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NAMIBIA: Surreale Landschaften in der ältesten Wüste der Welt

Mit dem 4-WD-Camper von Kapstadt nach Windhoek: Zwei Frauen bereisen auf eigene Fraust die Südspitze Afrikas. Sie erleben unglaubliche Landschaften und auch ohne Safari eine ­atemberaubende Tierwelt: Antilopen, Delfine, Zebras und Warzenschweine. Leider müssen sie sich auf dem Campingplatz ein paar ungebetene Ratschläge von Möchtegern-McGyvern anhören.
Text und Bilder: Natalie Ehrenzweig
Der Dead Vlei mit seinen abgestorbenen Akazienbäumen gehört zu den Highlights in Namibia.

Der Dead Vlei mit seinen abgestorbenen Akazienbäumen gehört zu den Highlights in Namibia.

Text und Bilder: Natalie Ehrenzweig

«Good morning, Momma» – mit dieser Anrede, die in Südafrika und auch in Namibia als Respektsbezeugung gilt, werden wir an diesem Oktobermorgen bei der Autovermietung in Kapstadt begrüsst. Der Camper mit Dachzelt soll in Empfang genommen werden. Im Vertrag steht, man müsse sich drei Stunden Zeit nehmen dafür. Bei der Strecke von Kapstadt nach Windhoek kann es durchaus sein, dass der Allradantrieb mal angeschaltet oder ein platter Reifen gewechselt werden muss.

Gershwin, der uns das Auto erklären soll, nimmt sich aber nicht so viel Zeit. Er demonstriert kurz, wie das Paket auf dem Dach unseres Toyota Hilux zu einem Zelt wird, zeigt, wo die Kühlbox und die Küchenutensilien zu finden sind. Dann deutet er auf ein paar Dinge hinter dem Sitz. Das Fahrzeug ist gross, vor allem im Vergleich zum Smart daheim, und etwas mulmig wird mir dabei schon, denn meine Reisebegleitung hat keinen Führerschein. Das steht sicher alles im Handbuch des Autos, sage ich mir.

Endlich geht es los! Der milde Tag lädt zu einer ersten, 180 Kilometer langen Rundfahrt ein. Südlich der Innenstadt liegt die Kap-Halbinsel und an deren Ende das Kap der Guten Hoffnung. Am Boulders Beach tummelt sich eine Kolonie Brillenpinguine. Weiter entlang der Küste führt die Strasse vorbei an hübschen Sandstränden und Hafenstädtchen. Etwa 50 km von Kapstadt entfernt stehen am Kap der Guten Hoffnung dann der Spazierweg oder die Zahnradbahn zur Verfügung, um zum alten Leuchtturm auf dem Cape Point Peak zu gelangen. Der Chapman’s Peak Drive entlang der Westküste der Halbinsel zurück in die Stadt gilt als eine der schönsten Küstenstrassen Südafrikas. Die untergehende Sonne taucht die herrliche Kulisse in goldenes Licht, und fast verpassen wir die ersten Antilopen am Wegesrand.

Oh Schreck! Das Auto stand auf Anraten des Guest-House-Betreibers in der Strasse vor der Unterkunft. Und zog offenbar Neugierige an. Das Zeltpaket ist offen, die Matratze liegt auf der Strasse und am Schloss der Hintertüre hat sich jemand zu schaffen gemacht. Glücklicherweise fehlt nichts. Dass sich kein Handbuch des Autos finden lässt, liegt daran, dass gar keines mitgegeben wird, erläutert Gershwin, als wir den Schaden begutachten lassen.

Die nächsten Tage geht es der süd­afrikanischen Westküste entlang Richtung Norden. Die Strasse verläuft dabei etwa 50 km von der Küste entfernt, so dass immer wieder Abstecher zu den kleinen, im Frühling verschlafenen Dörfern am Wasser angebracht sind. Diese Abzweiger sind eine willkommene Abwechslung zur etwas kargen, landwirtschaftlich geprägten Umgebung. Karg ist es in diesem Oktober vor allem, weil es in der Gegend im südafrikanischen Winter viel zu wenig geregnet hat. Bei einem Besuch in einer kleinen Galerie unterwegs in Clanwilliam sind auf den Gemälden leuchtende Blumenwiesen zu sehen, die eigentlich jetzt im Oktober blühen müssten. Doch die Trockenheit ist allgegenwärtig.

Die Grenzüberquerung von Südafrika nach Namibia in Noordoewer verläuft problemlos. Auch hier ist die Geschichte noch deutlich sichtbar, obwohl Namibia nur von 1884 bis 1915 eine deutsche Kolonie war, damals Deutsch-Südwestafrika. Diamanten, Kupfer und Viehwirtschaft lockten deutsche Siedler ins Land. Eine treibende Kraft hinter der Besiedlung war ausserdem die Rheinische Missionsgesellschaft, darum verwundert es nicht, dass man an Orten wie Wupper­thal vorbeikommt. Keetmanshoop, etwa 500 km südlich der Hauptstadt Wind­hoek, mutet schon fast dicht bevölkert an mit seinen rund 19'000 Einwohnern.

Hier darf man auf keinen Fall die ­Natursehenswürdigkeiten verpassen: Der Spielplatz der Riesen nordöstlich der Stadt ist eine Felslandschaft mit aufgetürmten Felsblöcken, die aussehen, als ob hier riesige Kinder gespielt hätten. In der Nähe finden sich Köcherbaumwälder. Die Aloen sind 200 bis 300 Jahre alt. Da die Bäume leicht auszuhöhlen sind, haben verschiedene Völker aus den Ästen Köcher für ihre Jagdpfeile hergestellt. Wer zwischen den Bäumen in der Abenddämmerung herumspaziert und dabei still ist, entdeckt überall Klippschliefer. Dieses Tier ähnelt einem Murmeltier, verwandt ist es aber mit dem Elefanten!

Als würden wir durch einen ­gigantischen Zoo fahren

Während viele Touristen der Safaris wegen nach Südafrika oder Namibia kommen, sind wir mehr an der Weite und der Wüste interessiert. Doch Tiere sehen wir überall: eine Kap-Tölpel-Kolonie in Lamberts Bay, Delfine, Ohrenrobben. Auch unterwegs im Auto ist es, als würde man durch einen gigantischen Zoo fahren und es ist auch für Nicht-Tierfreaks speziell, wenn am Strassenrand ein Achtung-Zebra-Schild steht. Und Zebras sehen wir jede Menge, oft zusammen mit eleganten Oryxantilopen. Ungemein lustig zu beobachten sind die Straussengruppen, die oft parallel zu unserem Auto rennen und sich quasi mit uns ein Rennen liefern. Lustig, aber auch etwas unheimlich sind die Warzenschweine, die uns in Keethmanshoop beim Frühstück stören, denn sie lassen sich nur ungern vertreiben.

Hier, etwa 350 km landeinwärts, ist es nicht mehr frühlingshaft mild, sondern schon heiss. Entlang der kürzlich sanierten, aber noch nicht in Gebrauch gesetzten Eisenbahnlinie durchqueren wir unglaubliche Weiten in den verschiedensten Farbschattierungen, während wir sehen, wie das Thermometer kontinuierlich sinkt – auf 16 Grad in Lüderitz an der Küste. Hier besuchen wir unter anderem Kolmanskop, eine verlassene Diamantenstadt, in der die Dünen die Gebäude übernommen haben. Ein Permit, um am Nachmittag das Gelände betreten zu dürfen, lohnt sich, wenn man sich fern der Menschenmengen Zeit zum Fotografieren nehmen will.

Nach kühlen Tagen am Meer startet das grösste Abenteuer der Ferien: Wir verlassen die geteerten Strassen und fahren nun nur noch auf C- und D-Strassen (siehe Box). Gebäude sehen wir jetzt noch seltener als vorher, Verkehr gibt es praktisch keinen. Und die wenigen Fahrzeuge überholen uns alle. Da ich keine Lust habe, einen platten Reifen zu wechseln, fahre ich lieber langsam. Sehr langsam. Mit dem Nachteil, dass das Auto wahnsinnig rüttelt und dadurch sehr laut ist. Wer sich getraut, schneller, so mit 80 km/h zu fahren, gleitet sozusagen über die Rillen in der Kiesstrasse, hat aber auch weniger Kontrolle. Auf den unglaublich schönen und sauberen Campingplätzen treffen wir nie Frauen an, die ohne Mann reisen. Sicherheitsbedenken? Respekt vor holprigen Strassen? Jedenfalls ernten wir belustigte Blicke und dürfen uns ungebetene Ratschläge zu unserem Auto anhören. Ratschläge, die wir nicht nötig haben: Im Gegensatz zu einigen Herren, die mit geschwellter Brust abends auf dem Campingplatz erzählen, sie hätten in zwei Wochen schon drei platte Reifen gehabt, geben wir unser Auto am Schluss mit zwei intakten Reserverädern ab.

Orange leuchtende Dünen

Die Wüste enttäuscht nicht. Ein abwechslungsreiches Farbspiel, orange leuchtende Dünen, die zu den höchsten der Welt zählen, fast weisse Salzton-krusten, aus denen abgestorbene Akazienbäume ragen. Klar: Das Sossusvlei gehört in Namibia neben dem Etosha-Nationalpark zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Aber die Wüstenlandschaft darum herum steht den Dünen in nichts nach. In Swakopmund an der Küste, wo die Wüste Namib gleich am Atlantik beginnt, können ausserdem spannende Touren gebucht werden.

Nach 3000 km durch fast unbewohnte Weiten, netten Begegnungen – auch für zwei Frauen, ohne Mann unterwegs – mit einer interessanten Tierwelt, viel lautem Gesang – wir mussten das Gerumpel des Autos übertönen – geht es nun nach Windhoek. Die Stadt lädt nicht zum Verweilen ein. Ein letztes Mal stellen wir unser Dachzelt auf. Am Abreisetag werden wir dann noch ein letztes Mal mit «Hello Momma» begrüsst. Die Abgabe des Autos läuft ­reibungslos und während wir auf den Transport zum Flugplatz warten, sehen wir neidisch, dass den Kunden hier ein Instruktionsvideo zum Auto gezeigt wird. Nächstes Mal starten wir in Windhoek – dann können wir den ungebetenen Ratgebern und Möchtegern-McGyvern in der Wüste noch besser Paroli bieten und mit Know-how den 4-WD bedienen.

Auf geführten Touren entdeckt man in Swakopmund den Wüstengecko. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Auf geführten Touren entdeckt man in Swakopmund den Wüstengecko. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Die Brillenpinguine am Boulder Beach sind allerliebst. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Die Brillenpinguine am Boulder Beach sind allerliebst. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Wunderschöne, saubere Campingplätze laden zum Verweilen ein – wie in Langebaan. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Wunderschöne, saubere Campingplätze laden zum Verweilen ein – wie in Langebaan. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Yzerfontein ist ausserhalb der Wildblumen- und Feriensaison vor allem ein Fischerdorf. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Yzerfontein ist ausserhalb der Wildblumen- und Feriensaison vor allem ein Fischerdorf. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

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