen. Seit Anfang Februar ist das Programm auch im Schweizer App-Store verfügbar. Ziel des neuen Angebotes ist es, ein kindergerechtes Menu an Videos zusammenzustellen, in dem Eltern ihre Kinder sorglos herumsurfen lassen können.

Doch just zum Zeitpunkt der Lancierung von Youtube Kids in der Schweiz ist die Sorglosigkeit vorbei. Grund dafür: eine Verschwörungstheorie mit dem Namen «Momo-Challenge». Auf Facebook verbreitet sich das Gerücht, dass Kindervideos auf Youtube plötzlich von einer grusligen Gestalt unterbrochen würden, die die Kinder zu gefährlichen Handlungen auffordert. Bei der Gestalt soll es sich um die Skulptur ­«Mother Bird» des japanischen Künstlers Keisuke Aiso handeln.

Die Nachricht über die gefährlichen Youtube-Videos ist allerdings eine Falschmeldung. Youtube betont, es gäbe keine Beweise, dass solche Videos je auf der Plattform kursiert seien. Der Verein Mimikama, der missbräuchliche Inhalte im Internet untersucht, schreibt, erst durch die Medienberichte über den Challenge seien viele auf das Horrorspiel aufmerksam geworden und hätten Schreckensmeldungen über die sozialen Medien verbreitet.

Kindsköpfe machen sich ­seither einen Spass daraus, auf Whatsapp im Namen von Momo Nachrichten zu verschicken. Einen eigentlichen Challenge aber gibt es nicht. Berichte über Suizide, die in Verbindung mit dem Horrorbiest stehen sollen, haben sich allesamt als Falschmeldungen entpuppt.

Die falschen Gerüchte über den Momo-Challenge lösen trotzdem reale Ängste aus. Die «CH Media» hat mit mehreren Eltern gesprochen, die in dem Hype eine Gefahr für ihre Kinder sehen. Eine Mutter erzählte, sie habe die Youtube-App auf ihrem Handy versteckt, damit ihre Tochter nicht mehr allein durch die Videos scrollen könne. Beunruhigt ist auch Philippe Wampfler, Experte für digitales Lernen; weniger über den Momo-Challenge an sich, als viel mehr über den Medienkonsum von Kindern, den die Diskussion über die japanische Horrorgestalt zu Tage gebracht hat. «Es ist problematisch, wenn kleine Kinder alleine gelassen werden mit Youtube. Kinder sollten bis ins Primarschulalter nur unter Aufsicht der Eltern auf Youtube surfen dürfen», findet Wampfler.

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