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Kolumne

Torten verzieren statt die Welt erobern: Wie ich als Vater erfolglos versuche, meine Tochter vor der Klischee-Falle zu bewahren

Die erste Ausgabe des nagelneuen Papa-Blogs von Tagblatt.ch.
Martin Oswald
(Symbolbild: Getty Images)

(Symbolbild: Getty Images)

Kaum ein anderer Moment löst in mir derart stark den Wunsch aus, nochmals Kind zu sein, wie das Eintreffen der Broschüre «Sommerplausch». Die Stadt St.Gallen bietet ihren Schülerinnen und Schülern eine vielfältige Auswahl an Kursen, Sportaktivitäten und Lagern für die Ferien an. So gehört es inzwischen zum alljährlichen Ritual, dass sich Tochter Sophie (11) ihre Favoriten mit einem Stift umkreist, bevor dann auch Papi und Mami einige Empfehlungen abgeben.

Ich blättere mit leuchtenden Augen durch das Angebot und ziehe ein paar Kugelschreiber-Kreise um die offensichtlichen Leckerbissen: Ein Besuch bei der Polizei. Eine Nacht im Zoo. Ein Musikvideo produzieren. Graffiti, Theater, Minigolf, Segelturn, Fotosafari, Zeltlager. Warum gibt es so ein Programm nicht auch für Erwachsene? Sophie dürfte sich beschweren, dass wir ob all dieser Möglichkeiten zu Hause stattdessen zwei Wochen ans Meer fahren. Da liege ich aber falsch.

Nach einer kurzen, aber intensiven Diskussion und einem Abgleich mit dem Kalender fällt die Auswahl auf: Motivtorten dekorieren. Freundin Leandra sei auch dort. Und Backen mache ihr Spass. Mama unterstützt das. Derweil ich im Stuhl versinke. Motivtorten also. Die Polizei muss warten. An dieser Stelle könnte dieser Text als amüsante Glosse enden.

Doch diese Episode lässt mir keine Ruhe. Versagen hier all meine väterlichen Bemühungen, meiner grossen Tochter geschlechterunabhängige Möglichkeiten für die Zukunft zu eröffnen? Es gibt keine Argumente gegen Kuchen backen und Torten verzieren. Aber Kind, «du kannst alles werden, was du möchtest. Ob Astronautin oder Software-Entwicklerin, Architektin oder Ernährungswissenschafterin.» Ihr aktueller Berufswunsch ist Lehrerin. Schön. Aber es gibt noch so viel mehr.

Aus diesem Grund würde ich mir wünschen, dass Sophie im «Sommerplausch» eine Feuerwehrfrau kennenlernt, den Flughafen besichtigt, oder auf dem Bio-Bauernhof mitarbeitet. Kein Interesse. Aber vielleicht mach ich mir ja auch zu viele Gedanken und in der 5. Klasse sind Sommerferien dazu da, mit der Familie ans Meer zu fahren und mit einer Freundin Motivtorten zu dekorieren.

Die nächste Folge: «Wie unser Kind zu seinem Namen kam» - von Adrian Lemmenmeier. Freitag, 28. Juni, Tagblatt.ch

Die vier Autoren des Papa-Blogs

Ab sofort erscheint jeden Freitag eine neue Ausgabe des Ostschweizer Papa-Blogs. Das sind die vier Autoren:

(Illustrationen: Tom Werner)

(Illustrationen: Tom Werner)

Martin Oswald (39) lebt mit drei Frauen am Stadtrand von St.Gallen. Die eine (35) hatte er um ihre Hand angehalten, die andere (11) bekam er als Patchwork-Geschenk und die dritte (4) ist 100% Self-Made.







Adrian Lemmenmeier ist seit vier Monaten Vater einer Tochter. Er ist verheiratet und wohnt mit seiner Familie in St. Gallen.







Roger Berhalter lebt mit seiner Frau und den zwei Söhnen (5 und 7 Jahre) in der Stadt St. Gallen. Er teilt sich mit seiner Partnerin die Erwerbs- und Hausarbeit. Am Backofen aber ist er der Chef.









Jürg Ackermann lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen (7 und 5) in St. Gallen.

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