Nemo und die Monster

Schwimmen in einem grossen Aquarium, davon schreibt die Schnorchlerin in ihrer Postkarte aus dem Roten Meer. 

Susanna Petrin
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Wenig auf dieser Welt ist so herrlich wie das Schnorcheln, zumal in einem badewannenwarmen Riff. Am Roten Meer, zum Beispiel in Dahab, ist es ganz einfach: Taucherbrille auf, Flossen an, ein paar Meter rauspaddeln – und plötzlich fällt der Meeresboden steil ab, eine neue Welt tut sich auf. Grüne, blaue, gelbe und – seltener – pinke Korallenarten bilden eine bunte Wand. In dieser Kulisse tummeln sich Dutzende farbiger Fische: Papageienfische, Picassofische, Doktorfische, ­Kugelfische, Anemonenfische. Es ist still, bis auf ein stetiges Knabbergeräusch. Die Sonne wirft lange Strahlen durchs Wasser.

Rechter Hand das Riff, linker Hand die blaue Unendlichkeit.

Es ist wie schwimmen in einem grossen Aquarium. Ausser, dass man nie weiss, was als nächstes aus der Tiefe auftaucht. Vielleicht eine Schildkröte, vielleicht ein weisser Hai? Ich paddle um eine Ecke. Dort bleckt ein Monster seine Steinzeitzähne: ein Barrakuda. Mein Kreischen hört man unter Wasser nicht. Diese Mischung aus «Findet Nemo» und Horrorfilm, erst sie gibt dem Schnorchler den letzten Kick.