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NAHVERKEHR: Solothurn hat einen mediterranen Charme

Unser Autor Urs Bader hat Solothurn besucht – und sich dabei zum Beispiel die Altstadt und das Kunstmuseum näher angeschaut.
Urs Bader
Im Zentrum der Altstadt: Kathedrale (Mitte) und Jesuitenkirche (rechts). (Bild: Urs Bader)

Im Zentrum der Altstadt: Kathedrale (Mitte) und Jesuitenkirche (rechts). (Bild: Urs Bader)

Solothurn – das sind die Film- und die Literaturtage und die «Bike Days». Und jenseits dieser viel besuchten Anlässe? Da dürfte in einem nationalen Beachtungsranking die Bedeutung der Stadt etwa die sein, die sie im «Monopoly» mit ihrem violetten Feld hat: mässig attraktiv, billiger als andere Orte, aber auch weniger ertragreich. Allerdings – schon eine flüchtige Internetrecherche macht klar, dass Solothurn einiges zu bieten hat.

Kommt man mit dem Zug an, wähnt man sich aber zunächst in einer Art Niemandsland: Ein breiter Platz wirkt mit seinen Strassen und Busspuren wie ein Riegel; Wegweiser in die Altstadt fehlen. Und während ich noch zögere, welche Strasse ich nun nehmen soll, werde ich von einer ebenfalls ratlosen Frau angesprochen. Schliesslich gehe ich geradeaus, die Frau halb links – und beide treffen wir uns später wieder in der Altstadt. Den «Empfang» könnte die Stadt einladender gestalten.

In der kompakten, gepflegten Altstadt, die aber nichts Museales hat, wimmelt es an diesem ersten wirklich warmen Frühlingssonntag von Leuten. Vor den Lokalen entlang der Aare und an einzelnen Plätzen sitzen sie teils dicht gedrängt in der Sonne – räkeln sich, schwatzen, flirten, essen. Andere flanieren in den Strassen und Gassen. Die Szenerie wirkt geradezu mediterran.

Mich zieht es aber zuerst an den nordöstlichen Stadtrand, wo es noch eine Einsiedelei gibt! St. Verena gilt als Kulturgut von nationaler Bedeutung. Man erreicht sie schliesslich entlang eines Baches durch eine etwa zwei Kilometer lange, lauschige Schlucht. Zum Ensemble gehört neben dem Eremitenhäuschen die St. Verena- und die St. Martinskapelle. Laut einer Handschrift aus dem 9. Jahrhundert lebte die Heilige Verena um 300 nach Christus in der Höhle hinter der heutigen Martinskapelle. Von 1442 stammt eine erste Notiz über einen Waldbruder, der in der Einsiedelei lebte. Und welch Zufall, der jetzige «Amtsinhaber» – die Stelle war von der Bürgergemeinde ausgeschrieben worden – ist vor seine Klause getreten. Ein kurzer Schwatz ist möglich. Achtzig Prozent der Zeit verbringe er drinnen, sagt der Deutsche, der auf die sechzig zugeht. Den Rest verbringt er draussen; er ist gewissermassen der Hauswart der Einsiedelei, hat aber auch mal ein offenes Ohr für Besucher.

Zurück in der Stadt lockt es mich trotz Prachtwetter kurz ins Kunstmuseum, wo gerade eine Übersichtsausstellung mit Arbeiten auf Papier des Schweizer Künstlers Ian Anüll gezeigt wird. Der Eintritt in die Solothurner Museen ist frei; hier im Kunstmuseum verdankt eine witzige kleine Tinguely-Maschine, «Der Bettler», eine Spende des Besuchers.

In der Stadt fesselt mich der grossartige «Auftritt» der St. Ursen-Kathedrale. Blickt man vom Marktplatz mit dem malerischen Zeitglockenturm über die Hauptgasse Richtung Osten, erhebt sich die Kathedrale imposant über der grossen Freitreppe. Darauf sitzen – auch das erinnert an Italien – viele junge Leute in der Sonne. Was das Innere angeht, zieht einen jedoch die nahe Jesuitenkirche stärker in ihren Bann. Das ist, weil nicht überladen, schönste Barockarchitektur mit wunderbaren Stuckaturarbeiten in italienischer Manier. Nur mehr selten zu sehen sind barocke Befestigungswerke, so wie sie in Solothurn an der nordöstlichen Ecke der Altstadt noch stehen, Überbleibsel von Schanzen, die auf beiden Seiten der Aare die Stadt sicherten.

Den Apéro gönne ich mir schliesslich in der Genossenschaftsbeiz Kreuz, um auch dieser seit 1973 existierenden nationalen Institution noch die Reverenz zu erweisen – und beglückwünsche mich zu meinem Besuch in Solothurn.

Urs Bader

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