Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

MOSKAU: Die unfassbare Metropole

Die russische Hauptstadt wirkt auf den ersten Blick wenig lieblich. Doch beginnt man erst, sie zu entdecken, will man gar nicht mehr nach Hause.
Besonders schön am späten Nachmittag: die Basilius-Kathedrale am Roten Platz im Herzen der Stadt. (Bild: Andi Schmid)

Besonders schön am späten Nachmittag: die Basilius-Kathedrale am Roten Platz im Herzen der Stadt. (Bild: Andi Schmid)

Rahel Hug


Ein unscheinbares, düster eingerichtetes Restaurant an einer Moskauer Ausfallstrasse. Draussen dröhnt der Abendverkehr, drinnen werden georgische und russische Spezialitäten gereicht und dazu eiskalter Wodka in rauen Mengen. Es ist der erste Abend unseres einwöchigen Aufenthaltes in der russischen Hauptstadt. Im Lokal ist nur unser Tisch besetzt – eingeladen haben uns Maxim und Olga, ein russisches Paar in den Dreissigern, das wir zuvor bei unserer Ankunft am Weissrussischen Bahnhof kennen gelernt haben. Maxim schenkt fleissig nach, während er uns Trinksprüche beizubringen versucht und ausschweifend über all die Vorzüge seines Heimatlandes referiert. Mit dem Alkoholpegel steigt auch unsere Gelassenheit, denn eigentlich hätten wir den Abend in unserem Hotel im Herzen der Stadt (wo man uns erwartete) verbringen wollen – um dann am nächsten Tag erholt und ausgeschlafen in die Ferien zu starten.

Doch manchmal kommt es anders, als man denkt – und das ist gut so. Schon als wir mit den beiden ins Taxi steigen und Maxim – von Beruf Polizist – den Fahrer vor der Bar anweist, mit unserem Gepäck zu warten, ahnen wir, dass wir an diesem Abend erst spät ins Bett gehen würden. Aus «only one drink» zu Beginn werden drei unterhaltsame Stunden. Der Kater am nächsten Tag ist es allemal wert: Wir lernen zwei liebenswürdige Einheimische kennen, die uns mit ihrer Gastfreundschaft regelrecht in Verlegenheit bringen.

Wo sich die junge, gutsituierte Bevölkerung trifft

Moskau empfängt seine Besucher rau und ehrlich. Die breiten Boulevards und der Verkehrslärm, die massiven, klobigen Gebäude, die weit in die Luft ragenden Stalin-Hochhäuser im «Zuckerbäckerstil» und die oft ernsthafte und eher kühle Miene vieler Russinnen und Russen: Die Grossstadt wirkt auf den ersten Blick wenig lieblich, sondern vielmehr grob und kaum fassbar. Doch die Mega-City zeigt auch andere Seiten. So zum Beispiel im Hermitage-Park, wo sich junge Eltern in hippen Restaurants treffen und ihren Borschtsch (Randensuppe) schlürfen, während sich der Nachwuchs auf dem Spielplatz gegenüber austobt. Oder im Gebiet zwischen der Twerskaja-Strasse und dem Stadtteil Arbat, wo sich abends die gutsituierte Jugend vergnügt. In diesem Quartier wimmelt es von jungen Männern und Frauen, die allesamt modisch und chic gekleidet sind. Hier gibt es Bars und Restaurants, so weit das Auge reicht. Wir entscheiden uns für russische, deftige Küche in einem Lokal, das eingerichtet ist wie ein Wohnzimmer aus Sowjetzeiten. Es ist nicht das einzige Gasthaus, in dem man in vergangene Zeiten eintauchen kann – dies, während der Kentucky-Fried-Chicken-Imbiss nebenan zeigt, dass auch in Moskau die Globalisierung längst angekommen ist.

Einen besonderen Reiz strahlt das internationale A-cappella-Festival aus, das während unseres Aufenthaltes in der Metropole stattfindet. Plötzlich erklingen neben dem Monument für den Dichter Alexander Puschkin kräftige Frauenstimmen, während, einen kurzen Fussmarsch entfernt, eine Beatbox-Gruppe ihr Talent präsentiert. Die Musik, kombiniert mit dem geschäftigen Treiben, das überall herrscht, lädt zu einem ausgiebigen Stadtspaziergang ein. Moskau zu Fuss zu erkunden ist anstrengend, doch es lohnt sich. Immer wieder trifft man auf hübsche Plätze, prachtvolle Kirchen und Kapellen, eindrückliche Denkmäler und dazu unzählige Baustellen, durch die man ein Gefühl dafür gewinnt, wie unglaublich schnelllebig diese Stadt ist.

Kultur in der ehemaligen Süsswarenfabrik

Den Roten Platz, das Herzstück von Moskau, besucht man am besten gegen Abend, wenn die farbigen Zwiebelkuppeln der Basilius-Kathedrale – die wohl meistfotografierte Sehenswürdigkeit der Stadt – und die Kremltürme besonders schön leuchten. Genauso eindrücklich ist die Christi-Erlöser-Kathedrale, ein gewaltiges Bauwerk, an dem man sich kaum sattsehen kann.
Kulturinteressierte dürfen sich die ehemalige Süsswarenfabrik «Roter Oktober» im Stadtteil Jakimanka nicht entgehen lassen. Im ehemaligen Fabrikgelände haben sich Kulturschaffende und junge Gastronomen einquartiert. Im Fotozentrum «Brüder Lumière» etwa werden Bilder russischer und internationaler Fotografen ausgestellt – und eine grosse Auswahl an Bildbänden lädt zum Stöbern ein. Spannend ist auch das «Garage Museum of Contemporary Art» im Gorki-Park, Heimat der landesweit grössten Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst, wo ein junges, freches Russland seine Werke zeigt. Im Gorki-Park lässt es sich übrigens wunderbar entspannen, falls sich ein Grossstadtkoller bemerkbar machen sollte. Die grosszügige Anlage lädt ein, auf der breiten Promenade der Moskwa entlangzuspazieren, sich an einer der zahlreichen Imbissbuden zu stärken, auf dem Teich eine Runde mit dem Pedalo zu drehen oder auf einer bequemen Liege in Tagträume zu versinken.

Der Zirkus, der die Einheimischen begeistert

Lohnenswert ist ein Ausflug in den nordöstlich des Zentrums gelegenen Bezirk Ismajlowo. Hier, eine halbe Metrostunde entfernt von der Innenstadt mit ihren mondänen Vierteln, findet man hinter den Toren eines nachgebauten Mini-Kremls, der durch seinen kitschig-maroden Charme auffällt, einen grossen Handwerker- und Souvenirmarkt. Die Preise sind deutlich tiefer als beispielsweise in der Arbat-Fussgängerzone, und es verschlägt nicht so viele Touristen hierher. Neben Sowjet-Accessoires, Tüchern, Kunsthandwerk und grillierten Schaschlikspiessen findet man massenhaft Matrjoschkas – zu den klassischen gesellen sich solche mit den Gesichtern von Vladimir Putin, Josef Stalin, Michael Jackson oder Donald Trump.

Zum Abschluss unserer Reise besuchen wir den Nikulin-Zirkus am Zwetnoj-Boulevard. Es handelt sich um den ältesten Zirkus in Russland, nach der Oktoberrevolution wurde er in den ersten staatlichen Zirkus der Sowjetunion umgewandelt. Der zu Fotozwecken an einer Leine präsentierte Gepard im Eingangsbereich wirkt befremdlich, doch in der Show bekommt man bei Zuckerwatte und Popcorn Artistik vom Feinsten geboten, und die Begeisterung der einheimischen Besucher sucht ihresgleichen.

Sieben Tage reichen bei weitem nicht aus, um all die Facetten und Gesichter Moskaus zu erfassen. Wir verlassen die Metropole, als wir langsam beginnen, uns in den Strassen und Gassen richtig zurechtzufinden; als wir das Gefühl haben, zumindest einen klitzekleinen Teil aller touristischen Highlights gesehen zu haben; als wir uns die kyrillischen Namen der teils palastartigen Metrostationen immer besser merken können. Und als uns Maxim und Olga, unsere Bekannten vom ersten Abend, um ein erneutes Treffen anfragen.

Die grösste Stadt Europas

Moskau ist die Hauptstadt der Russischen Föderation und liegt im europäischen Teil des Landes. Mit rund 12 Millionen Einwohnern ist Moskau die grösste Stadt Europas. Die Metropole wird von Fluggesellschaften wie Swiss und Aeroflot zum Teil täglich angeflogen, die Reisezeit beträgt etwas mehr als drei Stunden. Für eine Russlandreise wird ein Touristenvisum benötigt. Die Bestimmungen sind streng – es lohnt sich also, frühzeitig ein Visum zu beantragen.

In Moskau herrscht Kontinentalklima. Im Winter sinken die Temperaturen unter null Grad, in den Sommermonaten wird es heiss. Bereits im Mai können die Temperaturen sommerlich warm werden. Um sich in der Stadt zu orientieren, sind minimale Kyrillischkenntnisse von Vorteil. Der Reiseführer «Moskau» von Anika Zeller im Michael-Müller-Verlag bietet umfassende und gut gebündelte Informationen und empfiehlt Touren durch die verschiedenen Stadtviertel. Aktuelles im Internet findet man über die Website der englischsprachigen Zeitung «The Moscow Times». (rh)



Ein Kiosk in der Innenstadt. (Bild: Andi Schmid)

Ein Kiosk in der Innenstadt. (Bild: Andi Schmid)

Auf dem Ismajlowo-Markt gibt’s Matrjoschkas in allen Farben und Formen. (Bild: Andi Schmid)

Auf dem Ismajlowo-Markt gibt’s Matrjoschkas in allen Farben und Formen. (Bild: Andi Schmid)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.