ÖSTERREICH: Mehr als nur Mozart

Das 2004 eröffnete Museum der Moderne sollte Salzburg zu ganzjähriger Attraktivität verhelfen.

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«Connection» von Manfred Wakolbinger auf dem Walk of Modern Art in Salzburg. (Bild: Salzburg Info)

«Connection» von Manfred Wakolbinger auf dem Walk of Modern Art in Salzburg. (Bild: Salzburg Info)

Weltruhm hat Salzburg durch die Festspiele und Mozart erlangt. Die zeitgenössische Kunst spielte eine Nebenrolle, die mit dem Bau des Museums der Moderne allerdings aufgewertet wurde. Mit weissem Untersberger Marmor aus der Region verkleidet, besitzt das 2300 Quadratmeter grosse Gebäude Spiralenwege, die an die serpentinenförmige Landschaftsstruktur des Mönchsbergs anknüpfen. Man erreicht es zu Fuss oder per Lift von der Gstättengasse aus.

Hochkarätige Bestände mit Werken der klassischen Moderne konnte Salzburg jedoch nie vorweisen. Es gab lediglich die aus Druckgrafiken vornehmlich österreichischer Künstler und Fotografen bestehende Privatsammlung Welz, zu der auch einige Kokoschka-Werke gehörten. Sie befand sich seit 1983 im barocken Altstadtpalais Rupertinum, zweiter Standort des Museums der Moderne.

Museum zieht Jüngere an

Heute liegt der Schwerpunkt auf Werken der zeitgenössischen Kunst. Damit bleibe unklar, wodurch sich das Museum von anderen Einrichtungen dieser Art abheben soll, gibt Kuratorin Sabine Breitwieser zu verstehen. Bereits der unverfängliche Begriff «Museum der Moderne» lege den Schluss nahe, dass Kunst «in diesem Kontext offenbar als vernachlässigbar empfunden worden war». Die Hoffnung auf mehr Besucher, die sich auch ausserhalb der Festspielsaison von Salzburg angezogen fühlen, hat sich ihren Worten zufolge kaum erfüllt. «Wir stellen jedoch fest, dass die Zahl jüngerer Museumsbesucher allmählich zunimmt.»

An kleineren Kunst- und Kulturinitiativen, die jenseits von Mozart und den Festspielen tätig sind, herrscht in der Stadt an der Salzach kein Mangel. Seit 2002 hält die Privatstiftung Salzburg Foundation Ausschau nach namhaften zeitgenössischen Künstlern, die sich in der Altstadt verwirklichen wollen und auch den Standort für ihre Werke selbst wählen dürfen. Zu ihnen zählen Anselm Kiefer, der Ingeborg Bachmann einen Pavillon gewidmet hat, oder die Video- und Performance-Künstlern Marina Abramovic, die ihre aus Sesseln bestehende interaktive Skulptur auf der rechten Salzachseite «Spirit of Mozart» taufte.

Mannshohe «Essiggurkerl»

Auch der für seinen skurril-hintergründigen Humor bekannte Österreicher Ernst Wurm zählt dazu: Seine «Essiggurkerl» – mannshohe Gurkenskulpturen – erheben sich beim Schillerdenkmal am Furtwängler-Park und gehören ebenfalls zum Salzburger «Walk of Modern Art».

Mit diesen Zeugnissen der Kunst im öffentlichen Raum beschäftigen sich womöglich auch Gäste, die Salzburg nicht unbedingt deswegen angesteuert haben. Sie können dabei feststellen, dass die Stadt auch eine aktive zeitgenössische Tanzszene besitzt. Seit den 1960er-Jahren findet jährlich zwei Wochen lang die «Sommerszene» statt. Ausgerichtet wird sie von der Salzburg Experimental Academy Of Dance (Sead), die inzwischen als international renommierte Ausbildungsstätte für Tanz und Choreografie der Gegenwart gilt.

Skulpturenparks von Mäzenen

Selbst ausserhalb des Zentrums stösst man auf zeitgenössische Kunst: Grossskulpturen aus dem Besitz des Unternehmers und Kunstförderers Reinhold Würth zieren den Park von Schloss Arenberg. Und auch der heimische Baustoffhersteller Leube macht keinen Hehl aus seiner Vorliebe für Gegenwartsplastik. Im Ortsteil St. Leonhard entstand der nach dem Unternehmen benannte Skulpturenweg. Neben einer Sammlung stählerner Vögel bietet das Flugzeugmuseum Hangar 7 beim Flughafen seinerseits Wechselausstellungen mit Werken zeitgenössischer Künstler an. Zudem verfügt die 150 000 Einwohner zählende Stadt über gut vier Dutzend Kunstgalerien.

Gegenwartskunst ist selbst da präsent, wo man sie nicht unbedingt erwartet. Etwa im Arthotel Blaue Gans an der Getreidegasse. Die rund 100, oft subtilen, bisweilen ironischen Schöpfungen im gesamten Haus erzeugen eine reizvolle Wechselwirkung zwischen Tradition und Moderne.

Thomas Veser

Hinweis

www.salzburg.info

Kapitelplatz: Stephan Balkenhols «Sphaera». (Bild: Salzburg Info)

Kapitelplatz: Stephan Balkenhols «Sphaera». (Bild: Salzburg Info)