Die Pandemie belastet jüngere Menschen stärker – aber bei manchen wuchs auch die Dankbarkeit

Die Coronakrise wirkt sich auf die Psyche aus. Doch die Untersuchungen zeigen widersprüchliche Ergebnisse.

Annika Bangerter
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Wie geht es der Bevölkerung hinter der aufgesetzten Maske?

Wie geht es der Bevölkerung hinter der aufgesetzten Maske?

Bild: Getty

Es ist eine grosse Feldstudie: Wie kommt die Schweizer Bevölkerung mit einer Pandemie zurecht? Was löst das Virus in der Volksseele aus? Dafür wurden bereits Tausende von Menschen befragt.

Drei unterschiedliche Studien der Universität Basel, Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der Forschungsstelle Sotomo kommen dabei zum Schluss: Jüngere Menschen tun sich mit der Coronakrise tendenziell eher schwerer als ältere. In der Sotomo-Studie gaben 60 Prozent der 15- bis 24-Jährigen an, dass die Pandemie ihre Stimmungslage negativ oder sehr negativ beeinflusst hat. Bei den Rentnern fühlten sich deswegen 41 Prozent niedergeschlagen.

Den älteren Männern machte es offenbar am wenigsten aus

Eine Studie der Universität Basel zeigt, dass psychische Belastungen während der Coronakrise zugenommen haben. 40 Prozent der Teilnehmenden fühlten sich selbst nach dem Lockdown gestresster als vor der Pandemie.

Zwar führten die Lockerungen dazu, dass Ängste – insbesondere jene vor einer Viruserkrankung oder Versorgungsengpässen – abnahmen, allerdings legten die schweren depressiven Symptome etwas zu. Am wenigsten davon betroffen waren ältere Männer.

Ein etwas anderes Bild ergibt die ZHAW-Umfrage des «Covid-19 Social Monitors». Diese ergab, dass die meisten Menschen ihre Lebensqualität in der Krise als gut oder sehr einstuften. Widersprüchliche Aussagen finden sich in der Sotomo-Studie. Die Forschenden sprechen deshalb von einem «Corona-Paradox». So gab fast die Hälfte der Befragten an, dass die Coronakrise sich negativ auf ihre Gefühlslage auswirkt.

Plötzlich empfinden wir viel mehr

Neben dieser allgemeinen Einschätzung wurden die sie zusätzlich zu einzelnen Emotionen befragt. Dabei kam heraus, dass die emotionale Vielfalt in der Coronakrise erweitert wurde. Insbesondere positive Gefühle legten zu – allen voran die Dankbarkeit.

Die Forschenden kommen daher zum Schluss: «Die Krise hat zwar zu Verunsicherung geführt, zugleich hat sie offenbar auch ein tiefes Bewusstsein für die eigene privilegierte Situation geschaffen.»

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