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Kolumne

«Papa & Papi»-Kolumne: Frühenglisch, um mit dem Bauchmami zu sprechen

In seiner Kolumne «Papa & Papi» schreibt Ethiker Michael Braunschweig über das Elternsein mit seinem Mann und seinen Kindern. Diese Woche erklärt er, wieso es ihn besonders freut, dass seine Kinder die ersten englischen Worte aufgeschnappt haben.
Michael Braunschweig
«Schweiz am Wochenende»-Kolumnist Michael Braunschweig (Bild: CH Media)

«Schweiz am Wochenende»-Kolumnist Michael Braunschweig
(Bild: CH Media)

Zwei Tage in der Woche gehen unsere Kinder in die Kita. In unserem Wohnquartier gibt es zum Glück zahlreiche davon. So konnten wir auswählen. Das ist wichtig, wenn es offenbar noch Orte gibt, wo Kinder von zwei Vätern abgewiesen werden, wie letzte Woche in Lenzburg publik wurde.

Wichtig waren zudem die Nähe, der Eindruck, dass auf Hygiene ebenso geachtet wird wie auf gesunde Kost, vielfältige, kreative Aktivitäten drinnen wie draussen sowie in zumindest rudimentärer Form so etwas wie ein pädagogisches Konzept. Also eigentlich das, was jede Kita bieten sollte.

Wir hatten uns Zeit gelassen: Erst mit ungefähr einem Jahr hatten wir den Eindruck, sie seien bereit für diesen Schritt. Das Kita-Team hat die Einführungsphase sehr sorgfältig gestaltet. Der Gang in die Kita war dennoch lange Zeit nicht einfach und mit tränenreichen Szenen beim Abschied verbunden.

Nach ungefähr einem Jahr hat sich das nun zum Guten gewendet: Wenn wir ankommen, können sie es kaum erwarten, ins Zimmer zu stürmen und zu sehen, welche Spiele sie an diesem Tag bereits erwarten. Nach einer kurzen Überprüfung der Lage dreht sich dann meist Söhnchen noch in der Tür stehend um, blickt mich an, winkt mir mit einer Hand zu, sagt «bye-bye» und schliesst die Tür.

«Bye-bye» – das war einer der ersten Ausdrücke, die sie situationsgerecht einsetzten. Wir haben uns nicht für eine englische Variante entschieden. Es hat sich einfach ergeben. Hingegen haben wir uns bei der Wahl der Kita bewusst für eine zweisprachige entschieden.

Es ist uns wichtig, dass sie mit Englisch in Kontakt kommen; nicht etwa, weil wir uns bereits jetzt um ihre künftigen Arbeitsmarktchancen Sorgen machen. Wir sind nicht darauf versessen, unsere Kinder zu High Performers zu entwickeln.

Natürlich freuen wir uns, dass Söhnchen feines Musikgehör zeigt, wenn er etwa ein Stück bereits nach dem ersten Takt richtig erkennen kann, oder wenn Töchterchen beim Kochen mit ernster Miene und vollkommen zu recht bemerkt: «Meh Salz!» Aber die nächste Sterneköchin oder das nächste Mozart-Wunderkind wünschen wir uns nicht.

Mit Englisch sollen sie vielmehr in Kontakt kommen, weil sie von Geburt aus die US-Staatsbürgerschaft haben. Sie sollen die Sprache ihres anderen Heimatlandes lernen und später entscheiden können, ob sie diese Herkunft auch zu einem Teil ihrer Identität machen wollen.

Entscheidend ist für uns aber, dass sie mit dem Bauchmami möglichst früh sprechen können sollen. Sie werden wissen, wo sie herkommen und wie sie in die Welt kamen, und sie sollen eine Beziehung aufbauen und Kontakt halten können. Wir sind deshalb sehr froh, in einem Quartier mit vielen Expats zu wohnen und eine Kita zu haben, die Englische Muttersprachler im Betreuungspersonal hat.

Es fruchtet bereits: Als wir das letzte Mal über den Atlantik hinweg skypten, unterbrachen unsere Kleinen uns immer wieder mit «hello» oder «yes, yes» und verabschiedeten sich mit «bye-bye!» – zur grossen Freude unserer Freundin.

Michael Braunschweig

Der Ethiker und Theologe hat mit seinem Ehemann zweijährige Zwillinge.

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