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NATURPARK: Elba, die Insel der Nachhaltigkeit

Als Elba unter Schutz gestellt wurde, sahen viele Einheimische schwarz. Heute ist dies anders.
Dominik Buholzer
Elba gehört zum Naturpark «Toskanischer Archipel», der 1996 gegründet wurde. Heute stehen 53 Prozent der Insel unter Schutz. (Bild: Mauro Piccardi/Fotolia)

Elba gehört zum Naturpark «Toskanischer Archipel», der 1996 gegründet wurde. Heute stehen 53 Prozent der Insel unter Schutz. (Bild: Mauro Piccardi/Fotolia)

«Small is better», sagt Gabriele Rotellini (44), oder: Weniger ist mehr. Rotellini führt zusammen mit seiner Familie den Camping Valle Santa Maria in Lacona, einer malerischen Bucht, und hat miterlebt, wie sich Elba vor zehn Jahren definitiv vom Massentourismus verabschiedet hat. Nicht freiwillig, wohlverstanden. 1996 wurde auf Druck der EU der Nationalpark Toskanischer Archipel gegründet, der sich über die gesamte Inselgruppe vor der Küste Italiens erstreckt: Elba, Giglio, Giannutri, Montecristo, Capraia sowie die beiden Gefängnisinseln Pianosa und Gorgona.

Vorausgegangen war dem Entscheid ein mehrjähriger Streit. Während die Insel Montecristo bereits seit den 1970er-Jahren unter strenger Protektion stand, wurde eine Ausweitung auf die anderen Inseln 1982 im italienischen Parlament aufgeworfen, dann aber aufgrund des Widerstands der Insulaner auf die lange Bank geschoben. Erst das Machtwort und die Gelder aus Brüssel liessen Rom zur Tat schreiten. Zu schützen gibt es schliesslich einiges: Der Legende nach soll Venus, die römische Göttin der Liebe, beim Bad im Tyrrhenischen Meer sieben Edelsteine aus ihrem Diadem verloren haben. Der grösste ist Elba, die sechs kleineren die umliegenden Inseln. Es gibt aber auch irdische Gründe: Da der Tourismus auf Elba erst nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzte, findet man in der Region noch eine üppige Flora und Fauna vor, fehlen hässliche Hotelkomplexe weitgehend.

Mittlerweile macht sich der Naturschutz auch bezahlt

53 Prozent von Elba stehen heute unter Schutz. Die lokale Bevölkerung hat sich damit mittlerweile abgefunden. Doch das brauchte Zeit. Die Fischer bangten um ihre Fänge, die Immobilienhändler um lukrative Profite. «Kurz nachdem der neue Park ausgerufen worden ist, nahm die Zahl der Waldbrände auffallend markant zu», erzählt Franca Zanichelli, die Direktorin des Nationalparks. Es brauchte die Ruhe und Überzeugungskraft der Italienerin sowie unzählige Informationsveranstaltungen wie geführte Wanderungen, die die Bevölkerung schliesslich milde stimmten.

Mittlerweile macht sich der Naturschutz auch bezahlt. «Der Glaube an die Qualität ist da. Es wird wieder investiert», sagt Rotellini. Aber es ist auch ruhiger geworden auf Elba. Nur noch im Juli und August, wenn sich die Italiener auf der Insel breit machen, herrscht Dichtestress. Ballermann ist auf Elba ein Fremdwort. Die Zahl der Discotheken hat sich in den vergangenen zehn Jahren halbiert. Die Übernachtungszahlen gingen in den vergangenen zehn Jahren zurück. Der Beziehung zum Gast tut dies keinen Abbruch. Und in der Kasse muss deswegen nicht automatisch ein grosses Loch entstehen, das weiss auch Rotellini. «Nicht nur junge Leute geben gerne Geld aus», betont er.

Und dass sich Elba für Klasse statt Masse entschieden hat, könnte sich künftig gar als Trumpf erweisen. Die Sensibilität für nachhaltiges Reisen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Laut einer deutschen Studie erkundigen sich mittlerweile 22 Prozent der Besucher in Reisebüros nach entsprechenden Angeboten und sind bereit, dafür einen höheren Preis zu bezahlen.

Rotellini bot die Umstellung auf nachhaltigen Tourismus gar die Gelegenheit, sich zu profilieren. Als erster Campingplatz auf Elba wurde er mit dem europäischen Umweltzeichen Ecolabel ausgezeichnet. In ganz Italien gibt es nur noch drei weitere solcher Campingplätze und in ganz Europa 17 weitere. «Small is better», wiederholt Rotellini und fügt nach einer Weile nach: «Nein, Elba eignet sich wirklich nicht für Massentourismus.»

Im Zelt oder in der Suite

Anreise: Flüge ab Bern mit Sky-Work Airlines zwischen April und Oktober www.flyskywork.com. Mit dem Auto: bis Piombino, Überfahrt nach Portoferraio (hier fahren die meisten Fähren hin), Rio Marina oder Cavo (jeweils ca. 1 Stunde). Im Zug: bis Piombino, der Bahnhof liegt direkt am Hafen, von dort weiter mit der Fähre.

Camping: Camping Valle Santa Maria (mit europäischem Umweltzeichen) in Lacona: www.vsmaria.it. Dazu gehören auch Appartements und mobile Bungalows. Elba ist beliebt bei Campern, auf der Insel gibt es ein grosses Angebot.

Hotels: Baia Bianca Suites, www.baiabiancasuites.de (das wohl hochstehendste Angebot).
5*-Hotels: www.hotelhermitage.it, www.villaottone.com.
4*-Hotels: www.hoteldelgolfo.it, www.biodola.it.
Boutique-Hotels: Ilio, Barracuda, Meridiana, Brigantino.
Reiseveranstalter: www.smeraldo-tours.ch, www.belpmoos-reisen.ch

Dominik Buholzer

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