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Produktion gerettet: Junger Toggenburger stellt Lindauerli her

Der letzte professionelle Hersteller der traditionellen Pfeifen hat letztes Jahr aufgehört. Jetzt springt Andreas Hagmann ein, in der elterlichen Werkstatt in Mogelsberg stellt er Lindauerli her und sorgt mit seinem Hobby dafür, dass der Rauch aus dieser speziellen Tabakpfeife doch nicht ganz ausgeht.
Adi Lippuner
Andreas Hagmann bei der Arbeit – ein Lindauerli schmauchend. (Bilder und Video: Michel Canonica)

Andreas Hagmann bei der Arbeit – ein Lindauerli schmauchend. (Bilder und Video: Michel Canonica)

Der letzte professionelle Lindauerli-Hersteller hat vergangenes Jahr aufgehört und seither hiess es «ausverkauft», wenn ein Kunde im Geschäft nach einem Lindauerli fragte. Doch inzwischen gibt es Rettung für die vielleicht in Verlegenheit geratenen Freunde dieser speziellen, rund um den Alpstein beliebten Tabakpfeife. Der junge Toggenburger Andreas Hagmann stellt nun Lindauerli her, mittlerweile entstanden gegen 50 Stück in der elterlichen Werkstatt in Mogelsberg.

«Es ist ein Hobby und soll es auch bleiben, aber die Herausforderungen rund um die Lindauerli-Herstellung faszinieren mich immer wieder aufs Neue», sagt der 18-jährige Hagmann bei einem Werkstattbesuch. Verkauft werden die Einzelstücke direkt ab Werkstatt oder im Tabakfachgeschäft in Lichtensteig.

Der Werkstoff Holz hat es der Familie angetan

Die Liebe zum Werkstoff Holz hat Andreas Hagmann von seinem Vater übernommen, und auch dieser hatte in seinem Vater ein grosses Vorbild, wenn es um alte Handwerkskunst ging. Vater German ist einer der letzten Wagner im Tal, der Grossvater stellte noch Hornschlitten her – und Andreas begeistert sich nun eben als Drechslerlehrling für die Lindauerli.

Begonnen hat Andreas Hagmann ganz unspektakulär: Als Jugendlicher wollte er auch ab und zu ein Pfeifchen rauchen und es damit seinem Vater nachmachen. «Doch ich konnte mir nicht gut heimlich eine seiner Pfeifen ausleihen. Deshalb versuchte ich, eine eigene herzustellen, was so mehr oder weniger gelang», blickt er mit einem Schmunzeln zurück. Doch die Heimlichkeit habe nicht lange gedauert:

«Die Eltern merkten bald, dass ich ab und zu rauche.»

Mit Unterstützung des Vaters, seinen wertvollen Tipps und seinen Werkzeugen und den Scha­blonen machte sich Andreas Hagmann dann erneut ans Werk. Sein zweiter Versuch, eine Kniepfeife, hält er heute noch in Ehren und gönnt sich ab und zu eine gemütliche Rauchstunde. Stolz ist er auch auf seine verzierte Pfeife mit geradem Kopf und Deckel, die er sich selbst zur Konfirmation schenkte.

Lindauerli von Andreas Hagmann warten auf ihre neuen Besitzer. (Bild: Michel Canonica)

Lindauerli von Andreas Hagmann warten auf ihre neuen Besitzer. (Bild: Michel Canonica)

Eine alte, defekte Pfeife als Muster

Bei seinen gelegentlichen Einsätzen als Geiger in einer Ad-hoc-Appenzeller-Formation fielen dem jungen Toggenburger die kunstvoll verzierten Lindauerli auf. «Ein solches Tabakpfeifchen möchte ich auch herstellen können», wünschte er sich. Und weil der junge Mann Wünschen gerne Taten folgen lässt, machte er sich mit Hilfe eines Musters – ein altes, defektes Stück aus Vaters Besitz – ans Werk.

«Das war eine echte Herausforderung. Der Kopf muss schräg gestellt sein und wird mit einem konischen Becher versehen. Dazu kommt der Rand, der Deckel und als grösste Schwierigkeit die Befestigung des Deckels auf dem Becher.»

Er habe zu Beginn viel «Lehrgeld» in Form von unzähligen Tüftel- und Arbeitsstunden bezahlt, blickt Hagmann zurück. Doch inzwischen beherrscht er die Kunst und hat eine schöne Anzahl in aufwendiger Handarbeit gefertigt. «Es sind Einzelstücke, in jedem stecken viele Stunden Arbeit, von der Verzierung gar nicht zu reden.» Doch er mache diese Arbeiten gerne und freue sich jedes Mal, wenn wieder ein Lindauerli fertig sei.

Die Herstellung der Lindauerli soll ein Hobby bleiben, sagt Andreas Hagmann. (Bild: Michel Canonica)

Die Herstellung der Lindauerli soll ein Hobby bleiben, sagt Andreas Hagmann. (Bild: Michel Canonica)

Andreas Hagmann weiss, dass er – nachdem die Serienproduktion von der Drechslerei Stich in Kleinlützel SO eingestellt wurde – wohl einer der letzten Hersteller von Lindauerli ist. «Trotzdem soll es ein Hobby bleiben, ich strebe keine Serienproduktion an», sagt er. «Aber es ist wichtig, dass altes Wissen erhalten bleibt, so sehe ich es auch in meinem Lehrberuf.»

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