Persönlich

Wie unser Autor beim Zahlen mit dem Handy in die Falle tappte

Vor zehn Jahren prophezeite unser Autor, dass das Handy zum Portemonnaie wird. Es hat länger gedauert. Umso begeisterter ist er jetzt. Doch sein Loblied endet abrupt.

Raffael Schuppisser
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Mobile Payment ist während der Pandemie gefragt.

Mobile Payment ist während der Pandemie gefragt.

Keystone

Wurde der Kunde früher aufgefordert, kleine Beträge bar zu bezahlen, so klebt nun an jeder zweiten Theke ein Zettel: «Wir bevorzugen kontaktlose Zahlungen.» Dem Wunsch leiste ich konsequent Folge. Seit letztem Frühling verzichte ich nicht nur auf Bargeld, sondern bezahle ausschliesslich mit dem Handy. Der Zeitpunkt für den Verzicht aufs Portemonnaie hat nicht nur mit Corona zu tun, sondern auch mit meiner Bank.

Die hat sich nämlich erst letztes Jahr für die Bezahldienste Google Pay und
Apple Pay geöffnet. Natürlich hätte ich schon früher auf das Handybezahlen umsteigen können, indem ich zu einem anderen Kreditkarten-Herausgeber gewechselt hätte, wie mir das eine Apple-Mitarbeiterin bereits vor fünf Jahren, beim Start des Services in der Schweiz, ans Herz gelegt hatte. Tat ich aber nicht. Die Bank wechseln ist etwas vom Mühsamsten, was ich mir vorstellen kann. Und schliesslich geht es beim mobilen Bezahlen ums genaue Gegenteil: um «convenience». Bequemlichkeit also.

Zehn Jahre warten, bis das Handy zum Portemonnaie wurde

Auch Twint nutze ich schon länger, aber lediglich, um kleine Beträge an Freunde zu überweisen. In Geschäften finde ich das Scannen eines QR-Codes wenig «convenient». Also habe ich brav auf die Zukunft gewartet, die ich bereits vor zehn Jahren willkommen hiess: «Das Handy wird zum Portemonnaie», überschrieb ich am 6. März 2011 einen Artikel.

Damals sind die ersten Smartphones mit einem NFC-Chip, über den auch kontaktlose Kreditkarten verfügen, auf den Markt gekommen. Auf die Implementierung der Technologie folgte ein langer Streit zwischen den Banken und Apple (mit Auswirkungen auf Google Pay). So musste ich mich ein Jahrzehnt lang gedulden, bis mein Handy tatsächlich zum Portemonnaie wurde.

Umso konsequenter nutze ich es nun zum Bezahlen. Die ersten zwei Mal noch mit einer gewissen Spannung: Funktioniert es, oder nicht? Dann routiniert. Bald schon verliess ich das Haus ohne Portemonnaie. Und schliesslich fand ich es sogar mehrere Tage nicht mehr. Den einzigen Grund, es zu suchen – abgesehen von der ID, die ich während der Pandemie so gut wie nicht brauchte– war die Sorge, dass es irgendwo verloren gegangen war und jemand anderer mit meinen Kreditkarten bezahlte.

Einfacher und sicherer als Bargeld und Kreditkarten, aber...

Ich entdeckte es dann in der Aussentasche eines selten gebrauchten Rucksacks. Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil des Smartphone-Portemonnaies: Man kann es über die Funktion «Finde My Phone» aufspüren. Ausserdem kann ein Dieb mit einer Kreditkarte auch ohne Pin übers Internet grosse Zahlungen tätigen, beim Smartphone geht das nicht.

Um einen Mythos abzulegen: Sicherheitsbedenken sind fehl am Platz. Die Daten, die über die NFC-Verbindung übermittelt werden, lassen sich nur zu einer einzigen Zahlung nutzen; auch wenn sie von einem Hacker abgefangen würden, kann er nichts damit anfangen.

Kurz, das Smartphone ist sicherer als Bargeld und als die Kreditkarte. Ausserdem werden die letzten Transaktionen in der App aufgelistet. So behalte ich die Übersicht. Lauter Vorteile also. Und doch wurde meine Freude über das mobile Bezahlen kürzlich getrübt. Der dampfende Kaffee stand schon auf der Bar, da zeigte das Handy einen schwarzen Bildschirm. Kein Akku.