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PEUGEOT-CITROËN: «Wir wollen eine deutsche Marke im Portfolio»

Der französische Autohersteller wirbt mit einem nahezu verdoppelten Gewinn für die Übernahme von Opel. Auch in Berlin entdeckt man die Vorteile einer europäischen Partnerschaft.
Peugeot-Wagen in einem Verkaufsraum in Frankreich. (Archivbild: Guillaume Horajuelo/EPA)

Peugeot-Wagen in einem Verkaufsraum in Frankreich. (Archivbild: Guillaume Horajuelo/EPA)

Es herrscht Aufbruchstimmung in der Pariser Zentrale von Peugeot-Citroën (PSA) an der Avenue de la Grande Armée. Auf der zehnspurigen, zum Triumphbogen führenden Prachtstrasse steht an diesem Donnerstagmorgen nicht mehr Napoleons Grosse Armee, dafür der Autoverkehr. Ein Viertel der Wagen sind, grob gefühlt, Peugeot- und Citroën-Modelle.

Das freut PSA-Chef Carlos Tavares, der im Gebäudeinneren die Geschäftszahlen für das letzte Jahr verkündet und daraus flugs ein Argument für die geplante Übernahme von Opel macht. Der Umsatz ist zwar wegen eines Spartenverkaufs und des Wechselkurses von 54,7 auf 54 Milliarden Euro gesunken; dafür ist der Reingewinn um fast 80 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro hochgeschnellt. PSA entrichtet deshalb erstmals seit 2011 wieder eine Dividende – und das nach einer Firmenkrise, die fast im Bankrott endete und zur Entmachtung der Peugeot-Familie führte. Grund genug, dass General Tavares nun selbst über den Rhein setzen will. Dort winkt eine deutsche Marke – das höchste der Gefühle für die französischen Autobauer, die es nie richtig geschafft haben, Premium-Anbietern wie Mercedes oder BMW Paroli zu bieten.

Chef spricht über Opel in der Zukunftsform

Gewiss, Opel ist ein anderes Kaliber. Aber das deutsche Engineering bestaunten die Besucher des Pariser Autosalons im Herbst selbst an Opel-Modellen wie dem Ampera-e. Tavares verhehlt denn auch gar nicht: «Wir wollen eine deutsche Marke im Portfolio von PSA haben.» Es gebe im Weltmarkt Länder, die keine französischen, sondern lieber deutsche Marken auf ihre Einkaufslisten setzen. «Deshalb würde Opel für uns eine echte Komplementarität darstellen.» Der 58-jährige Autoprofi betont mehrmals, der Deal sei noch nicht unter Dach und Fach. Aber die zweistündige Pressekonferenz hinterlässt einen gegentei­ligen Eindruck. Opels Noch-­Besitzer General Motors erwähnt Tavares gar nicht, und statt der Wenn- benützt er meist die Zukunftsform: «Opel wird eine deutsche Marke mit deutschem Engineering bleiben», versichert er. Er betont, wie autonom die deutschen Partner bleiben werden. Um die Wende zu schaffen, werde das Opel-Management den Sanierungsplan zusammen mit den Gewerkschaften erarbeiten. Natürlich werde die PSA-­Direktion die «Methodik, Unterstützung und die Massstäbe» vorgeben. Doch es sei klar, dass Opel über die Bücher gehen müsse: «Ein Unternehmen, das seit zehn Jahren rote Zahlen schreibt und jährlich eine Milliarde an Cash verbrennt, kann nicht ewig so weitermachen», sagt Tavares.

Auch den zahlreichen Investoren und Anlegern im Saal versichert der PSA-Chef: Bei einem Zusammenschluss mit PSA seien «relativ rasch Synergien möglich». Denn Opel müsse unbedingt seine «Kosteneffizienz verbessern». Welche konkreten Folgen diese Kostensenkung für die 19000 Opel-Mitarbeiter in Deutschland haben könnte, lässt Tavares offen. Aber er bekräftigt: «Bei PSA hält man sich an Vereinbarungen.» Damit meint er die Beschäftigungsgarantie bis Ende 2018, die er diese Woche den Regierungschefinnen Angela Merkel in Berlin und Theresa May in London gegeben hatte.

«Ein europäischer Champion»

Gefragt, wie er die deutschen Ingenieure dazu bringen wolle, Opel-Modelle auf Peugeot- oder Citroën-Plattformen zu bauen, verweist der PSA-Boss auf die bereits bestehenden Kooperationen: «Bei drei gemeinsamen Modellen arbeiten wir sehr konstruktiv zusammen, ohne dass mir Probleme bekannt wären.» Auf eine weitere Journalistenfrage nach allfälligen US-Plänen verspricht Tavares generell: «Sobald Opel wieder Licht am Tunnelende sieht, eröffnet sich auch die Möglichkeit, die Exporte über Europa hinaus auszuweiten.» Für genaue Markt- oder Modellpläne sei es allerdings zu früh. Sicher ist der PSA-Chef, dass mit Peugeot, Citroën, Opel und dessen britischem Ableger Vauxhall ein «europäischer Champion» entstehen werde.

Auch die deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries und ihr französischer Kollege Michel Sapin nannten die «Allianz» von PSA und Opel zur Bildung eines europäischen Global Players gestern eine «Chance». Synergiepotenziale müssten allerdings in mehr Wachstum umgesetzt werden, um die Standorte und Jobs langfristig zu sichern, meinten sie bei einem Treffen in Paris. Wie Sapin verlangt Zypries «schnelle Klarheit» für die Mitarbeiter und deren «Beteiligung an den Verhandlungen». Zusätzlichen Druck machen die beiden Regierungsvertreter mit dem Hinweis, sie wollten die Verhandlungen «konstruktiv begleiten».

Stefan Brändle, Paris

wirtschaft@luzernerzeitung.ch

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