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OSTSEE: Viel los zwischen Bodden und Meer

Die norddeutsche Halbinselkette Fischland-Darss-Zingst bietet eine Fülle Schönes. Feine Sandstrände und schroffe Steilküsten prägen die Natur der Inseln, die einst eine Sturmflut zusammenschmelzen liess. Seit mehr als hundert Jahren ist die Gegend östlich von Rostock aber auch Anziehungspunkt für Künstler aller Art.
Text und Bilder: Angela Allemann
Spaziergang auf dem Fotokunstpfad im Sand – am Strand des Badeorts Zingst fand diesen Sommer bereits zum zehnten Mal das Umweltfotofestival «horizonte zingst» statt. (Bild: Angela Allemann)

Spaziergang auf dem Fotokunstpfad im Sand – am Strand des Badeorts Zingst fand diesen Sommer bereits zum zehnten Mal das Umweltfotofestival «horizonte zingst» statt. (Bild: Angela Allemann)

Text und Bilder: Angela Allemann

Hans Götze ist gut drauf, denn er macht das, was er am liebsten macht, führt mit raschen Schritten und sonorer Stimme durch Ahrenshoop, das dem gebürtigen Sachsen längst zur Heimat geworden ist. Fischland, Darss und Zingst waren einst drei Inseln, die eine Sturmflut zusammenschmolz. Schroffe Steilküsten und feine Sandstrände mit windschiefen Bäumen prägen die Halbinsel zwischen Bodden – das ist das flache Brackwasser einer Lagune zwischen Festland und Halbinsel – und offener Ostsee. Die wasserumspülte Gegend mit dem sperrigen Namen, Dörfer mit flachen reetgedeckten Katen und über allem die Weite des unendlichen Himmels, ist immer noch ein touristischer Geheimtipp. Für Künstler jeder Art war Ahrenshoop indes schon seit Ende des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Ziel und wurde rasch zur Künstlerkolonie. 1892 kam der Maler Paul Müller-Kaempf in das kleine Dorf, blieb und gründete eine Malschule. Weitere folgten: Elisabeth von Eicken, Anna Gerresheim und Carl Malchin, um nur einige zu nennen.

Diesen Sommer feiert Ahrenshoop sein 125-jähriges Jubiläum. «Lassen Sie es so richtig krachen, Herr Götze?» «Ach was», lacht der Bürgermeister, der auch Maler ist, «das ist gar nicht unser Stil. Wir sind klein und fein, und das soll auch so bleiben.» Man glaubt ihm aufs Wort, als wir den Rundgang durch das lang gestreckte Dorf mit zahlreichen Abstechern ins sandige Links und Rechts unter die Füsse nehmen.

«Licht, Luft, Freiheit – deswegen kommt man auch noch heute»

Riesiges ist nicht auszumachen. Der spektakulärste Bau ist das neue Hotel The Grand, das sich seit 2010 anstelle des alten DDR-Kurhauses elegant und harmonisch auf dem Schifferberg einfügt. «Tradition bewahren – im Zeitgeist leben, das ist unser Motto», sagt Götze, der bereits seit 1975 die Geschicke der 650-Seelen-Gemeinde lenkt. Tatsächlich hat sich der Ort Beschaulichkeit bewahrt. Versteckte Cafés, Restaurants und Galerien laden zum Verweilen ein. Der blaugetünchte Kunstkaten sucht nach wie vor die Begegnungen der Künstler mit ihrem Publikum, die Galerie im Dornenhaus auch, die Bunte Stube, seit 1922 Buchhandlung, im Bauhausstil ist Kult, und ein neu angelegter Kunstpfad mit zehn Stationen führt zu jenen Stellen, die den schönsten Blick auf die Landschaft freigeben: Maler und ihre Werke.

Mittelpunkt des Kunstgeschehens ist seit 2013 das neue Kunstmuseum mit wechselnden Ausstellungen. Ein kurzer Film führt in die Entwicklung der Künstlerkolonie ein, rund 90 Gemälde der Gründergeneration werden anlässlich des Jubiläums präsentiert. «Licht, Luft, Freiheit», erklärt die Kuratorin Marion Schael. «Deswegen kam man damals, deswegen kommt man heute.»

Viele greifen zu Pinsel und Palette – Kurse und Motive gibt es genug

Und heute malen der Bürgermeister und der Dorfpolizist, Galerien mit zeitgenössischer Kunst gibt’s allenthalben. Es liegt im Trend, den Künstlern über die Schulter zu schauen oder sich gleich selbst an Pinsel und Palette zu versuchen. Malkurse gibt’s mehr als genug, Motive auch. Wenn an langen hellen Abenden die Sonne dramatisch im Meer versinkt, sitzt so mancher staunend am feinsandigen Strand der Steilküste, um das Geschehen aufs Blatt zu bannen. Es muss nicht immer grosse Kunst sein, ein bisschen Kitsch darf sein und auch Kommerz.

Kein Thema für Gabriele Eymael in der Kunstscheune Barnstorf in Wustrow, ein paar Kilometer von Ahrenshoop entfernt. «Unsere Kunst ist ernsthaft, aber nicht steif», sagt sie, «unsere Gäste kommen barfuss oder in Sandalen und am liebsten mit dem Fahrrad.» Wie zum Beweis kramt sie ein paar Ordner hervor und bietet Kaffee und Kekse an. Seit mehr als 20 Jahren stellt die ehemalige Englischlehrerin, die nach dem Zusammenbruch der ehemaligen DDR die Dresdner Kunsthochschule besuchte, zusammen mit ihrem Mann Peter in der sorgfältig wiederhergestellten Scheune norddeutsche Landschaftsbilder, Skulpturen und Keramik aus. Immer von Pfingsten bis Mitte Oktober. Um die 7000 Besucher kommen jedes Jahr an den schmalen Landstreifen am Saaler Bodden. Viele immer wieder, Gäste sowie Künstler.

«Kunst im Hotel, an den Haustüren und am Strand»

Dass Kunst bei Touristen gut ankommt, haben sich zahlreiche Hotels längst zunutze gemacht. Im «Le Grand» wurde jedes der total 13 Stockwerke der beiden Wohntrakte einem Künstler oder einem Künstlerpaar gewidmet, so dass jeder Flur und jede Suite sein eigenes Gesicht erhält. Art in Residence, daran glaubt auch Isolde Kunz, Direktorin der beiden Hotels Fischland und Dünenmeer, die an allerbester Lage direkt am feinsandigen Strand von Dierhagen liegen. Im Esssaal, im Foyer und in den Zimmern kann man sich folglich inspirieren lassen. Die Werke der umtriebigen Künstler, die mit Erfolg Hotels und Galerien von Sylt bis Usedom bespielen, sind an Ort zu kaufen, und im Frühling und Herbst führen sie beliebte Workshops durch. «Kunst gehört in unsere Gegend», ist Isolde Heinz überzeugt.

Wer’s nicht glaubt, der schaue doch einmal die Türen der Halbinsel an, im beschaulichen Badeort Prerow etwa. Sie sind seit jeher architektonischer Blickfang. Neu oder alt, schön sind sie immer und meist eng mit der maritimen Kultur der Darsser Segelschiffahrt des 19. Jahrhunderts verbunden. Volkstümliche Motive mit klassizistischen und floralen Elementen, Tulpen und Sonnenmotive etwa, die für Lebensfreude und Kraft stehen, finden sich häufig.

Soeben ging in Zingst, dem grössten Badeort der Halbinsel mit 3200 Einwohnern, das zehnte Umweltfotofestival «horizonte zingst» über die Bühne respektive den Strand. Wiederum war das Seeheilbad im Fotofieber, und zwar mit Open-Air-Installationen, Multimedia­shows und einem Fotokunstpfad, der auf die drohende Plastikvermüllung der Weltmeere hinweisen soll.

Die Bunte Stube ist Kult. Die Buchhandlung im Bauhausstil gibt es seit 1922. (Bild: Angela Allemann)

Die Bunte Stube ist Kult. Die Buchhandlung im Bauhausstil gibt es seit 1922. (Bild: Angela Allemann)

Blickfang sind die Türen auf der Halbinsel. (Bild: Angela Allemann)

Blickfang sind die Türen auf der Halbinsel. (Bild: Angela Allemann)

Das Kunstmuseum zeigt Werke der Gründergeneration der Künstlerkolonie. (Bild: Angela Allemann)

Das Kunstmuseum zeigt Werke der Gründergeneration der Künstlerkolonie. (Bild: Angela Allemann)

Das rosarote Rathaus am Neuen Markt gehört zu den Sehenswürdigkeiten. Trotz vieler Zerstörungen verfügt Rostock über einen relativ geschlossenen historischen Kern. (Bild: Angela Allemann)

Das rosarote Rathaus am Neuen Markt gehört zu den Sehenswürdigkeiten. Trotz vieler Zerstörungen verfügt Rostock über einen relativ geschlossenen historischen Kern. (Bild: Angela Allemann)

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