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NAHVERKEHR: ST. CHRISCHONA BS: Ein Ort mit Sendungsbewusstsein

Beda Hanimann
Ja, wir sind in Basel-Stadt: Aussicht von der Kirche St. Chrischona. (Bild: Beda Hanimann)

Ja, wir sind in Basel-Stadt: Aussicht von der Kirche St. Chrischona. (Bild: Beda Hanimann)

Im Zug liegen Flugblätter auf mit dem Fahrplan und weiteren Reiseinformationen, Ankunft ist gegen Mitternacht in Hamburg Altona. So weit will ich nicht, ich nehme den Zug nur als Verbindung von Basel SBB zum Badischen Bahnhof, eine Fahrt von gut fünf Minuten. Mit dem Eurocity hinaus ins ländliche Basel-Stadt, eine lustige Vorstellung. Varianten wären Tram und S-Bahn, es ist etwas umständlich zum Beschreiben. Knapp gesagt: Man muss einfach vom Hauptbahnhof irgendwie zum Badischen Bahnhof kommen, von dort weiter in Richtung Riehen Grenze und an der Haltestelle Bettingerstrasse den Bus 32 nehmen. Das ist die Route, wenn man statt nach Hamburg Altona nach St. Chrischona will. Nichts gegen Hamburg. Aber der Abweg lohnt sich.

Der Name St. Chrischona geistert schon lange in meinem Kopf herum. Ich weiss nicht, ich glaube mich zu erinnern, dass vor Urzeiten jeweils im Radio die Frequenzen der verschiedenen Sendeanlagen durchgegeben wurden. Das waren dann Aufzählungen wie Bantiger, Monte Ceneri, Üetliberg, Säntis. Und eben St. Chrischona. Tatsächlich versorgte ab 1954 ein Sendeturm die Region Basel mit den wenigen Produktionen des noch jungen Schweizer Fernsehens. 1984 wurde ein neuer Fernsehturm in Betrieb genommen, er ist mit 250 Metern bis heute das höchste freistehende Gebäude der Schweiz. Ein ziemliches Riesenvieh, das aber recht elegant auf drei Betonbeinen steht.

Doch St. Chrischona ist nicht nur der Turm. Auf dem höchsten Punkt thront eine Kirche, die vor Jahrhunderten schon ein Wallfahrtsort war. Da entstand im 19. Jahrhundert das Chrischona-Missionswerk, heute gehören der Chrischona-Campus und ein Konferenzzentrum dazu, es gibt ein Diakonissenhaus und eine Rehaklinik, es gibt ein Tagesrestaurant und einen Generationengarten mit Spielgeräten und Labyrinth. Ich muss schmunzeln: Mission und Fernsehturm, dieses St. Chrischona ist ein Ort mit ausgeprägtem Sendungsbewusstsein. Und es ist der höchste Punkt des Kantons Basel-Stadt. 526 Meter über Meer.

Das ist nicht gerade schwindelerregend, aber es reicht für ein Panorama der Extraklasse. Ich sitze auf der Kirchenzinne, sanfte Abhänge mit Wiesen und Wald, Kuhglocken bimmeln, ein Lüftchen wie in den Bergen, die Vögel lassen sich auf seinen Wogen treiben. Und der Blick geht über die endlos scheinende Schichtung und Staffelung des Jura. Schon das ist eindrücklich, doch bei klarer Sicht muss es einem fast den Atem verschlagen. Man sieht dann Säntis, Glärnisch, Tödi, Pilatus und Titlis, man sieht weiter westlich das Finsteraarhorn, Eiger, Mönch und Jungfrau. Die Panoramatafel ist eine einzige alpine Verheissung.

Fürs Abendessen mache ich den kleinen Spaziergang hinunter nach Bettingen, da ist mir schon bei der Anfahrt der «Baslerhof» aufgefallen, und ich werde nicht enttäuscht. Währschafte, lebhafte Gastronomie, es gibt ein prächtiges Kaninchenragout und dazu einen erstaunlichen Pinot noir aus Riehen. Ich lerne: Auch Basel-Stadt ist ein Weinbaukanton. Weiter lerne ich: Basel-Stadt ist auch ein Wandergebiet. Schön der Weg durch lichten Wald nach Bettingen. Und wunderbar ist die Wanderroute, die ich am andern Morgen nach einem weiteren Mussestündchen auf der Kirchenzinne wähle: Ich halte mich an die Destination Schifflände, spaziere dicht an der Grenze zu Deutschland und manchmal auch jenseits durch Feld und Wald, bis ich plötzlich den Rhein und den Birsfelder Hafen unter mir habe. Dann geht es hin­unter, zurück ins urbane Basel. Aber immer wieder drehe ich mich, um einen letzten Blick zu erhaschen auf den Turm, der nun nur noch eine Nadel im Wald ist.

Beda Hanimann

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