Ob Bier auf Wein oder Wein auf Bier, ist egal

Eine wissenschaftliche Studie widerlegt die alte Redensart. Was ins Gewicht fällt, ist nicht die Reihenfolge der Getränke, sondern die Menge an Alkohol. Aber die Sache hat einen Haken.

Hans Graber
Drucken
Teilen
Vor oder nach Wein getrunken: Bier beschwipst immer gleich. (Bild: Fotolia)

Vor oder nach Wein getrunken: Bier beschwipst immer gleich. (Bild: Fotolia)

Mit so Redensarten ist es wie bei Bauernregeln: Sie reimen sich besser, als dass sie stimmen. Entzaubert wurde letzte Woche das mit dem «Wein auf Bier, das rat’ ich dir» bzw. «Bier auf Wein, das lass’ sein». Streng wissenschaftlich geprüft wurde das von einer Arbeitsgruppe des Uniklinikums Witten/Herdecke (D) sowie 90 Freiwilligen.

Letztere durften sich an zwei Abenden bis zu einem Promillepegel von 1,1 betrinken. Die erste Gruppe trank an einem Abend Wein auf Bier, am andern Bier auf Wein, die zweite machte es umgekehrt, die dritte trank einmal nur Bier und einmal nur Wein.

15 bis 20 Punkte auf der Katerskala

Am anderen Morgen wurden die Versuchspersonen zu ihrem Kater befragt. Basis war die ­Acute Hangover Scale. Bewertet wurden Übelkeit, Müdigkeit, Durst, Kopf- und Magenschmerzen, Benommenheit, Herzrasen und Appetitverlust auf einer Skala von 0 bis 7 Punkten. Beim schlimmstmöglichen Kater wären also 56 Punkte möglich.

Die Trinker im Dienste der Wissenschaft kamen im Schnitt auf 15 bis 20 Punkte – egal, was und in welcher Reihenfolge konsumiert worden war. Frauen waren etwas mehr anschlagen als Männer, aber ebenfalls unabhängig von Getränkeart und Abfolge.

Die etwas ernüchternde Erkenntnis: «Taktisches Trinken» gibt es anscheinend nicht. Was zählt, ist nur die Alkoholmenge.

Vielleicht aber stimmt die Redensart vom «Bier auf Wein usw.» gleichwohl, denn ihr mittelalterlicher Ursprung ist ein ganz anderer: Dünnes Bier war für niedere Stände oft die einzige Möglichkeit, keimfreies Wasser trinken zu können. Wein galt als gesund und war den Reichen vorbehalten. Wer «Wein auf Bier» trank, hatte einen sozialen Aufstieg hinter sich, bei «Bier auf Wein» war es bergab gegangen.

Laut einer anderen Theorie entstand die Redensart aber (auch) deshalb, weil Wein auf Bier besser bekömmlich sei für den Magen. Stimmt das? Man darf getrost eines (Bier oder Wein) darauf nehmen, dass auch das noch wissenschaftlich geprüft wird. Getreu dem beliebten Motto: Es finden sich immer plausible Gründe zum Zechen.