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ORTE IN GRAZ, DIE MAN GESEHEN HABEN MUSS: Kreative Köpfe und mediterranes Flair

Kaum eine andere Stadt bietet so viel Abwechslung auf engem Raum. Und das sonnige Ambiente des Südens gibts als genussvolle Zugabe: futuristische Architektur gleich neben mittelalterlichen Häusern, kulturelle und ­kulinarische Leckerbissen noch und noch – und das alles nur wenige Schritte entfernt.
Text und Bilder Urs Oskar Keller
Der Grazer Schlossberg ist ein Fels aus Dolomitgestein und bildet den Kern der historischen Altstadt. (Bild Graz Tourismus)

Der Grazer Schlossberg ist ein Fels aus Dolomitgestein und bildet den Kern der historischen Altstadt. (Bild Graz Tourismus)

Text und Bilder Urs Oskar Keller

Ein Taxifahrer fragt uns mit Kennerblick: «Sie kommen bestimmt wegen des Steirischen Herbsts zu uns?» Falsch liegt er nicht. Graz hat sich seit 1968 zum kulturellen Treffpunkt entwickelt. Die Kunst der Avantgarde, das internationale Festival für zeitgenössische Kunst, macht neugierig. Doch man würde Graz nicht gerecht, brächte man die Stadt nur mit elitärer Kunst in Verbindung.

Auch wenn die steirische Landeshauptstadt bislang unter dem Radar der meisten Touristen liegt: Nicht zuletzt die Studenten machen Graz, immerhin die zweitgrösste Stadt Österreichs (278 000 Einwohner), zu einem entspannten wie kreativen Ort – und dem idealen Reiseziel für einen Kurzaufenthalt im Nachbarland. Über 50 000 Studenten an sechs Universitäten (mit dem ersten Lehrstuhl für Jazz) und zwei Fachhochschulzentren machen Graz zu einer jungen Stadt.

Ein magischer Raum

Zwischen Bergen, Hügeln und einer weiten Ebene liegt Graz, 1128 als «gradec» (kleine Burg) erstmals erwähnt. 888 Jahre lebendige Geschichte: Viele Zeugnisse dieser bewegten Vergangenheit, viele Referenzen der Gegenwart und so manche Vision für die Zukunft kann man auf Stadtspaziergängen entdecken. Wohl an keinem anderen Ort der Welt findet sich auf so dichtem Raum so hervorragende Architektur aus allen Baustilen – vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert.

Die Stadt an der Mur hat so viele Schlösser, Kirchen, Brücken und Denkmäler zu bieten, dass hier nur ein paar Höhepunkte herausgepickt werden können. Der Grazer Hauptbahnhof ist vom Durchzugsort zum magischen Raum mutiert: Der Innsbrucker Multimediakünstler Peter Kogler hat die Halle mit Farbflächen und schrillen Texturen zum faszinierenden Illusionsraum gemacht. Ein Wurf ist auch das neugestaltete Joanneumsviertel mit dem zweitgrössten (Universal-)Museum in Österreich. Es ist ein wichtiger städtebaulicher Akzent. Dieser Hang zum Visionären war vermutlich ausschlaggebend dafür, dass Graz von der Unesco zur «City of Design» gekürt wurde – eine von bislang nur zwölf Städten weltweit.

Überschaubar und nicht versnobt

Graz ist überschaubarer als Wien, nicht so versnobt wie Salzburg, weitläufiger als Innsbruck und Linz und mit einem bunten und dynamischen Kulturleben gesegnet. Zwei Höhepunkte aus dem dicken Grazer Kulturkalender erreichten Weltruhm: das Avantgarde-Festival Steirischer Herbst und die Styriarte, ein Sommerfest klassischer Musik. Beide Festivals halten die Kunstwelt in Atem.

Romantische Innenhöfe, kunstvolle Fassaden und prächtige Bauten. Der «besterhaltene Stadtkern Mitteleuropas» wurde nicht grundlos von der Unesco 1999 ins Weltkulturerbe aufgenommen. Renaissance, Gotik und Barock wohnen nebeneinander, und nur einige Fussminuten entfernt ist die Zukunft zu Hause: das bizarre Grazer Kunsthaus Friendly Alien von Peter Cook und Colin Fournier, eröffnet im Kulturhauptstadtjahr 2003. «Die Grazer lieben dieses Ungestüm mit seiner eigenen Schönheit und betrachten es als zweites Wahrzeichen der Stadt», sagt eine Stadtführerin.

Arnie Schwarzeneggers Museum

Graz bietet auch den kleinen Gästen grosse Momente. Trotz Smartphone, iPads, Tablets und Co. kommt «Hören, Sehen und Anfassen» immer noch bestens an. Spielerisch wird nicht nur im Kindermuseum Frida und Fred Wissen vermittelt, auch das Landeszeughaus bietet einen kolossalen Ausflug in die Ritterzeit. Die Schlossberg-Grottenbahn fährt seit 1968 durch den berühmten Berg und ist eine Attraktion für Familien mit Kindern ab vier Jahren. Grosse «Kids» zieht es – auf den Spuren des Terminators – ins Arnold-Schwarzenegger-Museum in seinen Geburtsort Thal bei Graz.

260 Treppenstufen himmelwärts

Früher oder später landen alle auf dem bewaldeten Berg mitten in der Altstadt. Den schönsten Blick über die verwinkelten Gassen, über mediterrane Arkadenhöfe und Renaissancepaläste gibt es vom 473 Meter hohen Schlossberg. Zu ihm hoch führen 260 Treppenstufen, ein Lift – oder eine Standseilbahn. Der Blick vom Grazer Schlossberg auf die ziegelrote Dächerlandschaft der Stadt ist imposant. Markant daneben der grosse Uhrturm, ein Kuriosum für sich. Der kleine und der grosse Zeiger sind nämlich vertauscht, was schon bei manchem Besucher für einen verwirrten Uhrenvergleich sorgte.

Marillen, Paradeiser, Karfiol

Graz hat die Südsteiermark und Slowenien als «Vorgarten». Vielleicht liegen deshalb Kulturgenuss und Lebenslust hier so nahe beieinander. Das sieht, schmeckt und erfährt man in den Cafés, Bars und Restaurants. Das Kälberne Viertel, der Mehlplatz, die Paradeisgasse: Dass man in Graz auf Schritt und Tritt dem kulinarischen Genuss begegnet, ist kein Zufall.

Die Vielfalt der regionalen Produkte kann man beispielsweise auch auf dem Bauernmarkt am Kaiser-Josef-Platz, gegenüber der Oper, finden. Kürbiskernöle, Kren/Meerrettich, Käferbohnen etc: Das Angebot ist gross. Statt Aprikosen sagen die Österreicher Marillen, statt Tomaten Paradeiser, statt Blumenkohl Karfiol, statt von Kartoffeln sprechen sie von Erdäpfeln. Beim Schlachter bestellen sie 20 Deka Wurst statt 200 Gramm. Kein Wunder, dass wir die Österreicher oder die Steirer mit ihrem besonderen Dialekt manchmal nicht ganz verstehen können – sie sprechen eine andere Sprache.

Adressen für Feinschmecker

Für ein gepflegtes Essen bietet Graz diverse Adressen (siehe Infobox), besonders empfehlenswert sind die haubengekrönten Restaurants Didi Dorner (Karmeliterplatz 5) und das «Prato im Palais» (Sackstrasse 16).

Wer kultiviert wohnen mag, mietet sich im Schlossberghotel, im 1872 erbauten «Das Weitzer» («traditionsreich und trotzdem immer auf der Höhe der Zeit») oder im «Erzherzog Johann» ein. Letztere Herberge verfügt über vier Sterne und einen barocken Wintergarten direkt am Hauptplatz.

Lebensader Mur

Seit Jahrtausenden prägt die Mur den Alltag der an ihr lebenden Menschen. 450 Kilometer lang ist der Hauptfluss der Steiermark. Das Ineinanderfliessen von Natur und Kultur ist denn auch in Graz zu erleben. Die Murinsel von Vito Acconci verbindet die Grazer Altstadt mit dem Mariahilf-Viertel; im modernen Insel-Café in der Mur strandet man gerne. Auch flussbezogene Geschichten gibt es in Graz zahlreiche. Denn diese Stadt ist Bühne, Szene, Kulisse und Programm.

Orte in Graz, die man gesehen haben muss

Anreise: Die SBB/ÖBB fahren ab Zürich via Buchs SG nach Graz. Der Tageszug «Transalpin» mit Panorama- und Speisewagen fährt täglich um 8.40 Uhr von Zürich nach Graz (an 18.14 Uhr), der Euro-Night «Zürichsee» – mit Schlaf- und Liegewagen – verlässt Zürich um 20.40 Uhr (Ankunft in Graz: 7 Uhr). Die Bahnfahrt dauert fast zehn Stunden.

Flüge:Die Swiss fliegt täglich ausser Samstag von Zürich nach Graz.

Öffentlicher Verkehr: Ideal ist, die Stadt zu Fuss, mit Velo, Strassenbahn und Bus zu erkunden (www.verbundlinie.at). Im Streckenabschnitt der «Altstadtbim» darf man das Tram gratis benützen. Zwischen Haupt- und Jakominiplatz plus eine Station in alle Richtungen darf man kostenlos fahren.

Hotels: Schlossberghotel/Das Kunsthotel, Hotel Das Weitzer, Hotel Wiesler, Hotel Erzherzog Johann, Hotel Daniel Restaurants Didi Dorner mit seiner Cuisine Intuitive mit Schaufelfaktor, Prato im Palais, Gerüchteküche von Michael Wankerl, Kehlberghof, Magnolia im Hotel Augarten Art & Design, Gasthaus Stainzerbauer (ein Klassiker), Imbiss Frankowitsch, Ristorante Santa Clara (nette Location), Sandwich-Club im Imbiss Mild, Trattoria Gerry – Zur Goldenen Languste, Biorestaurant Gaumenkino Graz.

Cafés: Café Fotter (Attemsgasse 6), Café Ritter (Rittergasse 2), Süsse Luise (Lendplatz Stand 9), Tischlein-deck-dich (Schmiedgasse 23a), Café Promenade (Erzherzog-Johann-Allee 1), tribeka-Kaffeebar («trink besseren kaffee», 4 Filialen, Grieskai 2), Café Schwalbennest (tolle Mehlspeisen, Franziskanerplatz 1), Mehlschwalbe (Kapaunplatz 3).

Highlights: Ferdinand Haller (Süsswaren, Herrengasse 23), Samen-Köller (Setzlinge und «ehrliches» Saatgut seit 1773, Südtirolerplatz 1), Grazer Synagoge (David-Herzog-Platz 1), Hofbäcker Edegger-Tax mit kaiserlichen Kipferln (Hofgasse 6), F. Nussbaumer Delikatessen (Alles Käse, Paradeisgasse 1), Johann-Puch-Museum (Nostalgie auf zwei und vier Rädern, Puchstrasse 85), Schloss Eggenberg (grösste barocke Schlossanlage der Steiermark, Eggenberger Allee 90), Murinsel als ungewöhnliches Haus im Fluss, Kunsthaus Graz – ein Wahrzeichen der Stadt (Lendkai 1), Uhrturm (auf dem Schlossberg).

Kulinarische Stadtrundgänge:Appetitliche Zwischenstopps, garniert mit heiteren Anekdoten. Vom Bauernmarkt über den Braten aus Grossmutters Küche bis zur deftigen Unterlage vor der Bierdegustation wird alles geboten.
www.graztourismus.at

Kultur:Styriarte – Festival für klassische und alte Musik (24. Juni bis 24. Juli) Steirischer Herbst – internationales Festival für zeitgenössische Kunst (23. Sept. bis 16. Okt. 2016), Atelier Jungwirth (Opernring 12).

App:Graz Secrets – der City Guide oder «Do something you have never done before».

Buchtipp: Gerald Polzer, Stefan Spath: «111 Orte in Graz, die man gesehen haben muss». Emons Verlag, 14.95 Euro.

Informationen: www.graztourismus.at


HINWEIS
Diese Reportage entstand im Rahmen einer Pressereise, unterstützt durch die SBB/ÖBB.

Strassenmusiker in der Grazer Altstadt. (Bild: Karte oas)

Strassenmusiker in der Grazer Altstadt. (Bild: Karte oas)

Beim Stand der Grazer «Maronessa» an der Herrengasse gibts gute Marroni. (Bild: Karte oas)

Beim Stand der Grazer «Maronessa» an der Herrengasse gibts gute Marroni. (Bild: Karte oas)

Auf dem steirischen Bauernmarkt neben der Oper von Graz werden Blumen verkauft. (Bild: Karte oas)

Auf dem steirischen Bauernmarkt neben der Oper von Graz werden Blumen verkauft. (Bild: Karte oas)

Kunsthaus Graz: Das Friendly Alien stammt von Peter Cook und Colin Fournier. (Bild: Karte oas)

Kunsthaus Graz: Das Friendly Alien stammt von Peter Cook und Colin Fournier. (Bild: Karte oas)

260 Treppenstufen führen auf den 473 Meter hohen Schlossberg mitten in der Altstadt. Hier hat man den schönsten Blick über die Gassen. (Bild: Karte oas)

260 Treppenstufen führen auf den 473 Meter hohen Schlossberg mitten in der Altstadt. Hier hat man den schönsten Blick über die Gassen. (Bild: Karte oas)

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