Ob sich das lohnt? Europäische Autobauer entwerfen mit chinesischen Elektronikfirmen Luxushandys

Ob sich das lohnt? Europäische Autobauer entwerfen mit chinesischen Elektronikfirmen Luxushandys

Bildschirme statt Räder: Lamborghini, McLaren und Porsche mischen neuerdings im Smartphonemarkt mit. Die Strahlkraft der Europäer soll auf die asiatische Technologie abfärben.

Raffael Schuppisser
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Das Smartphone sei das neue Auto, das Statussymbol der Generation Z, heisst es. Da fragt man sich, was die Autoentwickler machen, wenn die Jungen keine PS-starken Kutschen mehr wollen, sondern schlaue Taschentelefone mit Rechenpower und Megapixeln? Die Antwort liegt nahe: Sie entwerfen Smartphones.

Zumindest bei Lamborghini probieren sie das. Eben hat die italienische Luxusautomarke zusammen mit dem aufstrebenden chinesischen Handyentwickler Oppo ihr erstes Smartphone auf den Markt gebracht. Oppo Find X2 Pro Automobili Lamborghini Edition heisst die Innovation – an einem prägnanten Namen lässt sich noch feilen. Aber was solls? Die Marke allein ist stark genug, man kann es einfach das Lamborghini- Phone nennen.

Dass sich die Designer dabei etwas überlegt haben, merkt man, noch bevor man das Smartphone in die Hand nimmt: Die Seiten der Verpackungsbox lassen sich hochklappen wie die Scherentüren des Supersportwagens Aventador Roadster. Das Gerät selbst ist von einer Optik der Sechsecke geprägt, wie sie auch bei den italienischen Boliden zu finden sind. Auf der Rückseite zieren Hexagone die Glasoberfläche, die drei Kameras sind in ein Sechseck eingelassen, und selbst die Apps auf der Android-Oberfläche weisen diese Form auf.

Auch Porsche und McLaren haben es schon versucht

Ob einen die Konturen nun an einen Lamborghini erinnern oder nicht: Die Designsprache ist zumindest durchgezogen. Total anders als bei der Konkurrenz sieht das allerdings nicht aus. Kann es auch nicht. Die Grundform eines Smartphones ist längs vorgegeben; doch das ist beim Auto nicht anders.

Insofern kann man es ja einmal versuchen und sich als Sportwagenbauer an das neue Statussymbol Smartphone wagen. Lamborghini ist damit nicht der erste Autobauer. Schon 2016 hat Porsche zusammen mit Huawei ein limitiertes Handy herausgebracht – bei der Präsentation in London ist damals ein Porsche 911 auf die Bühne gefahren. Die Welt hat gestaunt.

Später hat der chinesische Hersteller OnePlus mit McLaren gemeinsame Sache gemacht.

Offenbar besteht bei den Autoherstellern ein ausgeprägtes Bedürfnis, Smartphones zu gestalten. Wenn die Millennials schon kein eigenes Auto mehr besitzen wollen, sondern sich über Uber eine Limousine mit Chauffeur bestellen, dann gefälligst mit einem Lamborghini-, Porsche- oder McLaren-Handy.

Auch das Umgekehrte trifft zu: Die chinesischen Smartphone-Hersteller interessieren sich für die europäischen Luxus-Sportwagen. Dass Samsung eine solche Kooperation eingeht, ist undenkbar, für Apple unmöglich; die eigene Marke ist genug stark.

Chinesischen Brands hingegen haftet in Europa noch immer den Ruf der Billigware an. Sie wollen von der Strahlkraft der europäischen Top-Automarken profitieren. «Das kann aufgehen», sagt der Markenexperte Stefan Vogler. Auch für den Muttermarkt sieht er einen positiven Effekt im «Co-Branding»:

«Die Chinesen stehen auf europäische Luxusprodukte.»
Stefan VoglerMarkenexperte

Stefan Vogler
Markenexperte

Bild: Stefan Vogler

Der Luxus schlägt sich im Preis nieder: Stolze 2000 Franken kostet das Lamborghini- Phone, das es in einer limitierten Auflage bei ausgewählten Händlern zu kaufen gibt. Klar, das Smartphone ist technisch absolut top und braucht den Vergleich zu den Spitzenmodellen von Apple und Samsung nicht zu scheuen. Auch in der normalen Version – ohne Lamborghini-Design – zahlt man für das Gerät 1250 Franken.

Jean Claude Frick, Digitalexperte beim Vergleichsdienst Comparis, sagt:

«Diese Luxus-Smartphones sind superexklusiv und superteuer.»
Jean Claude FrickDigitalexperte beim Vergleichsdienst Comparis

Jean Claude Frick
Digitalexperte beim Vergleichsdienst Comparis

Bild: www.comparis.ch

Auch wenn man die Extras wie in der Box enthaltene Bluetooth-Kopfhörer abzieht, so zahle man für die limitierte Edition mit Supercar-Logo doch 500 bis 800 Franken mehr.

Luxus funktioniert bei Technik anders

Allerdings: Ist das nicht die Definition von Luxus in der Konsumindustrie? Ein überteuerter Preis, dafür prangt ein exquisites Logo auf dem Artikel? Bei Kleidern geht das auf, bei Schmuck auch. Bei Smartphones und anderen Gadgets jedoch zeigt sich ein fundamentales Problem. Im Vergleich zu analogen Uhren, die sich in den letzten Jahrzehnten technologisch kaum weiterentwickelt haben, machen Smartphones jährlich Quantensprünge.

Das diesjährige Lamborghini-Phone, das derzeit State oft the Art ist, wird in wenigen Jahren so schlecht sein, dass darauf keine Updates von Apps mehr geladen werden können. Während analoge Luxus-Uhren eine Investition fürs Leben sind, misst sich die Halbwertszeit von Luxus-Smartphones mit dem Sekundenzeiger.

Aus demselben Grund schafft es die Schweizer Uhrenindustrie, die traditionell im oberen Preissegment zu finden ist, auch nicht, auf dem Smartwatch-Markt Fuss zu fassen. Und selbst der iPhone-Konzern hat seine Apple-Watch aus echtem Gold, für die man bis zu 18000 Franken zahlte, bereits nach der ersten Generation eingestellt.

Luxus bedeutet für die technologiegetriebenen Generation Z nicht, sich einmal einen überteuerten Qualitätsartikel als Anschaffung fürs Leben zu leisten, sondern jedes Jahr ein neues iPhone. Daran wird auch Lamborghini nichts ändern können.

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