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NAHVERKEHR: VILLENEUVE VD: Grau in Grün in Blau in Schwarz

Im Kopf hat man es anders, da orientiert man sich automatisch an Prospekten und Postkarten. Sieht die Sonne vom blauen Himmel strahlen und sich in milder Frühlingsluft auf einem Bänklein räkeln. Das ist wohl so ein Reisereflex.
Als wär’s das Meer: der Blick aus dem Hotelzimmer. (Bild: Beda Hanimann)

Als wär’s das Meer: der Blick aus dem Hotelzimmer. (Bild: Beda Hanimann)

Die Wirklichkeit ist natürlich nicht immer so, ich habe es wieder einmal erlebt. Die Mauerterrassen des Lavaux zwischen Lausanne und Vevey führen direkt in den tiefhängenden grauen Himmel, der Genfersee ist ein Meer. In Villeneuve, meinem Zielort, erwische ich ein Stündchen ohne Regen, ich spaziere der Uferpromenade entlang. Und muss mir eingestehen: Was man meist etwas abschätzig als grau in grau bezeichnet, ist in Wahrheit viel mehr. Prächtige Nuancen von Grau, Grün, Blau und Schwarz, die Möwen und Wellenkrönchen als weisse Flatterelemente dazwischen.

Villeneuve liegt am Ostufer des Genfersees, als Warenumschlagplatz zwischen Land- und Wasserweg hatte es eine gewisse Bedeutung. Heute ist es ein hübsches Städtchen, nicht überaus pittoresk, dafür auch nicht museal verschlafen. In der Hauptgasse reihen sich Italiener, Inder, Türken und Einheimische, kulinarisch gesprochen. Es gibt Läden und Coiffeursalons und sogar ein Thèâtre de l’Odéon. Villeneuve ist die entspannte und überschaubare Alternative zum mondänen Montreux, auch Victor Hugo oder Richard Wagner zogen sich gelegentlich hierher zurück, der österreichische Expressionist Oskar Kokoschka lebte von 1953 bis zu seinem Tod 1980 in Villeneuve, das ihm gar die Ehrenbürgerschaft verlieh.

Das Gefühl von Meer hält an. Das könnte auch irgendwo an der ligurischen Küste in der Vorsaison sein. Von meinem Hotelzimmer geht der Blick hinaus aufs Wasser, wo auf einer Miniinsel ein einsamer Baum steht, knapp dahinter schaukelt ein Kieskran in der Sonntagsruhe. Zwischen Strasse und Mole liegt das Restaurant L’Oasis, ein pavillonähnlicher Bau mit Glasfront zum See hin. Es ist ruhig, ich bestelle Eglifilets à la meunière, eine Flasche Villeneuve. Über dem Tresen läuft der Fernseher, das Geschehen wechselt von Hallenleichtathletik über Langlauf zu Fussball. Ich mag diese unaufgeregte Sonntagabendverlorenheit, die zugleich Aufgehobenheit ist.

Die Hoffnung auf eine Wetterbesserung oder gar einen Wetterumsturz zerschlägt sich am anderen Morgen schon vor dem ersten Augenaufschlag. Immerhin, die Passanten haben ihre Schirme geschlossen. Also setze ich meinen vagen Plan um, mich lockt das Weingebiet talaufwärts. Der Wanderweg führt hinter den Gleisen weg. Bald beginnt es zu regnen, egal, auch diese Stimmung hat ihren Reiz, sie passt geradezu grossartig zur Wanderroute, die mich an allerlei Zivilisationsinfrastruktur vorbeiführt. Biomüllanlage, Einrichtungshäuser und
Industrie, Strassenzubringer, Schiessstand, Feuerwehrübungsgelände. Keine Bilderbuchkulisse, eher scheint mir, ich erblicke die Rückseite des Alltagslebens. Aber es macht Spass, und bald nach
Roche öffnet sich links diese fantastische Rebbergarena, die erst sanft und dann steil ansteigt. Mitten in den Rebbergen liegt Yvorne. Ein Juwel von einem Winzerdorf, und ich habe das Glück, dass das Restaurant le Torrent am Dorfeingang offen hat und dass es gerade gegen Mittag geht. Schönes Einkehren, der Wirt begrüsst die Gäste mit Handschlag, bevor er sich in die Küche verzieht.

Von Yvorne fährt ein Postauto durch Reben und Wald über halsbrecherische Kehren hinauf zum Dörfchen Corbeyrier, ich kann es nicht lassen. Droben begrüssen mich ein paar Sonnenstrahlen, da ist eine Ahnung von Fernsicht. Vielleicht probiere ich das alles doch einmal noch bei Bilderbuchwetter.

Wie anreisen, wo nächtigen

Die letzte Meile:Lausanne–Villeneuve, S2
Der Hoteltipp:Hotel du Port, Rue du Quai 6, 1844 Villeneuve; Tel. 021 960 41 45
www.duport.ch






Beda Hanimann

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