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PATAGONIEN: Zu den Pinguinen nach Feuerland

Der Süden Argentiniens ist ein einzigartiges Naturparadies für Trekker. Steil aufragende Berge, Gletscher, tiefblaue Seen und wilde Steppen prägen das Landschaftsbild. Ganz im Süden lockt Feuerland mit seiner sagenumwobenen Wildnis. Das Licht, der kräftige Wind, die Weite, alles scheint hier intensiver. Seelöwen, Pinguine und Anden-Kondore können aus nächster Nähe beobachtet werden.
Text und Bilder: Jürg J. Aregger
Die Wandergruppe steigt zu den Wasserfällen Castaño Overa des «Donnerbergs» Cerro Tronador auf. (Bild: Jürg J. Aregger)

Die Wandergruppe steigt zu den Wasserfällen Castaño Overa des «Donnerbergs» Cerro Tronador auf. (Bild: Jürg J. Aregger)

Text und Bilder: Jürg J. Aregger

Auf der Insel Victoria in der Mitte des Nahuel-Huapi-Sees, im Nationalpark Los Arrayames, befindet sich der einzige Myrtenwald der Welt. Reiseleiterin Ella Alpiger führt uns entlang der hellbraunen und ziegelroten hundertjährigen Bäume, die zu den Arrayan-Gewächsen gehören. Sie tragen weisse Blumen und süsse Früchte. Der Besucher ist verzaubert. So erging es auch Walt Disney, als er 1942 hier weilte und an seinem Bambi-Film arbeitete. Streifzüge durch die geheimnisvollen Myrtenwälder sollen den Amerikaner zu seinem weltbekannten Zeichentrickfilm inspiriert haben. Darin lernt der junge Hirsch Bambi die schönen Seiten des Lebens, aber auch die tödlichen Gefahren kennen.

Nach einer Schifffahrt entlang der Insel Victoria beginnt für unsere dreizehnköpfige Wandergruppe beim Puerto Anchorena der vierstündige Weg zurück nach Villa de Angostura. Der erste Kilometer ist mit einem Holzsteg gut ausgebaut, nachher folgen elf Kilometer mehrheitlich in Wäldern auf flachen Wegen. Fünf Jahre nach dem Ausbruch des Vulkans Puyehue auf der chilenischen Seite der Anden ist der Boden noch immer mit Aschestaub bedeckt. Bei schönem Wetter fühlt man sich ab und zu, als sei man in eine Staubwolke gehüllt. Die Eruption erfolgte am 4. Juni 2011. Mit bis zu 30 Zentimetern Asche wurde damals die argentinische Pampa zugekleistert, es kam zu einem gewaltigen Vieh- und Fischsterben. Der Flughafen Bariloche war für neun Monate gesperrt.

San Carlos de Bariloche, kurz Bariloche genannt, ist eine quirlige Touristenstadt. Die Einwohnerzahl verzehnfachte sich seit 1950 auf über 150000 Personen. Allerdings habe es in der Stadt mehr Hunde als Menschen, wird uns gesagt. In einigen Läden gib es Schokoladen in Hülle und Fülle – eine Versuchung selbst für uns Schweizer. Vom November bis April, wenn hier die warme Jahreszeit ist, treffen sich Wanderer, Trekker und Bergsteiger sowie Wassersportler, im Sommerhalbjahr die Skifahrer.

Am ersten Nachmittag unternehmen wir Wanderungen, um die herrlichen Rundsichten auf den Lago Nahuel Huapi und viele weitere Seen in der Umgebung zu geniessen. Neben den Gewässern in vielen Blau- und Türkistönen sowie den dunkelgrünen Wäldern erfreuen wir uns an den dunkelgelben Sträuchern, dem spanischen Ginster, der teils bis zwei Meter hoch beidseits der Strassen und in vielen Gärten wächst. Die blauen und violetten Lupinen sind ebenfalls ein Fotosujet. Das Bambusgewächs Cana Colihue stirbt nach acht Jahren ab. Die verdorrten Sträucher, aber auch abgestorbene Bäume stellen eine grosse Brandgefahr dar, wenn es wie letztes Jahr lange trocken ist.

«Schweiz Argentiniens»

Bariloche (764 Meter hoch) gilt als die «Schweiz Argentiniens». Vor hundert Jahren wanderten vor allem Welsche aus Chile hier ein, trieben Holzhandel und verarbeiteten Bäume. Noch heute gibt es eine Colonia Suiza, die wir ebenfalls aufsuchen. Anschliessend geht’s steil bergauf zum Cerro Lopez, der «Wiege des Bergsports», zu der uns Federico hinaufführt. 700 Höhenmeter, am meisten auf dieser Wanderreise, müssen wir zurücklegen. Die Baumgrenze liegt auf 1600 Metern. Wiederum geniessen wir prächtige Landschaften.

Seit 2007 lebt Reiseleiterin Ella Alpiger in Bariloche mit ihrem einheimischen Partner Federico. Beide sind im Berg- und Skisport aktiv und wohnen das halbe Jahr auch im französischen Chamonix. Sie fuhr früher in der Schweizer Skinationalmannschaft im Weltcup in der Abfahrt und im Super-G und an einer Ski-WM. Ella Alpiger kennt die Gegend bestens und hat für den Luzerner Reiseveranstalter Baumeler eine massgeschneiderte Tour ausgearbeitet. Die Tagesetappen sind abwechslungsreich gestaltet. Zudem leitet sie eine Biketour, die über zwei Pässe nach Chile führt. «Die Argentinier sind gemütlich, entspannter und chaotisch, nicht so hektisch wie wir Schweizer. Und doch funktioniert es», sagt sie. Ella Alpiger ist nach wie vor überwältigt von den Natureindrücken, sie liebt das Land und seine Menschen. Als quasi Einheimische bringt sie uns Schweizern Bariloche und seine Umgebung (Villa de Angostura und San Martin) während acht Tagen näher. So fahren wir entlang den Sieben Seen und gelangen zu den mächtigen Nivinco-Wasserfällen, entdecken mit einem Ornithologen über 20 Vogelarten, unternehmen einen Pferderitt in der Steppe auf Pfaden der Gauchos und nähern uns dem knapp 3500 Meter hohen Gletscherberg Cerro Tronador, wo Wasserfälle auf einer breiten Front ins Tal stürzen. Wir stehen an der Wasserscheide in Arroyo Partido, wo zwei Bächlein nebeneinander fliessen; eines endet im Pazifik, das andere im Atlantik.

Mehrere Mittagessen auf Estanzias, den hiesigen Landgütern, geben uns einen Eindruck von der reichhaltigen Küche.

Empanadas und Mate-Tee

Ella und Federico zeigen uns, wie die Einheimischen Empanadas, gefüllte Teigtaschen mit Fleisch oder Gemüse, herstellen. Die Gruppe macht fleissig mit. Wir lernen auch Mate-Tee kennen, das koffeinhaltige alkoholfreie Erfrischungs- und Aufgussgetränk der Argentinier schlechthin. Der zweistündige Flug nach El Califate im Herzen Patagoniens ist mit Blick auf die schneeweissen Berge der Anden eine Augenweide. Wir besuchen die Laguna Nimez, ein weiteres Naturschutzgebiet, eine Vogel-Laguna, wo wir nicht nur rosarote Flamingos sehen, sondern auch weisse – diese fressen keine roten Krebse. Die Stadt ist Ausgangspunkt für Ausflüge zum gewaltigen Perito-Moreno-Gletscher. Schon von weitem ist er zu bewundern. Elegant schweben Anden-Kondore an uns vorbei, mit einer Flügelspannweite der Männchen bis 310 Zentimeter und einem Gewicht von 15 Kilo die grössten Vögel der Erde. Ein Bus nach dem andern fährt beim Weltnaturerbe vor. Auf gut ausgebauten Holzstegen, die rauf und runter führen, ist die fünf Kilometer lange und bis zu 60 Meter hohe Eiswand, die Gletscherzunge, umfassend zu bewundern. Eisblöcke donnern in die Fluten des Lago Argentino – ein faszinierendes Schauspiel. Wenn es donnert, ist es zum Fotografieren oft schon zu spät. Auf einer einstündigen Schifffahrt nähern wir uns bis auf 300 Meter der Gletscherzunge. Das Weltwunder ist ein Höhepunkt dieser Wanderreise. Als einer der wenigen Gletscher weltweit wächst er immer noch, sodass jeweils der kleinere Seearm abgeschnürt wird. Mit einer Explosion wird alle paar Jahre die Gletscherzunge weggesprengt.

Bizarre Granitfelsen am Ende der Welt

El Chalten, wo wir am nächsten Tag hinfahren, ist ein Paradies für Trekker. Unterwegs beobachten wir einige Guanacos, die hiesigen Lamas, sowie Hasen. Eine erste Wanderung führt uns zum eindrücklichen Fitz-Roy-Massiv, dessen Spitze auf 3405 Metern Höhe liegt. Auf bequemen Waldwegen nähern wir uns dem berühmtesten Berg der südpatagonischen Anden. Der Wind bläst so stark, dass die Spitzen immer wieder im Nebel verschwinden. Fitz Roy heisst in der Sprache der Ureinwohner, der Tehuelche-Indianer, «El Chalten», was «Rauchender Berg» heisst – obwohl er kein Vulkan ist. Der Name weist auf die vorbeiziehenden Wolken hin.

Noch spektakulärer und etwas weiter (19 Kilometer) ist die Wanderung am Tag darauf zum Cerro Torre (3201 Meter hoch), einer polierten und senkrecht aufragenden Granitnadel in einem eindrücklichen Bergpanorama. Am Anfang über dem Dorf und zum Schluss zur Moräne bewältigen wir Aufstiege, sonst ist das Gelände mehrheitlich flach. Der Blick auf den Cerro Torre, der fast 1000 Meter hohen Wand am Ende der Welt, ist überwältigend. Wir bewundern vom Gletschersee aus die majestätische Spitze, die immer wieder im Nebel verschwindet. Ein kalter Wind, wie er in Patagonien üblich ist, erinnert uns daran, wie viel Wetterglück wir bisher hatten.

Der nächste Flug führt uns mitten ins Feuerland, nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt. Ein Schneesturm bei der Wanderung im Nationalpark Terra del Fuego zeigt, dass es auf dieser Reise Kleider für alle vier Jahreszeiten braucht. Trotz Regen paddelt der Grossteil unserer Gruppe eine Stunde in Gummibooten auf einem ruhigen Fluss bis zur Bahia Lapataia, dem Endpunkt der legendären Panamericana, die in Alaska startet. Die Panamericana ist ein System von Schnellstrassen, das Alaska mit Feuerland verbindet.

Seelöwen kuscheln auf Felsen

Ein Erlebnis ist die Schifffahrt zur Pinguinkolonie auf der Isla Martillo. Die Magellanpinguine und ein verirrter Königspinguin lassen sich von unserem Besuch nicht stören. In einigen der Nester sehen wir ein bis zwei Junge. Die Alten müssen sie gegen Möwen und die Raubvögel Skuas beschützen. Zweimal haben wir Gelegenheit, im Beagle-Kanal Seelöwen, Kormorane, Gänse und Enten aus der Nähe zu beobachten. Die Herden an Seelöwen, auf den kleinen Felsrücken eng beieinanderliegend, sind ein beliebtes Fotosujet. Der Kanal ist die natürliche Grenze zu Chile. Das einstige Gefangenendorf Ushuaia platzt aus allen Nähten, seit es zollfrei ist. Viele IT-Firmen haben sich in den letzten Jahren hier angesiedelt. Eine Delikatesse in einigen Restaurants sind die Riesenkrabben, auch Seespinnen genannt.

Ausgangs- und Endpunkt der Wanderreise in Argentinien ist Buenos Aires. Auf einer Bootsfahrt lernen wir die Flusslandschaft des Tigre-Deltas kennen, bewundern die schmucken Villen, aber auch die Ruinen an den Ufern. Bereits am ersten Abend besuchen wir die legendäre Tango-Show, die von Carlos Gardel gegründet wurde. Im «Paris Südamerikas» gibt es nicht nur Prachtbauten, Parks und Monumente, sondern auch Armenviertel. Im Einwandererziel Boca mit den bunten Häusern und den zahlreichen Pappfiguren steht bereits auch Papst Franziskus. Im traditionellen Friedhof La Recoleta ist die berühmte Eva (Evita) Peron, die frühere Präsidentengattin, begraben.

In der «Stadt der Lebensfreude» bezeichnen unsere Reiseleiterinnen die Einheimischen als Überlebenskünstler, die trotz Inflation im abgewirtschafteten Land der früheren Regierungen Kirchner den Lebensmut nicht verloren haben. Im Rosenpark stossen wir auf die Blume «Johann Strauss», die nach dem Komponisten benannt ist. Auch dieser Künstler bleibt wie Walt Disney nicht nur in unseren Breitengraden unvergesslich.

Diese Reportage ist im Rahmen einer Pressereise entstanden, zu welcher Baumeler Reisen eingeladen hatte.

Auf der Isla Martillo lebt eine Pinguinkolonie. (Bild: Jürg J. Aregger)

Auf der Isla Martillo lebt eine Pinguinkolonie. (Bild: Jürg J. Aregger)

Der Perito-Moreno-Gletscher wächst immer noch. (Bild: Jürg J. Aregger)

Der Perito-Moreno-Gletscher wächst immer noch. (Bild: Jürg J. Aregger)

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