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PEKING: Chinesen wollen Fiat Chrysler

Der chinesische Autobauer Great Wall Motors hat sein Interesse an einer Übernahme von Fiat Chrysler bestätigt. Diese dementiert, Verkaufsgespräche mit den Chinesen zu führen. Der Aktienkurs steigt trotzdem.
Geländewagen der chinesischen Marke Great Wall Motors. (Bild: Andy Wong/Keystone (Baoding, 19. Februar 2017))

Geländewagen der chinesischen Marke Great Wall Motors. (Bild: Andy Wong/Keystone (Baoding, 19. Februar 2017))

Ernst Meier

Der chinesische Autobauer Great Wall Motors hat gestern sein Interesse am italo-amerikanischen Konkurrenten Fiat Chrysler Automobiles (FCA) öffentlich gemacht. «Wir haben derzeit die Absicht, zu kaufen. Wir sind an FCA interessiert», sagte der Sprecher von Great Wall Motors gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Damit setzt der chinesische Konzern den Gerüchten ein Ende. Die US-Internetseite «Automotive News» hat die Spekulationen in Umlauf gebracht. Das Branchenmagazin meldete vor einer Woche, dass ein bekannter chinesischer Autobauer eine Kaufofferte für FCA gemacht habe. Ein Insider wollte wissen, dass die Italiener das Gebot aus Peking jedoch als nicht hoch genug zurückgewiesen hätten. Nun würden weitere Autohersteller aus China über ein Angebot nachdenken, war zu lesen. Ein offizieller Kommentar von FCA blieb jedoch aus. Die Aktie des Autoherstellers legte seit dem Aufkommen der Gerüchte fast 10 Prozent zu. Nach der gestrigen Bestätigung aus China verteuerten sich die Titel an der Mailänder Börse nochmals um knapp 7 Prozent. Die Fiat-Aktie ist heute so wertvoll wie seit 19 Jahren nicht mehr. Der Konzern wird mit 16 Milliarden Euro bewertet.

Erstmals nahm gestern auch FCA offiziell Stellung zu den Verkaufsgerüchten. Man stehe nicht in Kontakt mit Great Wall Motors, hiess es. «Die Chinesen sind nicht an uns herangetreten, um über das Geschäft oder einzelne Marken zu sprechen», teilte Fiat Chrysler schriftlich mit.

Erst gut dreieinhalb Jahre ist es her, seit die Turiner Industrieikone Fiat – mit den Marken Fiat, Alfa-Romeo, Lancia, Maserati u. a. – den US-Autobauer mit den Marken Chrysler, Dodge, Jeep und Ram Trucks übernommen hat. Der heute mit jährlich 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen achtgrösste Autobauer der Welt wird vom italienisch-kanadischen Doppelbürger und früheren UBS-Verwaltungsrat Sergio Marchionne geleitet. In Expertenkreisen wird schon seit einiger Zeit erwartet, dass Marchionne den FCA-Konzern wieder aufteilen könnte. Allgemein ist bekannt, dass dem profitablen US-Geschäft die renditeschwächeren italienischen Marken gegenüberstehen.

Die Entwicklung von neuen Technologien (Elektroantrieb, Autopiloten, digitales Cockpit etc.) zwingt die Autobauer weltweit zu enormen Investitionen und neuen Kooperationen. Öffentliche Avancen von Marchionne wiesen die Konzerne Volkswagen und General Motors in der Vergangenheit zurück. Die Sportmarke Ferrari hat Marchionne vor zwei Jahren abgespalten und separat an die Börse gebracht.

Chinesen sind an US-Marken interessiert

Der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer glaubt, dass es Great Wall Motors ernst meint mit einer Übernahme von FCA, wie er gegenüber unserer Zeitung sagt. «Die chinesischen Autobauer drängt es vermehrt ins Ausland. Sie haben vor allem die Märkte in den USA und Europa im Visier», sagt Dudenhöffer. Fiat Chrysler sei ein interessanter Konzern für Great Wall Motors.

Die Chinesen verkaufen zwar auch Kleinwagen und Limousinen, sie sind in ihrer Heimat aber hauptsächlich mit Geländefahrzeugen (Sport-Utility-Vehicles, SUV) und Pick-up-Trucks erfolgreich. Der Name und das Logo stehen für die Chinesische Mauer, der Konzern will damit Robustheit und Langlebigkeit der Produkte betonen. Dudenhöffer ist denn auch überzeugt: «So, wie es aussieht, ist Great Wall Motors hauptsächlich am US-Geschäft mit den Marken Jeep, Dodge und Ram interessiert.»

Die Chinesen würden durch die Übernahme zu einem der weltweit grössten SUV- und Truck-Hersteller. «Die Kröte, die sie schlucken müssten, wäre hingegen das Europageschäft», sagt Dudenhöffer. Jedoch hat Great Wall Motors auch in Europa seine Ambitionen klargemacht. 2012 eröffnete er als erster chinesischer Autobauer ein Montagewerk für Fahrzeuge in einem EU-Land – im bulgarischen Dorf Bachowiza. Das Werk, das in China hergestellte Bauteile fertigmontiert, produzierte im ersten Betriebsjahr 2000 Fahrzeuge. Langfristig wollen die Chinesen in Bulgarien 50 000 Autos vom Band lassen.

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