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NATUR: Junge Triebe treiben es toll

Allmählich sind sie nun da, die Spargeln. Nicht nur zum Genuss: Sie kurbeln mit ihren Vitaminen unsere Vitalität an und werden auch zur Durchspülung genutzt.
In Spargeln stecken verschiedene Heilkräfte, welche sich die Naturmedizin zu Nutze macht. (Bild: Getty)

In Spargeln stecken verschiedene Heilkräfte, welche sich die Naturmedizin zu Nutze macht. (Bild: Getty)

Ulrike von Blarer Zalokar

Der Winter geht, das Leben beginnt sich wieder zu regen, und da brechen bereits die Spargeln durch: Asparagus, von griechisch aspharagos, zu deutsch «der junge Trieb». Was jetzt in Lebensmittelläden und Restaurants angeboten wird, sind effektiv junge Triebe: frisch geerntet, weit vor der Blüte, die erst im Juni wäre. Sie entwickeln sich aus dem kleinen Wurzelstock und würden eigentlich weiter zu einem Strauch wachsen.

Der Name passt also. Spargeln geben uns wieder Kraft: schälen, zumal den weissen, mit etwas Salz und Zitronensaft kochen, fertig ist ein wunderbares Gericht, obwohl Spargeln zu etwa 95 Prozent aus Wasser bestehen, aber voller Vitamine und Mineralstoffe sind. Und sie sind komplett ohne Fett (ausser man gönnt sich viel Butter oder eine Sauce Béarnaise dazu ...)

Spargeln haben sich in Mittel- und Südeuropa durchgesetzt, auch in Nordafrika und China gibt es sie, gesamthaft sind es über 200 Unterarten. Auf den Teller kommt Asparagus officinalis, die sogenannte Gemüsespargel, doch wird diese Spargelart auch therapeutisch eingesetzt: Der Zusatz «officinalis» besagt, dass sie als Arznei eingesetzt wird. Verwendet wird dazu der Wurzelstock mit den Wurzeln. Sie werden im Herbst ausgegraben und getrocknet. Auch die frischen jungen unterirdischen Sprosse werden genutzt, sie werden im Frühling, also jetzt, ausgegraben.

Viele therapeutische Anwendungen der Spargeln wurden seit der Antike beschrieben, so gegen Gelbsucht, Haut­erkrankungen, Nieren- und Blasen­leiden, Herzklopfen und Husten mit bluti­gem Auswurf. Verschrieben wurden die Spargelwurzeln und -sprosse als Tee, Tinktur und mittlerweile auch als Extrakt.

Spargelsirup gegen Herzklopfen

Zum Beispiel wurde empfohlen, die jungen Sprosse mit Wasser und Zucker zu einem Sirup zu kochen. Zwei bis drei Teelöffel bis zu dreimal täglich wurden von diesem Sirup gegen Herzklopfen und Wassersucht verschrieben, auch bei Krampfhusten und Erkrankungen der Harnwege. Mit Wein zubereitet, wurde eine Abkochung der Wurzel bei Menstruations- und Steinbeschwerden verabreicht.

Hinter all diesen Indikationen steht die Vermutung, dass Spargeln den Harn treiben, also den Körper durchspülen. Es gibt sogar einen Spargeltee, der diese Wirkung noch steigern soll, bis zu drei Tassen kann man täglich trinken: Man übergiesst zwei bis drei Esslöffel getrockneter Spargeln mit einem Viertelliter kochenden Wassers. Nach 15 Minuten seiht man ihn ab und trinkt ihn noch warm.

Das Harntreibende kennt jeder, der Spargeln isst. Verantwortlich dafür sollen der hohe Gehalt an Kalium sowie das Asparagin sein. Asparagin ist eine Aminosäure, die ausser in Spargeln nur noch in Keimlingen von Hülsenfrüchten enthalten ist. Dass der Urin aber so eigenartig riecht, liegt an der Asparagu­sinsäure. Wenn dieser Aromastoff im Körper gespalten wird, entstehen schwe­felhaltige Verbindungen.

Bei Harnwegserkrankungen

In der Naturheilkunde werden Spargeln heute vor allem als Durchspülungstherapie bei entzündlichen Harnwegserkrankungen empfohlen. Tatsächlich sind Spargeln ein sehr gutes Mittel zur Durchspülung, jedoch wird diskutiert, ob sie den Urin nicht sauer machen und sich deshalb Beschwerden sogar noch verstärken könnten. Nicht ganz klar ist auch, ob Spargeln tatsächlich harntreibend sind oder ob einfach das reichlich darin enthaltene Wasser Wirkung zeigt.

In der Homöopathie kann eine Spargelverdünnung zum Beispiel bei chroni­schem Blasenleiden und Herzbeschwerden genutzt werden. In der indischen Medizin des Ayurveda sind Spargeln ein Mittel, um die Konstitution auszugleichen sowie die Nerven und die Verdauung zu stärken.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) werden Spargeln als Tinktur verschrieben. Dies in erster Linie, um das «Yin zu tonisieren», es also zu stärken. Ein starkes Yin ist wichtig, es bedeutet: Wir haben eine gute Substanz, sind vital, leistungs­freudig, voller Energie und dennoch entspannt.

Gichtschübe durch Spargeln?

Nicht einnehmen sollte man Spargeln bei Durchfall und Nierenerkrankungen. Auch bei Ödemen, die durch Herz- oder Nierenprobleme verursacht sind, sollte man auf Spargeln verzichten.

Probleme können auch die Purine verursachen. Sie kommen in vielen Nahrungsmitteln vor, sie stecken in rotem Fleisch, Wein, in Früchten, im Gemüse und eben auch in Spargeln. Normalerweise sind Purine kein Problem, sie werden, in Harnsäure umgewandelt, ausgeschieden. Jedoch können die Nieren nur eine bestimmte Menge Harnsäure verarbeiten, der Rest wird in Form von Harnsäurekristallen irgendwo abgelagert, meistens in Gelenken. So kann ein Übermass an Purinen zu Gichtanfällen mit entsprechenden Schmerzen in Finger- und Zehengelenken führen. Wer hohe Harnsäurewerte hat, sollte Spar­geln nur beschränkt zu sich nehmen. Sie enthalten zwar nicht so viele Purine wie etwa Brokkoli, doch isst man halt meistens viel davon aufs Mal.

Gut für das Liebesleben

Der Frühling ist noch jung, auch die Triebe wachen jetzt wieder auf. Sollten Ihre noch etwas hintennach kommen, habe ich ein Rezept entdeckt, das «dem jungen Trieb» weiterhelfen soll. Spargeln wurden nämlich auch aphrodisische Eigenschaften zugeschrieben. Nehmen Sie je 500 Gramm weisse und grüne Spargeln, kochen Sie sie eine halbe Stunde in sprudelnd heissem Wasser. Dann reduzieren Sie die Hitze, nehmen die Spargeln heraus und lassen die Restflüssigkeit auf die Hälfte einkochen. Geben Sie gut Rohrzucker und Kardamompulver dazu, verrühren Sie alles und trinken es dann lauwarm. Am besten gleich mit Partnerin oder Partner ...

Hinweis

Ulrike von Blarer Zalokar leitet mit ihrem Mann und ihrem Sohn die Heilpraktikerschule Luzern. Sie ist Autorin unter anderem des 5-Elemente-Kochbuches «EssenZ aus der Kuche»: www.heilpraktikerschule.ch

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