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PFALZ: Die deutschsprachige Toscana

Die Einheimischen vergleichen ihre Heimat gern mit Italien. Bei ihnen wachsen Feigen und Auberginen, sie lieben Wein und gutes Essen. Und blicken auf eine Geschichte, die viele Monumente zurückgelassen hat.
In Tagesetappen lässt sich auf dem Pfälzer Weinsteig wandern, hier unter dem Hambacher Schloss. (Bild DWI)

In Tagesetappen lässt sich auf dem Pfälzer Weinsteig wandern, hier unter dem Hambacher Schloss. (Bild DWI)

Markus Rohner

Helmut Kohl war immer ein geselliger Gastgeber. Ob als Ministerpräsident in Mainz oder später als Kanzler in Bonn. Wenn ein Freund in seinem Dienstzimmer in einem der modernen Ledersessel Platz genommen hatte, schrie er ins Vorzimmer: «Juliane, hol emol e Fläschje und bring uns was zu knabbern.» Er stapelte die von seiner Büroleiterin hereingebrachten Kekse auf dem Beistelltisch zu kleinen Säulen. Gegessen hat er sie allein. Nur beim Wein, noblen Rieslingen aus Pfälzer Traumlagen, bestand er auf Teilhabe.

So sind sie bis heute, die genussfreudigen Pfälzer. Sie trinken viel von ihrem Wein und füllen ihre Bäuche gern mit deftigen Speisen. Wann immer Kohl einen ausländischen Staatsgast bei sich empfing, führte er ihn in seine Heimat. Thatcher, Mitterrand, Gorbatschow und Co. konnten ein Lied davon singen. Zu Gast waren sie meistens im «Deidesheimer Hof» in Deidesheim.

Der berühmte Saumagen

Spezialität des Hauses ist der legendäre Saumagen. Kohls Leibspeise ergeht es ein bisschen wie der Pfalz, deren kulinarisches Symbol er ist: Wer seine Bekanntschaft noch nicht gemacht hat, neigt dazu, ihn zu belächeln. Und tatsächlich ist der Saumagen als Idee erst einmal das Gegenteil von Raffinesse. Aber man soll ja nicht den Schweinsmagen essen, sondern das, was der Metzger dort hineinstopft. Das ist mageres Schweinefleisch. Dazu kommen geschälte Kartoffeln und Zwiebeln. Manchmal werden auch Karotten oder Kastanien hinzugefügt. Serviert wird der Saumagen als knusprig gebratene Scheibe.

Man könnte in Anbetracht dieses vom Altkanzler zelebrierten Saumagen-Spektakels jetzt spekulieren, die Pfälzer als talentierte Selbstdarsteller brauchten immer eine Bühne. Mag sein, dass der Pfälzer sich gern in den Mittelpunkt stellt. Er ist ein rechtschaffener und erdverbundener Mensch, ein bisschen eigenwillig bis schroff, aber mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. Anders als im Badischen kommt man hier oben in Deutschland, links und rechts des Rheins, mit dem Schweizer Dialekt nicht mehr durch. Die «Pfälzer Sproch» ist ein rheinfränkischer Dialekt, und mancher Besucher von auswärts tut sich nicht leicht daran, sie zu verstehen oder gar Redewendungen richtig zu deuten.

Klima für Mandeln und Melonen

Die Pfälzer sind erdverbundene Menschen, die geradezu prädestiniert sind, das Beste aus ihrem Boden herauszuholen. Und das machen sie seit Generationen. Spielt dann auch noch das Klima mit, ist man nicht mehr weit entfernt von südlichen Gefilden. Deutsche Toscana also.

85 Kilometer von Bockenheim im Norden bis Schweigen an der französischen Grenze. Da sind die Weinberge, die Esskastanienbäume, die 1800 Sonnenstunden im Jahr. Man nimmt es hier genau mit den Statistiken, Bad Dürkheim ist der besonnteste Ort des deutschen Festlandes. Wenn sie in der Pfalz nicht über den Wein sprechen oder über das Essen, dann reden sie über ihr Wetter. Ein gesegnetes Klima. Ein Klima für Feigen, Tomaten und Auberginen, für Mandeln und Melonen.

Kulturell wandernd

Die Ahnen in der Pfalz waren höchst bunt gemischt. Es gab die Römer, die Salier, die Staufer und die Bayern. Dann kamen die Franzosen, deren von Ludwig XIV. angezettelter Erbfolgekrieg zur Zerstörung vieler Burgen führte. Egal, an welcher Ruine in der Pfalz man vorbeikommt, immer steht davor: «Zerstört im Erbfolgekrieg».

Mit dem Pfälzer Weinsteig ist vor ein paar Jahren ein für Touristen attraktives Angebot erschlossen worden. In angenehmen Tagesetappen (der Weg führt durch die Reben und immer wieder auch in den nahegelegenen Pfälzer Wald) kann der Fremde eigentlich fast alles entdecken, was für die Region von Bedeutung ist. Idyllische Weindörfer, historische Burgen und Schlösser, mediterrane Kieferwälder, lauschige Weinpfade.

Aber nicht vergessen: Dazwischen immer wieder mal in einer Weinschenke einen Halt einschalten. Saumagen, Leberknödel und Bratwurst, zusammen mit einem Viertele Riesling, sollen nie besser schmecken als auf dieser Wanderung. Erzählt jedenfalls die erfahrene Winzerfrau aus Forst, einem Bilderbuchort an der Weinstrasse.

Auf dem Weg nach Weyher bei Edenkoben, einem der idyllischen Weindörfer. (Bild fotolia)

Auf dem Weg nach Weyher bei Edenkoben, einem der idyllischen Weindörfer. (Bild fotolia)

Pilgerfigur vor dem Speyerer Dom, der grössten erhaltenen romanischen Kirche Europas. (Bild fotolia)

Pilgerfigur vor dem Speyerer Dom, der grössten erhaltenen romanischen Kirche Europas. (Bild fotolia)

Der Feuerbachpark in der 2000 Jahre alten Stadt Speyer. (Bild Klaus Venus)

Der Feuerbachpark in der 2000 Jahre alten Stadt Speyer. (Bild Klaus Venus)

Helmut Kohl führte seine ausländischen Staatsgäste jeweils in den «Deidesheimer Hof». (Bild PD)

Helmut Kohl führte seine ausländischen Staatsgäste jeweils in den «Deidesheimer Hof». (Bild PD)

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