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Wenn Pilz gegen Pilz kämpft

Pilze zerfressen häufig Bäume und Holzkonstruktionen. Nun steht ein natürliches Mittel zur Verfügung, das auch die Swisscom für ihre Telefonmasten anwendet.
Andrea Söldi
Der Baumwipfelpfad in Mogelsberg wurde mit dem neuen Pilz-Mittel behandelt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der Baumwipfelpfad in Mogelsberg wurde mit dem neuen Pilz-Mittel behandelt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Auch in der Zeit der Internet-Telefonie: In der Schweiz stehen immer noch rund eine halbe Million Telefonmasten aus Holz. Und die Umwelteinflüsse setzen ihnen zu. Die Swisscom muss jedes Jahr etwa 5000 von ihren Masten ersetzen, grösstenteils, weil sie von einem Pilz zerfressen sind. Seit dem Sommer letzten Jahres macht das Telecom-Unternehmen einen Versuch mit einem neuen, natürlichen Produkt, dank dem die Masten deutlich länger halten sollen.

Es handelt sich um ein Granulat aus einer anderen Pilzart, das rundherum ins Erdreich eingestreut wird. «Pilze in der Natur haben meist einen Gegenspieler», erklärt Francis Schwarze, der das Mittel an der Forschungsanstalt Empa entwickelt hat. «So halten sie sich gegenseitig im Zaum.» Werden Hölzer ausserhalb ihrer natürlichen Umgebung gebracht, kann dieser Effekt häufig nicht mehr spielen. Das Gleichgewicht gerät ausser Kontrolle und Schädlinge können sich ungehindert ausbreiten. Viele Holzkonstruktionen werden deshalb mit chemischen Mitteln imprägniert, damit sie länger Bestand haben. Mittlerweile behandelt die Swisscom sämtliche neuen Pfähle mit dem umweltfreundlichen Produkt der Firma Mycosolutions.

Sicheren Fusses über Baumwipfel und Zürichsee

Aufgrund der positiven Erfahrungen haben auch die Erbauer des Baumwipfelpfades im St. Gallischen Mogelsberg bereits präventiv den Pilzexperten zu Rate gezogen. Die Holzkonstruktion, die auf Höhe der Baumkronen über 500 Metern durch ein Waldstück verläuft, steht auf geschälten Weisstannenstämmen, die wegen ihrer schrägen Ausrichtung besonders stark der Witterung ausgesetzt sind.

«Wenn das Holz austrocknet, entstehen Risse, in denen sich Wasser ansammelt. Das feuchte Klima fördert Fäulnispilze», erklärt Regionalförster Christof Ganter. Im Rahmen eines Forschungsprojekts habe man die Stämme deshalb prophylaktisch mit einer flüssigen Pilzlösung besprüht und an einigen Stellen auch eine Paste aufgetragen. Damit soll die im Frühling eröffnete Naturattraktion langfristig Bestand haben wird.

Anwendung auch in der Landwirtschaft denkbar

Nach diversen ermutigenden Ergebnissen arbeitet die Firma Mycosolutions emsig an neuen Anwendungen für ihre Pilzmittel. Auftrieb verleiht ihr auch die immer stärkere Reglementierung von chemischen Substanzen. In der EU und auch in der Schweiz laufen die Zulassungen für Bor und Chrom Ende 2019 aus. Deshalb sehen sich viele Unternehmen nach neuen, umweltfreundlicheren Produkten um. Grosse Netzbetreiber der Telefon- und Strombranche im In- und Ausland interessieren sich für die Mittel des Startups. Dieses bietet auch Produkte an, um bereits befallene Hölzer zu behandeln. Sie kamen unter anderem bei der langen Holzbrücke am unteren Zürichsee bei Rapperswil zum Einsatz. Die Pfosten des knapp 20 jährigen Fussgängerstegs waren von einem Pilz namens Eichenwirrling angegriffen.

Weitere Anwendungen sind in der Landwirtschaft denkbar, wo noch immer grosse Mengen an Fungiziden gebraucht werden. Erste Versuche laufen in privatem Rahmen in einem Gemüsegarten sowie an Weinreben an einer Hausfassade. In Grossbritannien konnte man zudem durch die Pilzbehandlung eines Golfrasens auf Fungizide verzichten.

Bäume in den Parks retten

Nicht nur totes Holz wird häufig von Pilzen befallen, sondern auch Bäume in Parks und Städten. Stattliche Bäume werden brüchig oder können sogar ganz absterben, weil ihre Wurzeln von Pilzen wie dem Wulstigen Lackporling oder dem Hallimasch angegriffen werden. Um diese Arten zu bekämpfen, entwickelt Francis Schwarze massgeschneiderte Gegenspieler anhand von Proben, welche ihm die zuständigen Baumpfleger per Post zustellen. Die gezüchteten Pilz-Nützlinge in Granulatform werden dann ins Erdreich rund um den Stamm von befallenen Bäumen eingearbeitet. Sie können schädliche Pilze im Boden verdrängen.

Schwarze konnte so bereits zahlreiche Bäume in verschiedenen Ländern Europas, aber auch in Asien und Australien retten. In der Schweiz ist eine entsprechende Behandlung erst seit letztem Jahr zugelassen. Die Jungunternehmer führen nun Schulungen für Baumpfleger und Fachleute durch, die für Grünanlagen in verschiedenen Schweizer Städten verantwortlich sind.

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